Glossar M Mycoplasma-hyosynoviae-Arthritis (Schwein)

Mycoplasma-hyosynoviae-Arthritis (Schwein)

Die Mycoplasma-hyosynoviae-Arthritis ist eine durch das Bakterium Mycoplasma hyosynoviae verursachte Gelenkentzündung beim Schwein. Sie tritt überwiegend bei Mast- und Jungschweinen im Alter von 10 bis 24 Wochen auf und betrifft vor allem die großen Gliedmaßengelenke. Klinisch zeigt sich die Erkrankung durch akute Lahmheit und Bewegungsunlust ohne ausgeprägte Allgemeinstörung.

Mycoplasma hyosynoviae ist ein zellwandloses Bakterium, das in der Schweinepopulation weltweit verbreitet ist. Die Übertragung erfolgt meist über den oropharyngealen Kontakt von Sau zu Ferkel oder zwischen Tieren beim Umstallen. Nach einer asymptomatischen Besiedlungsphase im Rachenraum kann der Erreger über die Blutbahn in die Synovialmembran großer Gelenke gelangen und dort eine seröse bis serofibrinöse Synovitis auslösen.

Betroffen sind beim Schwein typischerweise die Karpal-, Tarsal-, Knie- und Hüftgelenke. Die Synovialmembran ist verdickt und hyperämisch, die Gelenkflüssigkeit nimmt an Menge zu und wird trübe. Im Gegensatz zur Mycoplasma-hyorhinis-Infektion bleibt die Erkrankung meist auf die Gelenke beschränkt und führt selten zu Polyserositis.

Auslösende Faktoren

  • Stress durch Umstallung, Transport oder Gruppenumbildung
  • Einmischung erregerfreier Tiere in infizierte Bestände
  • Haltungsmängel wie rutschige Böden, Zugluft oder Überbelegung
  • Genetische Prädisposition bei schnellwüchsigen Linien mit hohem Gelenkverschleiß

Orthopädische Relevanz

Die akute Phase klingt unter antibiotischer Therapie meist innerhalb von 7 bis 14 Tagen ab. In einzelnen Fällen entwickeln sich jedoch chronische Gelenkveränderungen mit Knorpelschäden, Kapselfibrose und persistierender Lahmheit. Diese Tiere zeigen dauerhaft verminderte Belastbarkeit, schonen die betroffene Gliedmaße und entwickeln sekundäre Fehlhaltungen, die wiederum andere Gelenke und die Wirbelsäule belasten.

Bei chronischen Verläufen mit bleibender Gelenkinstabilität oder Achsfehlstellungen können tierorthopädische Hilfsmittel wie stützende Bandagen oder individuell angepasste Orthesen unterstützend eingesetzt werden, um die verbleibende Mastperiode tierschutzgerecht zu gestalten oder Zuchttiere weiterhin nutzbar zu halten. Die Indikationsstellung erfolgt immer in enger Abstimmung mit dem behandelnden Tierarzt.

Mögliche Symptome

  • Plötzliche Lahmheit einer oder mehrerer Gliedmaßen
  • Steifer, klammer Gang
  • Bewegungsunlust und vermehrtes Liegen
  • Schmerzhafte Schwellung großer Gelenke (Karpus, Tarsus, Knie)
  • Aufstehschwierigkeiten
  • Leichte Umfangsvermehrung der Gelenke
  • Meist unverändertes Allgemeinbefinden und Fressverhalten
  • Bei chronischem Verlauf dauerhafte Schonhaltung

Orthopädische Indikationen

  • Stützbandagen bei persistierender Gelenkinstabilität nach abgeklungener Infektion
  • Orthesen zur Entlastung chronisch geschädigter Karpal- oder Tarsalgelenke
  • Korrekturhilfen bei sekundären Fehlstellungen durch Schonhaltung
  • Polsternde Hilfsmittel zur Druckentlastung bei festliegenden Tieren
  • Unterstützende Versorgung bei wertvollen Zuchttieren mit chronischer Arthritis

Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich die Mycoplasma-hyosynoviae-Arthritis von der Mycoplasma-hyorhinis-Infektion?

Mycoplasma hyosynoviae befällt vor allem ältere Mastschweine (10–24 Wochen) und verursacht primär eine Gelenkentzündung. Mycoplasma hyorhinis tritt dagegen bei jüngeren Ferkeln (3–10 Wochen) auf und löst zusätzlich eine Polyserositis mit Entzündung von Brust- und Bauchfell aus.

Können orthopädische Hilfsmittel die antibiotische Behandlung ersetzen?

Nein. Die akute Infektion muss tierärztlich diagnostiziert und antibiotisch behandelt werden. Orthesen, Bandagen oder Korrekturhilfen kommen erst bei chronischen Folgeschäden zum Einsatz, um die Gelenke zu stabilisieren und die Lebensqualität betroffener Tiere zu verbessern.

Welche Schweine sind besonders gefährdet?

Besonders betroffen sind schnellwüchsige Mastschweine zwischen 10 und 24 Wochen, vor allem nach Stresssituationen wie Umstallung, Transport oder Gruppenumbildung. Auch das Einbringen erregerfreier Tiere in infizierte Bestände erhöht das Erkrankungsrisiko deutlich.

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