Ausführlich
Als Kissing Spines (medizinisch: Baastrup-Syndrom bzw. „Impinging Dorsal Spinous Processes“) bezeichnet man beim Pferd eine Erkrankung, bei der die Dornfortsätze der Brust- und Lendenwirbel zu eng beieinanderstehen oder sich berühren. Häufig sind die Bereiche unter dem Sattel (etwa T13. T18) betroffen. Die Kissing-Spines-Operation ist ein chirurgischer Eingriff, der zur Anwendung kommt, wenn Physiotherapie, gezieltes Aufbautraining, Stoßwellentherapie oder Infiltrationen keine ausreichende Besserung bringen.
Operationsverfahren
In der Pferdeorthopädie werden vor allem zwei Techniken angewendet:
Interspinale Bandresektion (ISLD): Minimalinvasiver Eingriff, meist am stehenden, sedierten Pferd. Das Band zwischen den betroffenen Dornfortsätzen wird durchtrennt, um Spannung zu nehmen.
Ostektomie (Teilresektion): Unter Vollnarkose wird ein Teil des betroffenen Dornfortsatzes entfernt, sodass kein Kontakt zum Nachbarwirbel mehr besteht.
Nachsorge und Rehabilitation
Der Erfolg der Operation hängt maßgeblich von einer strukturierten Rehabilitation ab. Diese umfasst kontrollierte Bewegung, gezieltes Muskelaufbautraining der Rückenmuskulatur sowie physiotherapeutische Maßnahmen. Ein passender Sattel und eine korrekte Reitweise sind entscheidend, um Rückfälle zu vermeiden.
Orthopädische Relevanz
Nach der Operation ist die Wiederherstellung einer stabilen Rumpfmuskulatur zentral. Unterstützend können tierorthopädische Hilfsmittel wie Rückenbandagen, Trainingsgurte oder gezielte Übungen mit Balance-Elementen eingesetzt werden. Die Zusammenarbeit zwischen Tierarzt, Physiotherapeut und Sattler ist essenziell, um den Bewegungsapparat des Pferdes langfristig zu entlasten.
Mögliche Symptome
Rückenschmerzen beim Satteln oder Aufsteigen
Widersetzlichkeit unter dem Sattel
Verspannte, druckempfindliche Rückenmuskulatur
Buckeln, Steigen oder Wegtreten
Taktunreinheiten und mangelnde Losgelassenheit
Schwierigkeiten bei Versammlung und Biegung
Muskelabbau im Bereich des Rückens
Orthopädische Indikationen
Postoperative Stabilisierung des Rückens
Unterstützung beim gezielten Muskelaufbau
Entlastung der Rückenmuskulatur in der Rehaphase
Sensorisches Feedback zur Verbesserung der Körperwahrnehmung
Begleitende Therapie bei chronischen Rückenproblemen
Häufige Fragen
Ein operativer Eingriff wird in Erwägung gezogen, wenn konservative Maßnahmen wie Physiotherapie, Training, Stoßwellentherapie oder Infiltrationen über mehrere Monate keinen ausreichenden Erfolg zeigen und das Pferd weiterhin deutliche Schmerzen und Leistungseinschränkungen zeigt. Die Entscheidung trifft der Tierarzt nach umfassender Diagnostik.
Die Reha erstreckt sich in der Regel über drei bis sechs Monate. In dieser Zeit wird das Pferd nach einem strukturierten Plan wieder aufgebaut: vom Führen über Longenarbeit bis hin zum Wiedereinstieg unter den Sattel. Der genaue Ablauf wird individuell vom behandelnden Tierarzt und Physiotherapeuten festgelegt.
Viele Pferde können nach erfolgreicher Operation und konsequenter Rehabilitation wieder ihrem gewohnten Einsatz nachgehen. Voraussetzung sind ein passender Sattel, korrektes Reiten und ein dauerhaft trainierter Rücken. Eine Garantie gibt es jedoch nicht: die Prognose hängt vom Einzelfall ab und sollte mit dem Tierarzt besprochen werden.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.