Ausführlich
Mycoplasma hyosynoviae ist ein zellwandloses Bakterium, das in der Schweinepopulation weltweit verbreitet ist. Die Übertragung erfolgt meist über den oropharyngealen Kontakt von Sau zu Ferkel oder zwischen Tieren beim Umstallen. Nach einer asymptomatischen Besiedlungsphase im Rachenraum kann der Erreger über die Blutbahn in die Synovialmembran großer Gelenke gelangen und dort eine seröse bis serofibrinöse Synovitis auslösen.
Betroffen sind beim Schwein typischerweise die Karpal-, Tarsal-, Knie- und Hüftgelenke . Die Synovialmembran ist verdickt und hyperämisch, die Gelenkflüssigkeit nimmt an Menge zu und wird trübe. Im Gegensatz zur Mycoplasma-hyorhinis-Infektion bleibt die Erkrankung meist auf die Gelenke beschränkt und führt selten zu Polyserositis.
Auslösende Faktoren
Stress durch Umstallung, Transport oder Gruppenumbildung
Einmischung erregerfreier Tiere in infizierte Bestände
Haltungsmängel wie rutschige Böden, Zugluft oder Überbelegung
Genetische Prädisposition bei schnellwüchsigen Linien mit hohem Gelenkverschleiß
Orthopädische Relevanz
Die akute Phase klingt unter antibiotischer Therapie meist innerhalb von 7 bis 14 Tagen ab. In einzelnen Fällen entwickeln sich jedoch chronische Gelenkveränderungen mit Knorpelschäden, Kapselfibrose und persistierender Lahmheit. Diese Tiere zeigen dauerhaft verminderte Belastbarkeit, schonen die betroffene Gliedmaße und entwickeln sekundäre Fehlhaltungen, die wiederum andere Gelenke und die Wirbelsäule belasten.
Bei chronischen Verläufen mit bleibender Gelenkinstabilität oder Achsfehlstellungen können tierorthopädische Hilfsmittel wie stützende Bandagen oder individuell angepasste Orthesen unterstützend eingesetzt werden, um die verbleibende Mastperiode tierschutzgerecht zu gestalten oder Zuchttiere weiterhin nutzbar zu halten. Die Indikationsstellung erfolgt immer in enger Abstimmung mit dem behandelnden Tierarzt.
Mögliche Symptome
Plötzliche Lahmheit einer oder mehrerer Gliedmaßen
Steifer, klammer Gang
Bewegungsunlust und vermehrtes Liegen
Schmerzhafte Schwellung großer Gelenke (Karpus, Tarsus, Knie)
Aufstehschwierigkeiten
Leichte Umfangsvermehrung der Gelenke
Meist unverändertes Allgemeinbefinden und Fressverhalten
Bei chronischem Verlauf dauerhafte Schonhaltung
Orthopädische Indikationen
Stützbandagen bei persistierender Gelenkinstabilität nach abgeklungener Infektion
Orthesen zur Entlastung chronisch geschädigter Karpal- oder Tarsalgelenke
Korrekturhilfen bei sekundären Fehlstellungen durch Schonhaltung
Polsternde Hilfsmittel zur Druckentlastung bei festliegenden Tieren
Unterstützende Versorgung bei wertvollen Zuchttieren mit chronischer Arthritis
Häufige Fragen
Mycoplasma hyosynoviae befällt vor allem ältere Mastschweine (10 bis 24 Wochen) und verursacht primär eine Gelenkentzündung. Mycoplasma hyorhinis tritt dagegen bei jüngeren Ferkeln (3 bis 10 Wochen) auf und löst zusätzlich eine Polyserositis mit Entzündung von Brust- und Bauchfell aus.
Nein. Die akute Infektion muss tierärztlich diagnostiziert und antibiotisch behandelt werden. Orthesen, Bandagen oder Korrekturhilfen kommen erst bei chronischen Folgeschäden zum Einsatz, um die Gelenke zu stabilisieren und die Lebensqualität betroffener Tiere zu verbessern.
Besonders betroffen sind schnellwüchsige Mastschweine zwischen 10 und 24 Wochen, vor allem nach Stresssituationen wie Umstallung, Transport oder Gruppenumbildung. Auch das Einbringen erregerfreier Tiere in infizierte Bestände erhöht das Erkrankungsrisiko deutlich.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.