Ausführlich
Der Begriff aufgegliederte Sehne beschreibt beim Pferd einen pathologischen Zustand, bei dem die parallel angeordneten Kollagenfasern einer Sehne ihre geordnete Struktur verlieren. Die Fasern sind aufgespalten, teilweise gerissen oder durch eingelagertes Ödem voneinander getrennt. Im Ultraschall zeigt sich dies häufig als hypoechogene (dunklere) Areale innerhalb des Sehnengewebes: ein klassisches Bild der Tendinopathie.
Betroffene Strukturen beim Pferd
Am häufigsten ist die oberflächliche Beugesehne (Musculus flexor digitalis superficialis) der Vordergliedmaßen betroffen, da sie beim Galopp und Sprung extremen Zugkräften ausgesetzt ist. Auch die tiefe Beugesehne, das Unterstützungsband (Fesselträger) sowie die Strecksehnen können betroffen sein. Typische Lokalisation ist der Bereich zwischen Karpus und Fesselgelenk: die sogenannte Mittelsehne.
Ursachen
Überlastung durch intensives Training, besonders auf tiefem oder hartem Boden
Akute Traumata wie Übertreten oder Fehltritte
Mikrotraumata, die sich über Zeit summieren (degenerative Tendinopathie)
Schlechte Hufstellung oder Beschlagsfehler mit Veränderung der Zugverhältnisse
Altersbedingte Abnahme der Sehnenelastizität
Orthopädische Relevanz
Eine aufgegliederte Sehne heilt sehr langsam, da Sehnengewebe nur schlecht durchblutet ist. Das neu gebildete Narbengewebe ist weniger elastisch als das Originalgewebe, was das Risiko für Rezidive erhöht. Die Behandlung umfasst neben tierärztlicher Therapie (z. B. PRP, Stammzellen, kontrollierte Bewegung) auch entlastende und stabilisierende Hilfsmittel.
Unterstützung durch orthopädische Hilfsmittel
Maßgefertigte Bandagen und Sehnenschoner können in der Rehabilitationsphase die betroffene Sehne stabilisieren, das Fesselgelenk in seiner Überstreckung begrenzen und so eine Überlastung des heilenden Gewebes verhindern. Trittwerk fertigt hierzu individuell angepasste Lösungen, die mit dem behandelnden Tierarzt und Physiotherapeuten abgestimmt werden.
Mögliche Symptome
Lahmheit unterschiedlicher Ausprägung
Sichtbare Schwellung an der Sehnenrückseite (sogenanntes Bowed Tendon)
Wärme und Druckempfindlichkeit im betroffenen Bereich
Verdickung der Sehne im Verlauf
Schonhaltung der betroffenen Gliedmaße
Leistungsabfall, besonders bei schneller Arbeit
Orthopädische Indikationen
Stabilisierende Bandagen während der kontrollierten Bewegungsphase
Sehnenschoner zur Begrenzung der Fesselüberstreckung
Entlastende Orthesen bei schweren Tendinopathien
Schutzbandagen zur Rezidivprophylaxe nach abgeschlossener Heilung
Unterstützung bei orthopädischem Beschlag zur Sehnenentlastung
Häufige Fragen
Die Heilung dauert in der Regel 9 bis 12 Monate, in schweren Fällen auch länger. Sehnengewebe regeneriert sehr langsam, und ein zu früher Wiedereinstieg in die Arbeit führt häufig zu Rückfällen. Der genaue Verlauf sollte tierärztlich per Ultraschall überwacht werden.
Viele Pferde erreichen nach konsequenter Rehabilitation wieder ihr ursprüngliches Leistungsniveau. Das hängt jedoch vom Ausmaß der Schädigung, dem Alter des Pferdes und der Disziplin ab. Eine langsame, kontrollierte Belastungssteigerung in Absprache mit dem Tierarzt ist entscheidend.
Sie stabilisieren die betroffene Sehne, begrenzen die Überstreckung des Fesselgelenks und reduzieren so die Zugbelastung auf das heilende Gewebe. Maßgefertigte Hilfsmittel können besonders in der Belastungsphase der Reha eine wichtige Ergänzung zur medizinischen Therapie sein.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.