Ausführlich
Der Ballentritt zählt zu den häufigsten selbstverschuldeten Verletzungen am Pferdehuf. Er entsteht, wenn ein Pferd mit dem Huf oder dem Eisen eines anderen Beines: meist der Hinterhand: auf den Ballen eines Vorderbeines tritt. Besonders gefährdet sind Pferde mit weiten oder unkoordinierten Gangarten, junge Pferde, Pferde mit Stellungsfehlern sowie Tiere, die auf tiefem oder rutschigem Boden bewegt werden.
Anatomischer Hintergrund
Der Hufballen besteht aus weichem, elastischem Horn und liegt im hinteren Bereich des Hufes. Er geht in die behaarte Haut der Fesselbeuge über und schützt die darunterliegenden Strukturen wie Strahlbein, tiefe Beugesehne, Hufknorpel und das Kronbein. Da der Ballen weich und stark durchblutet ist, kommt es bei Verletzungen schnell zu Blutungen und Schwellungen.
Ursachen und Risikofaktoren
Übergreifen der Hinterhufe in schnellen Gangarten oder beim Springen
Stollen oder scharfkantige Eisen
Stellungsfehler (z. B. bodenenge oder bodenweite Stellung)
Ermüdung, Koordinationsprobleme, junge oder unerfahrene Pferde
Tiefer, schwerer oder rutschiger Boden
Falsche oder unpassende Hufbeschlagsituation
Schweregrade
Ballentritte reichen von oberflächlichen Quetschungen mit Hautabschürfung bis zu tiefen Rissverletzungen, die bis in die Lederhaut, den Hufknorpel oder das Kronbein reichen können. Tiefe Ballentritte gelten als ernsthafte Verletzungen, da Infektionen mit Beteiligung von Hufknorpel (Hufknorpelfistel) oder Hufgelenk drohen.
Orthopädische Relevanz
Während und nach der Heilung kann eine orthopädische Versorgung sinnvoll sein, um den Ballen zu entlasten, das Eintreten erneut zu verhindern oder die Wundheilung zu unterstützen. Hierzu zählen Ballenschutzglocken (Springglocken), individuell angepasste Bandagen sowie spezielle Hufverbände. Bei tieferen Verletzungen kommen orthopädische Beschläge zur Entlastung bestimmter Hufbereiche infrage. Die Behandlung sollte immer in Abstimmung mit Tierarzt und Hufschmied erfolgen.
Mögliche Symptome
Plötzliche Lahmheit, häufig an einem Vorderbein
Blutung oder Wunde im Ballenbereich
Schwellung und Wärme an Ballen und Fesselbeuge
Schmerzempfindlichkeit bei Druck auf den Ballen
Schonhaltung, vorsichtiges Auffußen
Bei Infektion: pochender Puls an der Mittelfußarterie, eitriges Sekret
Orthopädische Indikationen
Schutz des Ballens durch Springglocken bei gefährdeten Pferden
Hufverbände zur Wundheilung nach Ballentritt
Entlastende orthopädische Beschläge bei tiefen Verletzungen
Bandagen oder Gamaschen zur Stabilisierung und zum Schutz im Training
Individuelle Hufschuhe zum Schutz während der Rekonvaleszenz
Häufige Fragen
Typisch sind eine plötzlich auftretende Lahmheit, eine sichtbare Wunde oder Quetschung am Hufballen sowie Schwellung und Schmerzhaftigkeit im Fesselbereich. Bei Verdacht sollte das Bein gereinigt und ein Tierarzt hinzugezogen werden, um die Tiefe der Verletzung zu beurteilen.
Die Heilungsdauer hängt stark von der Tiefe der Verletzung ab. Oberflächliche Quetschungen heilen oft innerhalb von ein bis zwei Wochen, während tiefe Ballentritte mit Beteiligung von Hufknorpel oder tieferen Strukturen mehrere Wochen bis Monate Behandlung erfordern können.
Springglocken oder Ballenschutzglocken bieten einen guten mechanischen Schutz, besonders bei jungen oder zu Übergriffen neigenden Pferden. Auch ein korrekt angepasster Hufbeschlag, regelmäßige Hufpflege und angepasstes Training auf geeignetem Boden senken das Risiko deutlich.
Bei tiefen oder wiederkehrenden Ballentritten kann eine orthopädische Versorgung: etwa ein entlastender Beschlag, ein spezieller Hufverband oder individuell angefertigte Schutzhilfen: die Heilung unterstützen und Folgeschäden vermeiden. Die Entscheidung trifft der Tierarzt gemeinsam mit Hufschmied und ggf. einem Orthopädietechniker.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.