Ausführlich
Die Akromegalie-Arthropathie ist eine sekundäre Gelenkerkrankung, die bei Katzen mit Akromegalie auftritt. Ursache ist in den meisten Fällen ein gutartiger Tumor (Adenom) der Hypophyse, der unkontrolliert Wachstumshormon (Growth Hormone, GH) ausschüttet. GH stimuliert in der Leber die Bildung von IGF-1 (Insulin-like Growth Factor 1), was zu einem überschießenden Wachstum von Bindegewebe, Knorpel und Knochen führt. Betroffen sind vor allem ältere, kastrierte Kater mit gleichzeitig oft schwer einstellbarem Diabetes mellitus.
Veränderungen am Bewegungsapparat der Katze
Im Bereich der Gelenke kommt es zu einer abnormen Knorpelproliferation, Verdickung der Gelenkkapsel und vermehrter Knochenbildung an den Gelenkrändern (Osteophyten). Typisch sind degenerative Veränderungen ähnlich einer Osteoarthrose, jedoch oft an mehreren Gelenken gleichzeitig. Häufig betroffen sind Schulter-, Ellbogen-, Knie- und Sprunggelenke sowie die Wirbelsäule. Auch eine Verbreiterung der Pfoten und eine Verdickung des Schädels können auffallen.
Klinisches Bild
Steifheit, besonders nach dem Ruhen
Eingeschränkte Sprungfähigkeit und Bewegungsunlust
Verändertes Gangbild, häufig in mehreren Gliedmaßen
Sichtbar veränderte Körperproportionen (vergrößerter Kopf, breite Pfoten)
Orthopädische Relevanz
Da die Grunderkrankung systemisch ist, steht die internistische Abklärung und Therapie (z. B. durch den Tierarzt oder eine Klinik) im Vordergrund. Orthopädisch sind die schmerzhaften, multipel betroffenen Gelenke jedoch eine besondere Herausforderung. Tierorthopädische Hilfsmittel wie weich gepolsterte Bandagen oder stützende Orthesen können einzelne Gelenke entlasten, die Propriozeption verbessern und so die Lebensqualität unterstützen. Die Versorgung erfolgt immer individuell und in Abstimmung mit der behandelnden Tierärztin oder dem Tierarzt.
Wichtig ist eine schonende Haltungsumgebung: niedrige Einstiegshilfen zum Lieblingsplatz, rutschfeste Untergründe und gut erreichbare Futter- und Toilettenstellen helfen der Katze, ihren Alltag trotz Bewegungseinschränkung zu bewältigen.
Mögliche Symptome
Steifheit und Lahmheit in mehreren Gliedmaßen
Reduzierte Sprungfähigkeit
Bewegungsunlust und vermindertes Putzverhalten
Verbreiterte Pfoten und vergrößerter Kopf
Knirschen oder Krepitation in den Gelenken
Muskelabbau bei gleichzeitig massivem Körperbau
Häufig kombiniert mit schlecht einstellbarem Diabetes mellitus
Orthopädische Indikationen
Stützende Bandagen für schmerzhafte Karpal- oder Tarsalgelenke
Individuell angefertigte Orthesen zur Entlastung einzelner Gelenke
Weich gepolsterte Hilfsmittel zur Druckverteilung bei Arthrose
Mobilitätshilfen zur Verbesserung der Lebensqualität bei chronischer Polyarthropathie
Begleitende orthopädische Versorgung bei eingeschränkter Belastbarkeit der Wirbelsäule
Häufige Fragen
Die Gelenkveränderungen selbst sind in der Regel nicht reversibel. Wird die zugrunde liegende Akromegalie tierärztlich behandelt, kann das Fortschreiten verlangsamt werden. Orthopädische Hilfsmittel und schmerztherapeutische Maßnahmen helfen, die Lebensqualität zu erhalten.
Oft fallen Halterinnen und Haltern eine zunehmende Bewegungsunlust, ein verändertes Sprungverhalten, breiter werdende Pfoten oder ein massigerer Kopf auf. Häufig ist auch ein zuvor stabiler Diabetes plötzlich schlecht einstellbar. In solchen Fällen sollte zeitnah eine tierärztliche Abklärung erfolgen.
Bei einzelnen, stark betroffenen Gelenken können maßgefertigte Orthesen oder Bandagen die Belastung reduzieren und Schmerzen lindern. Die Versorgung sollte immer individuell geplant und mit der Tierärztin oder dem Tierarzt abgestimmt werden, da Katzen sehr sensibel auf körpernahe Hilfsmittel reagieren.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.