Ausführlich
Rachitis ist eine Mineralisierungsstörung des wachsenden Skeletts und tritt beim Schaf vor allem im Lämmeralter auf. Während sich der Knochen im Wachstum normalerweise durch die Einlagerung von Kalzium- und Phosphatsalzen verhärtet, bleibt er bei Rachitis weich und biegsam. Ursache ist meist ein Ungleichgewicht zwischen Vitamin D, Kalzium und Phosphor: beispielsweise durch Stallhaltung ohne Sonnenlicht, mangelhafte Versorgung mit hochwertigem Heu oder einseitige Fütterung mit kalziumarmem Getreide.
Anatomischer Hintergrund beim Schaf
Besonders betroffen sind die Wachstumsfugen (Epiphysenfugen) der langen Röhrenknochen, vor allem an Vorder- und Hinterbeinen. Da Lämmer in den ersten Lebensmonaten ein enormes Längenwachstum durchlaufen, wirken sich Mineralisierungsstörungen hier rasch sichtbar aus. Auch die Rippen-Knorpel-Übergänge können verdickt sein: der sogenannte „rachitische Rosenkranz“.
Typische Deformationen
O-Beine oder X-Beine an den Vordergliedmaßen
Säbelbeinstellung der Hinterhand
Verdickte Karpal- und Tarsalgelenke
Verkrümmung der Wirbelsäule (Kyphose, Skoliose)
Verformter Brustkorb mit eingedrückten Rippen
Orthopädische Relevanz
Bleiben Deformationen nach Korrektur der Fütterung bestehen, können bei Zuchtschafen oder Hobbytieren orthopädische Hilfsmittel wie individuell angefertigte Korrekturorthesen oder stützende Bandagen sinnvoll sein, um Fehlbelastungen abzufangen und Folgeschäden an Gelenken zu vermeiden. Eine frühzeitige tierärztliche Abklärung mit Blutbild und Röntgen ist entscheidend, um Rachitis von anderen Wachstumsstörungen wie Phosphormangel-Osteodystrophie abzugrenzen.
Bei der Trittwerk-Manufaktur werden Orthesen für Lämmer und Jungschafe individuell angepasst, um wachsende Gliedmaßen schonend zu stabilisieren, ohne das Längenwachstum zu behindern.
Mögliche Symptome
Steifer, klammer Gang
Lahmheit ohne Verletzung
O- oder X-Beinstellung
Verdickte Gelenke an Karpus und Tarsus
Wachstumsverzögerung
Verkrümmte Wirbelsäule
Schmerzhaftigkeit beim Aufstehen
Häufiges Liegen, geringe Belastung der Gliedmaßen
Verformter Brustkorb
Orthopädische Indikationen
Korrekturorthesen bei Achsfehlstellungen der Gliedmaßen
Stützbandagen bei instabilen Karpal- oder Tarsalgelenken
Entlastungsorthesen bei schmerzhafter Belastung
Begleitende orthopädische Versorgung nach Mineralstoffsubstitution
Stabilisierung bei Lämmern mit Säbelbeinstellung
Häufige Fragen
Erste Hinweise sind ein klammer, steifer Gang, sichtbare Gelenkverdickungen an den Beinen und ein verzögertes Wachstum im Vergleich zu Wurfgeschwistern. Bei Verdacht sollte umgehend der Tierarzt zur Abklärung mit Blutuntersuchung und gegebenenfalls Röntgen hinzugezogen werden.
Bei rechtzeitiger Behandlung mit Vitamin D, Kalzium und Phosphor sowie angepasster Haltung können sich leichte Verformungen während des weiteren Wachstums teilweise zurückbilden. Festgestellte Achsfehlstellungen bleiben jedoch häufig bestehen und benötigen unter Umständen orthopädische Unterstützung.
Eine Orthese kann sinnvoll sein, wenn trotz Korrektur der Fütterung Fehlstellungen bestehen, das Lamm unter Schmerzen leidet oder Folgeschäden an Gelenken drohen. Die Entscheidung trifft der Tierarzt gemeinsam mit dem Orthopädietechniker individuell.
Wichtig sind ausreichend Tageslicht beziehungsweise Weidegang, eine ausgewogene Fütterung mit hochwertigem Heu, Mineralfutter und tragender Schafe mit Vitamin D im Winter. Auch die Mutterschafe sollten gut versorgt sein, damit die Lämmer mit guten Reserven geboren werden.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.