Glossar Z Zwischenzehennekrose (Schaf)

Zwischenzehennekrose (Schaf)

Die Zwischenzehennekrose (Interdigital Necrobacillosis), auch als Moderhinke oder Panaritium bezeichnet, ist eine bakterielle Entzündung der Zwischenklauenhaut beim Schaf. Sie wird hauptsächlich durch das Bakterium Fusobacterium necrophorum verursacht und führt zu schmerzhaften Nekrosen im Zwischenzehenspalt mit hochgradiger Lahmheit.

Die Zwischenzehennekrose ist eine der häufigsten Klauenerkrankungen beim Schaf und stellt in der Schafhaltung ein bedeutendes wirtschaftliches und tierschutzrelevantes Problem dar. Die Erkrankung entsteht durch das Eindringen des anaeroben Bakteriums Fusobacterium necrophorum in die Haut des Zwischenzehenraums, häufig begünstigt durch Verletzungen, Aufweichung der Haut durch Feuchtigkeit oder mechanische Irritationen durch Schmutz und Steinchen.

Anatomisch verfügen Schafe über gespaltene Klauen mit einem relativ engen Zwischenklauenspalt. Dieser Bereich ist besonders anfällig für Verschmutzungen und mechanische Belastungen. Bei ungünstigen Haltungsbedingungen wie dauerhaft feuchten Böden, mangelnder Stallhygiene oder übermäßigem Bewuchs auf Weiden sammeln sich Kot, Urin und Schmutz im Zwischenzehenbereich an. Dies führt zu Hautmazeration und schafft ideale Bedingungen für bakterielle Infektionen.

Die Infektion beginnt meist mit einer oberflächlichen Entzündung der Zwischenklauenhaut, die sich rasch zu einer eitrig-nekrotisierenden Dermatitis entwickelt. Das Gewebe schwillt stark an, und es bilden sich schmierige, übelriechende Beläge mit Gewebsnekrosen. Unbehandelt kann die Infektion auf tiefere Strukturen wie Sehnen, Sehnenscheiden, Gelenke und Knochen übergreifen, was zu chronischen Lahmheiten und dauerhaften Schäden am Bewegungsapparat führt.

Orthopädische Relevanz und Bewegungsapparat

Die hochgradige Schmerzhaftigkeit der Zwischenzehennekrose führt zu ausgeprägten Lahmheiten, wobei betroffene Schafe das erkrankte Bein entlasten oder im fortgeschrittenen Stadium auf den Karpalgelenken laufen. Diese Schonhaltungen und Fehlbelastungen können sekundäre orthopädische Probleme an anderen Gliedmaßen verursachen. Bei chronischen Verläufen mit Beteiligung der Klauengelenke oder Sehnen sind bleibende Bewegungseinschränkungen möglich, die auch nach erfolgreicher antibiotischer Behandlung persistieren können.

Prophylaxe und Management

Die Vorbeugung umfasst regelmäßige Klauenpflege, Verbesserung der Stallhygiene, Trockenhalten der Laufflächen und prophylaktische Klauenbäder mit desinfizierenden Lösungen. Bei Ausbrüchen in der Herde ist eine konsequente Behandlung aller erkrankten Tiere sowie die Isolation betroffener Schafe wichtig. In schweren Fällen mit chronischen Gelenkschäden können unterstützende orthopädische Maßnahmen wie Verbände oder spezielle Polsterungen zur Entlastung der betroffenen Klaue sinnvoll sein.

Mögliche Symptome

  • Hochgradige Lahmheit
  • Schwellung im Zwischenzehenbereich
  • Übelriechender Ausfluss
  • Nekrotisches Gewebe zwischen den Klauen
  • Schmerzreaktion bei Berührung
  • Entlastung der betroffenen Gliedmaße
  • Laufen auf Karpalgelenken
  • Absonderung vom Rest der Herde
  • Reduzierte Futteraufnahme
  • Fieber in akuten Fällen

Orthopädische Indikationen

  • Verbände zur Klauenentlastung bei chronischen Verläufen
  • Polsterungen zur Druckverteilung
  • Schutzbandagen nach chirurgischer Intervention
  • Unterstützende Bandagierung bei Sehnenbeteiligung
  • Stabilisierung bei Gelenkbeteiligung

Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich die Zwischenzehennekrose von der Moderhinke beim Schaf?

Die Begriffe werden häufig synonym verwendet, wobei Moderhinke der umgangssprachliche Begriff ist. Streng genommen bezeichnet Moderhinke die durch Dichelobacter nodosus verursachte Form, während Zwischenzehennekrose speziell die durch Fusobacterium necrophorum ausgelöste nekrotisierende Entzündung meint. In der Praxis treten oft Mischinfektionen auf.

Kann die Zwischenzehennekrose dauerhaft geheilt werden?

Bei frühzeitiger Behandlung mit geeigneten Antibiotika, lokaler Wundversorgung und Verbesserung der Haltungsbedingungen ist eine vollständige Heilung möglich. Chronische Fälle mit Beteiligung von Sehnen, Gelenken oder Knochen können jedoch zu bleibenden Schäden am Bewegungsapparat führen. Eine tierärztliche Behandlung ist in jedem Fall erforderlich.

Wie kann ich einer Zwischenzehennekrose in meiner Schafherde vorbeugen?

Wichtigste Maßnahmen sind: regelmäßige Klauenpflege und -kontrolle, Trockenhalten von Laufflächen und Liegeflächen, gute Stallhygiene, regelmäßige Klauenbäder mit desinfizierenden Lösungen (z.B. Zinkoder Kupfersulfat), Vermeidung von Verletzungen durch scharfkantige Steine oder Draht, ausgewogene Fütterung zur Stärkung der Klauenqualität sowie sofortige Isolation und Behandlung erkrankter Tiere.

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