Ausführlich
Der Humerus-Kondylus ist der gelenkbildende Anteil am distalen (unteren) Ende des Oberarmknochens. Er besteht aus zwei Anteilen: dem Capitulum humeri, das mit dem Speichenkopf (Radius) artikuliert, und der Trochlea humeri, die das Gelenk mit der Elle (Ulna) bildet. Zusammen ergeben sie die Gelenkrolle des Ellbogens. Bei der Katze ist dieser Bereich verhältnismäßig schmal und bei Frakturen oft instabil.
Frakturtypen bei der Katze
Bei Katzen unterscheidet man im Wesentlichen drei Formen:
Laterale Kondylusfraktur: Der äußere Anteil bricht ab: bei Katzen seltener als beim Hund.
Mediale Kondylusfraktur: Der innere Anteil ist betroffen.
Y- oder T-Fraktur (interkondyläre Fraktur): Beide Kondylenanteile sind getrennt, häufig mit zusätzlichem Bruch oberhalb des Gelenks: bei Katzen eine typische Form nach Stürzen aus großer Höhe.
Ursachen
Bei Katzen entsteht eine Humerus-Kondylusfraktur fast immer durch ein Trauma . Klassisch sind Stürze aus der Höhe (sogenanntes „High-Rise-Syndrom“), Autounfälle oder Quetschverletzungen. Anders als beim Hund spielen erbliche Verknöcherungsstörungen (z. B. IOHC) bei der Katze praktisch keine Rolle.
Orthopädische Relevanz
Da es sich um eine Gelenkfraktur handelt, ist eine exakte anatomische Reposition durch den Tierarzt unerlässlich: meist mittels Schrauben- und Plattenosteosynthese. Bleibt eine Stufe im Gelenk zurück, drohen chronische Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und eine fortschreitende Arthrose des Ellbogens .
Rolle orthopädischer Hilfsmittel
In der Nachsorge oder bei nicht operierbaren Patienten können maßgefertigte Ellbogenorthesen die Gelenkführung unterstützen, das Gelenk entlasten und Fehlbelastungen anderer Gliedmaßen vorbeugen. Bei Katzen erfordert dies eine besonders sorgfältige Anpassung, da Katzen empfindlich auf Fremdkörper am Körper reagieren.
Mögliche Symptome
Hochgradige Lahmheit der betroffenen Vordergliedmaße
Vollständige Belastungsunfähigkeit
Schmerzhafte Schwellung am Ellbogen
Fehlstellung der Pfote nach außen oder innen
Krepitation (Knirschen) bei Bewegung
Apathie, Fressunlust und Rückzug
Vermehrtes Putzen oder Lecken am Bein
Orthopädische Indikationen
Postoperative Stabilisierung nach Osteosynthese
Entlastung des Ellbogengelenks bei sekundärer Arthrose
Konservative Versorgung bei nicht operablen Patienten
Schutz und Führung des Gelenks während der Heilungsphase
Korrektur leichter Fehlstellungen nach verheilter Fraktur
Unterstützung bei chronischer Ellbogeninstabilität
Häufige Fragen
In den allermeisten Fällen nein. Da es sich um eine Gelenkfraktur handelt, ist eine chirurgische Versorgung notwendig, um die Gelenkflächen exakt wiederherzustellen. Ohne Operation drohen dauerhafte Lahmheit und schwere Arthrose. Die Entscheidung trifft Ihr Tierarzt anhand von Röntgenbildern.
Die knöcherne Heilung dauert bei Katzen in der Regel 6 bis 10 Wochen. Die vollständige funktionelle Erholung mit Muskelaufbau und Beweglichkeit kann jedoch mehrere Monate in Anspruch nehmen. Physiotherapie und gegebenenfalls eine Orthese können diesen Prozess unterstützen.
Eine maßgefertigte Orthese kann in der postoperativen Nachsorge, bei chronischen Folgeschäden oder wenn eine Operation nicht möglich ist, hilfreich sein. Die Entscheidung sollte gemeinsam mit dem behandelnden Tierarzt und einem Orthopädietechniker getroffen werden. Trittwerk berät Sie gerne zur individuellen Versorgung.
Bei guter chirurgischer Versorgung und konsequenter Nachsorge erlangen viele Katzen eine sehr gute Funktion zurück. Eine gewisse Einschränkung beim Springen oder Klettern kann jedoch bleiben, insbesondere wenn sich Arthrose entwickelt. Eine individuelle Prognose gibt Ihr Tierarzt.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.