Ausführlich
Wildtiere wie Rehe, Füchse, Greifvögel, Wildschweine oder Igel werden nach Frakturen zunehmend mit modernen Osteosyntheseverfahren versorgt. Nach abgeschlossener Knochenheilung stellt sich die Frage, ob das eingebrachte Metall (z. B. Platten, Kirschner-Drähte, Marknägel, Cerclagen) im Körper verbleiben kann oder entfernt werden sollte. Bei Wildtieren ist diese Entscheidung besonders komplex, da die Tiere nach Genesung idealerweise wieder in die Freiheit entlassen werden und dort keine tierärztliche Nachsorge mehr möglich ist.
Warum ist die Entfernung bei Wildtieren relevant?
Anders als bei Haustieren kann bei einem ausgewilderten Reh oder Bussard nicht kontrolliert werden, ob sich später eine Implantatlockerung, ein Materialbruch oder eine Infektion entwickelt. Zudem sind Wildtiere extremen mechanischen Belastungen ausgesetzt: Flug, Sprünge, lange Wanderungen oder Grabtätigkeit können das Material belasten. Bei Vögeln spielt zusätzlich das Gewicht der Implantate eine Rolle, da schon wenige Gramm die Flugfähigkeit beeinträchtigen können.
Betroffene Strukturen und typische Regionen
Röhrenknochen der Gliedmaßen (z. B. Tibia, Radius/Ulna, Humerus, Femur)
Beckenknochen nach Verkehrsunfällen
Schnabel- oder Flügelknochen bei Greifvögeln und Eulen
Panzerbrüche bei Reptilien (hier eher Kunststoffplatten, seltener Metall)
Ablauf und Zeitpunkt
Die Entfernung erfolgt in der Regel 8 bis 16 Wochen nach der Erstversorgung, wenn radiologisch eine belastbare Kallusbildung nachgewiesen ist. Bei Wildtieren wird der Eingriff möglichst mit anderen notwendigen Maßnahmen (Abschlussuntersuchung vor Auswilderung, Blutkontrolle, Parasitenbehandlung) kombiniert, um Narkosen zu minimieren.
Orthopädische Relevanz und Nachsorge
Nach der Metallentfernung ist der Knochen kurzfristig geschwächt, da die Schraubenlöcher als Sollbruchstellen wirken können. In dieser Übergangsphase kann eine stabilisierende Bandage oder Orthese sinnvoll sein, um das Tier bis zur vollständigen Konsolidierung zu schützen. Bei Wildtieren in Auffangstationen bietet Trittwerk hierfür individuell angepasste Hilfsmittel, die eine kontrollierte Belastungssteigerung vor der Auswilderung ermöglichen.
Mögliche Symptome
Schwellung oder Umfangsvermehrung über dem Implantat
Lahmheit oder veränderte Bewegungsmuster trotz verheilter Fraktur
Fistelbildung oder Wundsekretion
Fühlbare Materialkanten unter der Haut
Federrupfen oder Selbstverletzung an der Implantatstelle bei Vögeln
Orthopädische Indikationen
Temporäre Schutzorthese nach Materialentfernung bis zur vollständigen Knochenkonsolidierung
Stabilisierende Bandage bei geschwächten Röhrenknochen mit Schraubenlöchern
Flügelbandage bei Greifvögeln zur Ruhigstellung nach Implantatentnahme
Individuell angepasste Stützhilfen zur Vorbereitung auf die Auswilderung
Entlastungsorthesen bei postoperativer Belastungsintoleranz
Häufige Fragen
Nicht in jedem Fall. Kleine, tief liegende Implantate wie einzelne Schrauben können verbleiben. Größere Platten, exponierte Drähte oder Materialien in stark belasteten Regionen werden bei Wildtieren jedoch häufig entfernt, da eine spätere Nachkontrolle nach der Auswilderung nicht möglich ist. Die Entscheidung trifft der behandelnde Tierarzt.
In der Regel vergehen weitere 2 bis 6 Wochen nach dem Eingriff, in denen das Tier in einer Auffangstation beobachtet wird. Der Knochen muss sich stabilisieren und das Tier seine natürlichen Bewegungsmuster (Flug, Sprung, Lauf) wieder sicher ausführen können. Eine stützende Orthese kann diese Phase begleiten.
Das Hauptrisiko ist der Narkosestress, da Wildtiere durch Handling und Fixierung stark belastet werden. Zusätzlich kann der Knochen an den Schraubenlöchern kurzfristig geschwächt sein. Infektionen sind selten, aber möglich. Eine sorgfältige Abwägung zwischen Belassen und Entfernen des Materials ist daher entscheidend.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.