Polyarthritis der Lämmer (Schaf)
Die Polyarthritis der Lämmer ist eine bakteriell bedingte Entzündung mehrerer Gelenke, die vor allem Lämmer in den ersten Lebenswochen betrifft. Häufigste Erreger sind Streptokokken, Erysipelothrix rhusiopathiae (Rotlauf) sowie Chlamydien. Die Erkrankung führt zu Lahmheit, Schmerzen und kann unbehandelt bleibende Gelenkschäden hinterlassen.
Die Polyarthritis der Lämmer zählt zu den wirtschaftlich und tierschutzrelevant bedeutsamsten Gelenkerkrankungen in der Schafhaltung. Betroffen sind in der Regel Lämmer zwischen der ersten und achten Lebenswoche. Die Erreger gelangen meist über den Nabel, über Verletzungen (z.B. nach dem Kupieren oder der Kastration) oder über die Maul- und Rachenschleimhaut in den Blutkreislauf und siedeln sich in mehreren Gelenken gleichzeitig an. Typischerweise sind Karpal-, Tarsal-, Knie- und Fesselgelenke betroffen.
Häufige Erreger
- Streptococcus dysgalactiae: häufigster Erreger bei jungen Lämmern, oft in den ersten Lebenstagen
- Erysipelothrix rhusiopathiae: Rotlauferreger, vor allem bei älteren Lämmern nach Kontakt mit kontaminierter Einstreu oder Schurplätzen
- Chlamydia pecorum: verursacht häufig kombinierte Gelenk- und Augenentzündungen
- Escherichia coli und andere Keime bei Nabelinfektionen
Betroffene Strukturen und Folgen
Die Bakterien lösen eine eitrige oder fibrinöse Entzündung der Gelenkkapsel, der Synovialmembran und teils des Knorpels aus. Es kommt zu Gelenkergüssen, Schwellungen und in fortgeschrittenen Stadien zu Knorpeldestruktion sowie Bandinstabilitäten. Chronische Verläufe können in Gelenkfehlstellungen, Kontrakturen oder dauerhafter Lahmheit münden.
Orthopädische Relevanz
Auch nach erfolgreicher antibiotischer Behandlung durch den Tierarzt können bleibende Schäden wie Kapselfibrosen, eingeschränkte Gelenkbeweglichkeit oder Achsenfehlstellungen zurückbleiben. In solchen Fällen können tierorthopädische Hilfsmittel wie Stützbandagen, Karpalorthesen oder individuell angefertigte Korrekturhilfen sinnvoll sein, um das Lamm während der Rekonvaleszenz zu entlasten, Fehlstellungen zu korrigieren und die weitere Entwicklung des Bewegungsapparats zu unterstützen.
Prävention
Wichtigste Maßnahmen sind eine ausreichende Kolostrumversorgung, hygienische Ablamm- und Stallbedingungen, sorgfältige Nabeldesinfektion sowie saubere Arbeitsweise bei Eingriffen wie Kastration oder Schwanzkupieren.
Mögliche Symptome
- Lahmheit an mehreren Gliedmaßen
- Geschwollene, warme und schmerzhafte Gelenke
- Bewegungsunlust, Liegen
- Verminderte Saugaktivität
- Fieber und reduzierter Allgemeinzustand
- Abmagerung und Entwicklungsrückstand
- Steife, klamme Gangart
- Gelenkfehlstellungen bei chronischem Verlauf
Orthopädische Indikationen
- Stützbandagen zur Entlastung schmerzhafter Gelenke in der Rekonvaleszenz
- Karpalorthesen bei Instabilität nach durchgemachter Gelenkentzündung
- Korrekturhilfen bei Achsenfehlstellungen infolge chronischer Polyarthritis
- Tarsalorthesen bei bleibender Bewegungseinschränkung des Sprunggelenks
- Individuelle Schienen zur Vermeidung von Kontrakturen während Heilungsphase
Häufige Fragen
Ab welchem Alter tritt Polyarthritis bei Lämmern auf?
Am häufigsten erkranken Lämmer in den ersten ein bis acht Lebenswochen. Besonders gefährdet sind Tiere mit unzureichender Kolostrumaufnahme oder nach Nabel-, Kastrations- bzw. Kupierwunden.
Können orthopädische Hilfsmittel die Behandlung ersetzen?
Nein. Die Polyarthritis ist eine bakterielle Infektion und muss zwingend durch den Tierarzt behandelt werden, in der Regel mit Antibiotika und Entzündungshemmern. Orthesen oder Bandagen ergänzen die Therapie und unterstützen die Rehabilitation, ersetzen sie aber nicht.
Welche Spätfolgen können nach einer Polyarthritis bleiben?
Mögliche Spätfolgen sind chronische Lahmheit, eingeschränkte Gelenkbeweglichkeit, Bandinstabilitäten und Fehlstellungen der Gliedmaßen. Eine frühzeitige Behandlung und gegebenenfalls orthopädische Unterstützung können diese Folgen verringern.
Wie kann ich Polyarthritis bei meinen Lämmern vorbeugen?
Wichtig sind eine zügige und ausreichende Kolostrumversorgung, eine saubere Ablammbox, gründliche Nabeldesinfektion sowie hygienisches Arbeiten bei allen Eingriffen. Auch eine Rotlauf-Impfung des Mutterschafs kann je nach Bestandssituation sinnvoll sein.