Die Degenerative Myelopathie (DM) ist eine der bedrückendsten Diagnosen die ein Hundebesitzer erhalten kann. Die Krankheit schreitet unaufhaltsam fort — aber: DM ist schmerzfrei, und mit dem richtigen Rollwagen und intensiver Physiotherapie können viele Hunde noch Jahre aktiv und glücklich leben. Dieser Ratgeber erklärt alles was ihr wissen müsst.
Was ist Degenerative Myelopathie?
Die Degenerative Myelopathie ist eine progressive, degenerative Erkrankung des Rückenmarks. Die Nervenfasern im Rückenmark verlieren ihre Myelinscheide — die schützende Isolierschicht — und degenerieren zunehmend. Dadurch werden die Signale zwischen Gehirn und Hinterbeinen immer schlechter übertragen.
Der entscheidende Unterschied zu anderen Rückenmarkserkrankungen: DM ist vollständig schmerzfrei. Der Hund verliert die motorische Kontrolle über seine Hinterbeine, empfindet dabei aber keine Schmerzen. Das ist sowohl eine gute als auch eine schwierige Nachricht — gut, weil der Hund nicht leidet; schwierig, weil es keine Schmerzsignale gibt die früh auf die Erkrankung hinweisen.
DM ist mit einer Mutation im SOD1-Gen (Superoxide Dismutase 1) assoziiert. Ein Gentest kann feststellen ob ein Hund Träger dieser Mutation ist. Hunde mit zwei Kopien der Mutation (homozygot) haben ein deutlich erhöhtes Erkrankungsrisiko. Der Test ist besonders für Züchter relevant.
Krankheitsverlauf — die Stadien der DM
DM verläuft in charakteristischen Stadien. Die Progression ist individuell unterschiedlich — manche Hunde entwickeln sich schnell, andere haben über Monate ein nahezu stabiles Stadium. Durchschnittlich vergeht von den ersten Symptomen bis zur vollständigen Hinterhandlähmung etwa ein bis drei Jahre.
Symptome erkennen — früh handeln
Diagnose — wie DM festgestellt wird
Die definitive DM-Diagnose ist zu Lebzeiten schwierig — das einzige sichere Diagnosekriterium ist die histologische Untersuchung des Rückenmarks post mortem. Im klinischen Alltag wird DM durch Ausschluss anderer Ursachen diagnostiziert:
- Neurologische Untersuchung: Beurteilung der Reflexe, Propriozeption und Muskelspannung. Bei DM sind Propriozeptionsdefizite (Hund merkt nicht wenn Pfote umgeklappt ist) typisch.
- Röntgen der Wirbelsäule: Ausschluss von Bandscheibenvorfällen, Tumoren, Frakturen.
- MRT oder CT: Detaillierte Beurteilung des Rückenmarks — wichtig zum Ausschluss anderer Erkrankungen.
- Liquoranalyse: Untersuchung der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit — bei DM meist unauffällig.
- SOD1-Gentest: Positiver Befund (homozygot) erhöht die Wahrscheinlichkeit einer DM-Diagnose erheblich.
DM wird oft verwechselt mit Bandscheibenvorfall (IVDD), Wirbelsäulentumoren oder Arthrose. Der wichtigste Unterschied: DM ist schmerzfrei, IVDD schmerzt. Ein erfahrener Neurologe kann die Differenzierung meist klinisch vornehmen.
Betroffene Hunderassen
Physiotherapie — verlangsamt die Progression
Intensive Physiotherapie ist die einzige Maßnahme die nachweislich die Progression der DM verlangsamen kann. Studien zeigen, dass intensiv physiotherapeutisch behandelte DM-Hunde deutlich länger geh- und stehfähig bleiben als unbehandelte Hunde.
- Unterwasserlaufband (täglich wenn möglich): Das wichtigste Werkzeug bei DM. Muskelerhalt bei minimaler Gelenkbelastung.
- Schwimmen: Alternativ oder ergänzend — aktiviert alle Muskelgruppen
- Assistiertes Gehen: Unterstützung mit Tragehilfe — erhält das Gangmuster
- Balancetraining: Aktiviert verbliebene Propriozeptoren
- Stehtraining: Täglich mehrmals in Stehposition bringen — erhält Muskulatur und Kreislauf
- Massage: Verhindert Muskelverkrampfungen und fördert Durchblutung
Ein DM-Hund im Rollwagen der täglich schwimmt und Unterwasserlaufband hat, kann noch viele Monate oder sogar Jahre aktiv und freudig leben. Die Krankheit schreitet fort — aber das Leben geht weiter.
Der Rollwagen — Lebensqualität erhalten
Ein Rollwagen ist für DM-Hunde kein Zeichen der Aufgabe — sondern ein Zeichen der Fürsorge. Mit dem richtigen Rollwagen bleiben DM-Hunde mobil, aktiv und können am Familienleben teilnehmen.
Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Viele Besitzer warten zu lange mit dem Rollwagen. Die richtige Zeit ist: sobald der Hund die Hinterbeine nicht mehr zuverlässig tragen kann — also schon in Stadium 2. Frühzeitiger Einsatz hat klare Vorteile:
- Hund lernt die Nutzung einfacher — Gewohnheit bildet sich leichter
- Muskulatur bleibt durch aktive Nutzung länger erhalten
- Weniger Druckstellen durch schleifende Hinterbeine
- Psychisches Wohlbefinden — Hund ist mobil und aktiv
Maßanfertigung bei Trittwerk
Ein Rollwagen muss perfekt passen — zu groß, zu klein oder falsch eingestellt verursacht Druckstellen und frustriert den Hund. Bei Trittwerk wird jeder Rollwagen individuell vermessen und gefertigt. Wir berücksichtigen Körperlänge, Schulterhöhe, Gewicht und die spezifische Situation des Hundes.
- Beratung: Gemeinsam besprechen wir welche Rollwagen-Variante am besten passt.
- Vermessung: Präzise Körpermaße — vor Ort oder mit unserer Anleitung per Foto.
- Fertigung: 1–2 Wochen Fertigungszeit.
- Anprobe und Einweisung: Wir zeigen wie der Rollwagen korrekt eingestellt wird.
- Nachjustierung: Alle Anpassungen kostenlos — auch wenn der Hund weiter an DM verliert.
Pflege eines DM-Hundes — praktischer Alltag
- Liegefläche: Orthopädisches Hundebett verhindert Druckstellen an Knochen
- Regelmäßiges Umlagern: Alle 4–6 Stunden die Seite wechseln — verhindert Decubitus (Wundliegen)
- Hygiene: Windeln oder Hosen für Hunde wenn Blasenkontrolle nachlässt
- Nägelpflege: Da Nägel schleifen — regelmäßig kürzen
- Pfotenschutz: Socken oder kleine Schuhe schützen die Pfoten beim Schleifen
- Blasenausdrücken: Wenn nötig, vom Tierarzt zeigen lassen
- Massagen: Täglich kurze Massagen der Hinterbeine
Häufig gestellte Fragen
Fazit
DM — kein Ende, sondern ein anderer Weg.
Die Diagnose DM ist schwer. Aber mit dem richtigen Rollwagen, intensiver Physiotherapie und liebevoller Pflege können DM-Hunde noch lange glücklich leben. Die Krankheit schreitet fort — das Leben mit eurem Hund aber auch.