Ausführlich
Der Calcaneus (Fersenbein) ist bei der Katze ein länglicher Knochen der Hintergliedmaße, der zusammen mit dem Talus (Sprungbein) und weiteren kleinen Fußwurzelknochen das Tarsalgelenk (Sprunggelenk) bildet. Am oberen Ende des Calcaneus setzt die Achillessehne an, die von den Wadenmuskeln kommt. Diese anatomische Konstruktion macht den Calcaneus zu einem Hebelarm, über den die Katze ihr Sprunggelenk strecken und damit ihre charakteristischen Sprünge ausführen kann.
Ursachen einer Kalkaneusfraktur bei der Katze
Bei Katzen entstehen Kalkaneusfrakturen meist durch direkte Traumata. Typische Auslöser sind Stürze aus großer Höhe (High-Rise-Syndrom), Verkehrsunfälle, Quetschungen (z. B. durch Türen) oder Bisswunden bei Revierkämpfen. Auch pathologische Frakturen durch Knochentumoren oder schwere Osteoporose sind möglich, jedoch selten.
Klinisches Bild und betroffene Strukturen
Bei einer Kalkaneusfraktur kommt es häufig zu einem Funktionsverlust der Achillessehne, da der Hebelarm nicht mehr stabil ist. Die Katze zeigt eine sogenannte plantigrade Fußung: Sie tritt mit dem gesamten Sprunggelenk auf, statt wie üblich auf den Zehen zu gehen. Begleitend können Bänder, Sehnen, Gefäße und Nerven der Region verletzt sein.
Orthopädische Relevanz
Die Behandlung erfolgt in der Regel chirurgisch durch eine Osteosynthese (Verschraubung, Plattenfixation oder Drahtcerclage). In der Nachsorge oder bei nicht-operablen Patienten kann eine externe Stabilisierung mit einer maßgefertigten Tarsalorthese sinnvoll sein, um das Sprunggelenk in physiologischer Stellung zu halten und die Heilung zu unterstützen.
Stabilisierung des Sprunggelenks während der Knochenheilung
Entlastung der Achillessehne und der Osteosynthese
Unterstützung bei chronischer Instabilität nach Frakturheilung
Mögliche Symptome
Plötzliche Lahmheit der Hintergliedmaße
Plantigrade Fußung (Aufsetzen des Sprunggelenks)
Schwellung im Bereich der Ferse
Schmerzäußerungen bei Berührung
Schonhaltung und Bewegungsunlust
Sichtbare Fehlstellung oder Krepitation
Vermeidung von Sprüngen
Orthopädische Indikationen
Postoperative Ruhigstellung nach Osteosynthese
Konservative Behandlung kleinerer Frakturen
Stabilisierung bei Begleitverletzungen der Achillessehne
Unterstützung bei verzögerter Knochenheilung
Schutz vor erneuter Belastung in der Rehaphase
Chronische Instabilität des Tarsalgelenks nach Fraktur
Häufige Fragen
Typische Hinweise sind eine plötzliche, deutliche Lahmheit der Hintergliedmaße, Schwellung im Bereich der Ferse und das charakteristische Auftreten mit dem ganzen Sprunggelenk auf dem Boden (plantigrade Fußung). Bei Verdacht ist umgehend eine tierärztliche Untersuchung mit Röntgen erforderlich.
In den meisten Fällen ist eine Operation notwendig, da der Calcaneus als Hebelarm der Achillessehne starken Zugkräften ausgesetzt ist. Nur bei kleinen, nicht verschobenen Frakturen oder wenn eine OP nicht möglich ist, kann eine konservative Therapie mit Ruhigstellung: etwa durch eine maßgefertigte Orthese: in Betracht gezogen werden. Die Entscheidung trifft der Tierarzt.
Eine Tarsalorthese kann nach der Operation zur zusätzlichen Stabilisierung, bei konservativer Therapie oder bei chronischer Instabilität nach unvollständiger Heilung eingesetzt werden. Sie hält das Sprunggelenk in einer funktionellen Stellung und entlastet die heilenden Strukturen. Die Anpassung erfolgt individuell und in Absprache mit Tierarzt oder Physiotherapeut.
Die knöcherne Heilung dauert in der Regel sechs bis zwölf Wochen, abhängig von Art der Fraktur, Alter der Katze und Begleitverletzungen. Die vollständige Wiederherstellung der Funktion kann mehrere Monate in Anspruch nehmen und sollte durch kontrollierte Bewegung und ggf. Physiotherapie begleitet werden.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.