Epiphysiolyse (Schaf)
Als Epiphysiolyse bezeichnet man die Ablösung oder Lockerung der Wachstumsfuge (Epiphysenfuge) vom angrenzenden Knochen. Beim Schaf tritt sie vor allem bei Jungtieren im Wachstum auf und betrifft häufig die langen Röhrenknochen der Gliedmaßen. Die Verletzung kann traumatisch bedingt sein oder durch Stoffwechselstörungen begünstigt werden und führt zu Lahmheit sowie potenziell zu Wachstumsstörungen.
Die Epiphysiolyse ist eine Verletzung der Wachstumsfuge, also der knorpeligen Zone zwischen Knochenschaft (Diaphyse) und Knochenende (Epiphyse), in der bei wachsenden Schafen das Längenwachstum stattfindet. Solange diese Fuge offen ist, stellt sie eine mechanisch schwache Stelle im Knochen dar und kann bei Belastung leichter brechen oder sich lösen als der eigentliche Knochen. Eingeteilt werden diese Verletzungen klassischerweise nach Salter-Harris in fünf Typen, je nachdem ob nur die Fuge, Teile der Epiphyse oder auch die Metaphyse mitbetroffen sind.
Anatomischer Hintergrund beim Schaf
Bei Lämmern und Jungschafen schließen sich die Wachstumsfugen je nach Lokalisation zu unterschiedlichen Zeitpunkten – manche bereits mit wenigen Monaten, andere erst im zweiten Lebensjahr. Besonders prädisponiert sind die distale Tibia, das distale Femur und der proximale Humerus. Auch im Bereich der Apophysen (z. B. Tuber calcanei) können Ablösungen auftreten.
Ursachen
- Sturz, Tritte durch Artgenossen oder Einklemmen in Buchteneinrichtungen
- Unsachgemäßes Fixieren oder Hochheben am Bein, besonders bei Lämmern
- Rangkämpfe bei Böcken
- Stoffwechselbedingte Knochenschwäche, z. B. bei Vitamin-D-, Kalzium- oder Phosphormangel (Rachitis)
- Septische Prozesse: Bei Lämmersepsis können Bakterien die gut durchblutete Wachstumsfuge besiedeln und sie schwächen
Orthopädische Relevanz
Eine Epiphysiolyse beim Schaf führt zu plötzlicher, hochgradiger Lahmheit, oft mit sichtbarer Fehlstellung der Gliedmaße. Unbehandelt drohen Wachstumsstörungen, Achsabweichungen und vorzeitiger Verschluss der Fuge mit dauerhafter Verkürzung der Gliedmaße. Die Diagnose erfolgt durch den Tierarzt mittels klinischer Untersuchung und Röntgen.
Therapeutisch kommen je nach Schweregrad chirurgische Reposition und Fixation oder eine konservative Ruhigstellung mit Verbänden, Schienen oder maßgefertigten Orthesen in Frage. Tierorthopädische Hilfsmittel von Trittwerk können in der Heilungs- und Rehabilitationsphase eingesetzt werden, um die betroffene Gliedmaße zu entlasten, Fehlstellungen vorzubeugen und das Schaf wieder belastungsfähig zu machen.
Mögliche Symptome
- Plötzliche, hochgradige Lahmheit
- Sichtbare Fehlstellung der Gliedmaße
- Schwellung im Bereich der Wachstumsfuge
- Schmerzhaftigkeit bei Berührung oder Bewegung
- Entlastung oder Nichtbelasten des betroffenen Beins
- Knirschende Geräusche (Krepitation) bei Bewegung
- Bei septischer Ursache: Fieber, Mattigkeit
Orthopädische Indikationen
- Stabilisierende Schiene oder Orthese zur Ruhigstellung nach Reposition
- Entlastungsorthese zur Schonung der betroffenen Gliedmaße in der Heilungsphase
- Korrekturhilfen bei beginnender Achsabweichung nach Heilung
- Stützbandagen zur Sicherung benachbarter Gelenke
- Maßgefertigte Orthese bei dauerhaften Wachstumsstörungen oder Verkürzung
Häufige Fragen
Woran erkenne ich eine Epiphysiolyse bei meinem Lamm?
Typisch ist eine plötzliche, starke Lahmheit nach einem Sturz oder Trauma, oft mit sichtbarer Fehlstellung, Schwellung und deutlicher Schmerzreaktion. Bei solchen Anzeichen sollten Sie umgehend einen Tierarzt hinzuziehen, da nur ein Röntgenbild Klarheit bringt.
Kann ein Schaf nach einer Epiphysiolyse wieder normal laufen?
Bei rechtzeitiger Behandlung und korrekter Stabilisierung ist die Prognose oft gut. Wichtig sind eine fachgerechte Versorgung durch den Tierarzt sowie konsequente Ruhigstellung – hier können maßgefertigte Orthesen oder Schienen die Heilung unterstützen. Wachstumsstörungen lassen sich jedoch nicht in jedem Fall vollständig verhindern.
Wie kann ich einer Epiphysiolyse bei Lämmern vorbeugen?
Achten Sie auf eine sichere Stallumgebung ohne Einklemmgefahr, vermeiden Sie das Hochheben am Bein und sorgen Sie für eine bedarfsgerechte Versorgung mit Vitamin D, Kalzium und Phosphor. Eine konsequente Nabelhygiene und Kolostrumversorgung beugen zudem septischen Prozessen vor, die die Wachstumsfuge schwächen können.