Die Tarsalgelenksarthrose, auch Spat genannt, ist eine degenerative Gelenkerkrankung der kleinen Gelenke des Sprunggelenks (Tarsus) beim Pferd. Sie führt zu chronischen Entzündungen, Knorpelabbau und knöchernen Zubildungen (Exostosen), die Schmerzen und Lahmheit verursachen. Spat gehört zu den häufigsten orthopädischen Erkrankungen bei Reitpferden und beeinträchtigt die Beweglichkeit erheblich.
Das Sprunggelenk (Tarsus) des Pferdes ist ein komplexes Gelenksystem, das aus mehreren kleinen Knochen und Gelenken besteht. Die Tarsalgelenksarthrose betrifft hauptsächlich die distalen Intertarsalgelenke und das Tarsometatarsalgelenk – die kleinen, wenig beweglichen Gelenke zwischen den Sprunggelenksknochen. Bei dieser Erkrankung kommt es zu einem fortschreitenden Verschleiß des Gelenkknorpels, gefolgt von entzündlichen Prozessen und der Bildung knöcherner Zubildungen an den Gelenkrändern.
Die Ursachen für Spat sind vielfältig: Häufig spielen biomechanische Fehlbelastungen eine zentrale Rolle, beispielsweise durch ungünstige Beinstellungen wie kuhhessige oder fassbeinige Gliedmaßen. Auch intensive sportliche Beanspruchung, besonders bei Dressur- und Springpferden, erhöht das Risiko. Traumata, Übergewicht und genetische Prädisposition können ebenfalls zur Entstehung beitragen. Bei manchen Pferderassen tritt Spat gehäuft auf, was auf erbliche Komponenten hinweist.
Verlauf und Stadien
Die Erkrankung beginnt meist schleichend mit intermittierender Lahmheit, die sich nach Ruhephasen verstärkt zeigt (Anlauflahmheit). Im fortgeschrittenen Stadium können die betroffenen Gelenke durch knöcherne Versteifung (Ankylose) fusionieren, was paradoxerweise oft zu einer Schmerzreduktion führt, die Beweglichkeit aber dauerhaft einschränkt. Sichtbar wird Spat häufig durch eine Verdickung an der Innenseite des Sprunggelenks sowie durch charakteristische Bewegungseinschränkungen beim Untertreten und Biegen.
Diagnostik
Die Diagnose erfolgt durch klinische Untersuchung mit Beugeprobe, Palpation und Gangbildanalyse. Röntgenaufnahmen zeigen typische Veränderungen wie Gelenkspaltverengung, Sklerosierung und Exostosen. In frühen Stadien können auch bildgebende Verfahren wie Szintigraphie oder MRT eingesetzt werden, um bereits beginnende Veränderungen sichtbar zu machen.
Behandlung und Management
Die Therapie zielt darauf ab, Schmerzen zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. Medikamentös kommen entzündungshemmende Substanzen zum Einsatz, intraartikuläre Injektionen mit Hyaluronsäure oder Kortikosteroiden können temporär Erleichterung bringen. Beschlagskorrektur und orthopädische Hufeisen unterstützen die biomechanische Optimierung. In manchen Fällen wird eine chirurgische Arthrodese (künstliche Versteifung) durchgeführt, um die natürliche Fusion zu beschleunigen und den Schmerz zu beenden.
Orthopädische Unterstützung
Bandagen und spezielle Gamaschen können das Sprunggelenk während der Arbeit stabilisieren und entlasten. Ein angepasstes Training mit kontrollierten Bewegungseinheiten auf weichem Boden sowie physiotherapeutische Maßnahmen fördern die Muskulatur und kompensieren die eingeschränkte Gelenkfunktion. Die Prognose hängt stark vom Stadium der Erkrankung und der Nutzungsart des Pferdes ab – bei frühzeitiger Intervention und angepasstem Management können viele Pferde noch Jahre geritten werden.
Mögliche Symptome
- Lahmheit der Hinterhand
- Anlauflahmheit nach Ruhephasen
- Eingeschränktes Untertreten
- Steifer Gang
- Schwellung an der Innenseite des Sprunggelenks
- Positive Beugeprobe
- Verminderte Biegung im Sprunggelenk
- Stolpern
- Unwilligkeit beim Versammeln
- Warme Gelenksregion bei akuter Entzündung
Orthopädische Indikationen
- Stabilisierende Sprunggelenksbandagen zur Entlastung
- Orthopädische Gamaschen mit Gelenkunterstützung
- Spezielle Huforthesen bei Fehlstellungen
- Bandagen zur Kompression und Kühlung bei Entzündungsschüben
- Korrekturhufeisen zur biomechanischen Optimierung
Häufige Fragen
Kann ein Pferd mit Spat noch geritten werden?
Ja, viele Pferde mit Spat können bei angepasstem Training und guter Schmerztherapie weiterhin geritten werden. Besonders nach erfolgter Versteifung der kleinen Gelenke sind viele Pferde wieder belastbarer. Die Nutzungsart sollte mit dem Tierarzt abgestimmt werden – oft ist leichte bis moderate Arbeit möglich, während Hochleistungssport kritisch zu bewerten ist.
Ist Spat beim Pferd heilbar?
Spat ist nicht heilbar, da es sich um eine degenerative Gelenkerkrankung handelt. Durch Behandlung kann jedoch der Krankheitsverlauf verlangsamt und die Lebensqualität deutlich verbessert werden. In vielen Fällen führt die natürliche Versteifung der betroffenen Gelenke zu einer Schmerzreduktion, sodass das Pferd wieder funktionell einsetzbar wird.
Wie kann ich Spat beim Pferd vorbeugen?
Vorbeugung umfasst eine korrekte Hufbearbeitung und Beschlag, angepasstes Training ohne Überlastung, Vermeidung von Übergewicht und regelmäßige Bewegung auf geeignetem Untergrund. Bei Pferden mit ungünstiger Beinstellung sollte besonders auf biomechanisch optimierte Hufkorrektur geachtet werden. Frühzeitige tierärztliche Kontrollen bei ersten Anzeichen von Lahmheit ermöglichen rechtzeitiges Eingreifen.
Welche Hufbearbeitung ist bei Spat sinnvoll?
Die Hufbearbeitung sollte darauf abzielen, das Sprunggelenk biomechanisch zu entlasten. Oft werden leicht erhöhte Trachten und eine gerade Zehenrichtung empfohlen, um die Hebelwirkung zu reduzieren. Spezielle orthopädische Hufeisen mit Abrollung können das Abrollen erleichtern. Die genaue Beschlagsform sollte individuell mit Tierarzt und Hufschmied abgestimmt werden.
In welchem Alter tritt Spat typischerweise auf?
Spat tritt häufig bei Pferden mittleren Alters auf, typischerweise zwischen 6 und 12 Jahren, kann aber auch jüngere oder ältere Pferde betreffen. Bei intensiv genutzten Sportpferden können erste Anzeichen bereits früher auftreten. Die Erkrankung entwickelt sich meist über längere Zeit, sodass deutliche Symptome oft erst nach Jahren sichtbar werden.