Ausführlich
Die Kuh besitzt an jeder Gliedmaße zwei tragende Hauptklauen (Außen- und Innenklaue), die das Körpergewicht gemeinsam tragen. Wenn eine dieser Klauen durch eine schwere Erkrankung: etwa eine tiefe eitrige Entzündung, Knochenbeteiligung oder einen ausgedehnten Sohlengeschwürdefekt: so stark geschädigt ist, dass eine konservative Behandlung oder klauenchirurgische Sanierung nicht mehr ausreicht, kann die Klauenamputation notwendig werden.
Wann wird amputiert?
Die Entscheidung zur Amputation trifft der Tierarzt nach gründlicher Untersuchung. Typische Indikationen sind eine eitrige Entzündung des Klauengelenks (Arthritis purulenta), eine tiefe Beugesehnennekrose, eine Knochenentzündung (Osteomyelitis) der Klauenbeine oder schwere Phlegmonen, die mit Antibiotika und Klauenpflege nicht beherrschbar sind.
Operativer Ablauf
Der Eingriff erfolgt in der Regel am stehenden Tier unter intravenöser Stauungsanästhesie (Bier’sche Anästhesie). Die erkrankte Klaue wird im Bereich des Fesselbeins oder des Kronbeins abgesetzt. Die Wunde wird offen oder mit einem Druckverband versorgt und heilt in den folgenden Wochen unter regelmäßigem Verbandswechsel ab.
Folgen für die Statik der Gliedmaße
Nach der Amputation trägt die verbliebene Partnerklaue allein das gesamte Gewicht auf der betroffenen Gliedmaße. Dies führt zu einer dauerhaften Mehrbelastung mit dem Risiko von Überlastungsschäden wie Sohlengeschwüren, Klauenrehe oder Fehlstellungen. Hier können tierorthopädische Hilfsmittel wie Klauenklötze, Stützverbände oder individuell angepasste Orthesen die verbliebene Klaue entlasten und die Druckverteilung optimieren.
Prognose und Nutzungsdauer
Bei sauber durchgeführter Amputation und guter Nachsorge sind viele Kühe noch 1 bis 3 Jahre nutzungsfähig.
Die langfristige Prognose hängt von der Belastbarkeit der verbliebenen Klaue, der Haltung (weiche Untergründe, Liegekomfort) und der Körpermasse ab.
Schwere, hochleistende Tiere haben eine kürzere Reststandzeit als leichtere Kühe.
Mögliche Symptome
Hochgradige Lahmheit
Entlastung der betroffenen Gliedmaße
Schwellung im Klauen- und Kronbereich
Eitriger Ausfluss aus Klauenspalt oder Kronsaum
Fieber und reduziertes Allgemeinbefinden
Rückgang von Milchleistung und Futteraufnahme
Orthopädische Indikationen
Entlastung der verbliebenen Partnerklaue durch Klauenklotz oder Orthese
Stütz- und Druckverbände in der Wundheilungsphase
Individuell angepasste Klauenorthese bei Fehlbelastung
Schutzverband nach Amputation zur Wundabdeckung
Korrekturhilfen bei Überlastung der Gegengliedmaße
Häufige Fragen
Ja, viele Kühe gewöhnen sich nach einigen Wochen gut an die Belastung auf nur einer Klaue pro Gliedmaße. Sie können wieder weiden, in den Melkstand gehen und am Herdenleben teilnehmen. Wichtig sind weiche Liegeflächen, rutschfeste Böden und eine regelmäßige Kontrolle der verbliebenen Klaue.
Die Nutzungsdauer liegt erfahrungsgemäß zwischen einem und drei Jahren, abhängig von Körpergewicht, Haltungsbedingungen und Belastung der verbliebenen Klaue. Eine gute Klauenpflege und gegebenenfalls orthopädische Hilfsmittel verlängern die Standzeit.
Zur Entlastung und Stabilisierung kommen Klauenklötze auf der Partnerklaue, individuell gefertigte Stützverbände oder Klauenorthesen in Frage. Diese unterstützen die gleichmäßige Druckverteilung und beugen Folgeschäden wie Sohlengeschwüren vor. Die Auswahl sollte gemeinsam mit Tierarzt und Klauenpfleger erfolgen.
Bei sachgerechter Durchführung unter Lokalanästhesie und mit angemessener Schmerztherapie ist die Amputation eine etablierte und tierschutzkonforme Maßnahme, um Kühen mit nicht heilbaren Klauenerkrankungen Schmerzen zu nehmen. Sie ist meist schonender als wiederholte erfolglose Behandlungen.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.