Ausführlich
Perosis ist eine entwicklungsbedingte orthopädische Erkrankung beim Vogel, die vor allem im Wachstum auftritt. Die Sehne des Musculus gastrocnemius verläuft normalerweise in einer knöchernen Rinne (Sulcus) auf der Rückseite des Intertarsalgelenks: dem ‚Sprunggelenk‘ des Vogels. Bei Perosis kommt es zu einer Fehlentwicklung des distalen Tibiotarsus, wodurch die Sehne seitlich (meist nach lateral) aus dieser Führung springt. Das Bein kippt daraufhin nach außen oder innen ab.
Ursachen
Perosis hat in der Regel eine multifaktorielle Ursache. Eine zentrale Rolle spielen Fütterungsfehler im Wachstum, insbesondere ein Mangel an Mangan, Cholin, Biotin, Folsäure, Niacin oder Vitamin B6. Auch ein ungünstiges Calcium-Phosphor-Verhältnis sowie zu energiereiches Futter und damit verbundenes übermäßiges Wachstum begünstigen die Erkrankung. Bei Handaufzuchten von Papageien- und Greifvogelküken sind zudem ungeeignete Unterlagen (zu glatt, zu weich) ein häufiger Auslöser, da die Beine nicht stabil unter dem Körper gehalten werden können.
Betroffene Strukturen
Distaler Tibiotarsus mit Sulcus für die Gastrocnemius-Sehne
Achillessehne (Gastrocnemius-Sehne)
Intertarsalgelenk (Sprunggelenk des Vogels)
Umliegende Bänder und Gelenkkapsel
Orthopädische Relevanz
Eine unbehandelte Perosis führt schnell zu irreversiblen Achsenfehlstellungen, da der knöcherne Sulcus sich ohne Sehnenführung nicht korrekt ausbildet und das Bein dauerhaft verdreht bleibt. Frühzeitig erkannt kann die Sehne manuell reponiert und das Gelenk durch eine maßgefertigte Orthese oder Schienung in physiologischer Stellung stabilisiert werden, bis sich Knochen und Weichteile gefestigt haben. Bei jungen Vögeln ist das Zeitfenster für eine konservative Korrektur sehr kurz: oft nur wenige Tage bis Wochen.
Tierorthopädische Hilfsmittel wie individuell angepasste Schienen, Korrekturorthesen oder Hobble-Bandagen können bei beginnender Perosis unterstützend eingesetzt werden, um die Achillessehne in ihrer Rinne zu halten und das Bein in korrekter Achse zu führen. Die Versorgung sollte stets in enger Abstimmung mit einem vogelkundigen Tierarzt erfolgen.
Mögliche Symptome
Seitliches Abkippen des Laufes (meist nach außen)
Sichtbar verdrehtes Sprunggelenk
Tastbare Verlagerung der Achillessehne
Eingeschränkte Belastung des betroffenen Beins
Hocken oder Sitzen auf dem Tarsometatarsus statt auf den Zehen
Verzögerte motorische Entwicklung bei Küken
Bewegungsunlust, Stehunfähigkeit
Bei beidseitigem Auftreten: vollständige Stehunfähigkeit
Orthopädische Indikationen
Maßangefertigte Korrekturschiene bei frischer Sehnenluxation
Stabilisierende Orthese zur Fixierung des Intertarsalgelenks
Hobble-Bandage zur Korrektur der Beinachse bei Küken
Stützorthese nach chirurgischer Reposition der Sehne
Entlastungshilfen bei chronischer Fehlstellung
Unterstützende Bandagierung während der Nachsorge
Häufige Fragen
In frühen Stadien ist eine konservative Therapie häufig erfolgreich. Die Achillessehne wird durch den vogelkundigen Tierarzt reponiert und das Bein anschließend mit einer Schiene oder Orthese in korrekter Stellung fixiert. Je jünger der Vogel und je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Aussichten.
Besonders häufig tritt Perosis bei jungen, schnell wachsenden Geflügelvögeln wie Puten, Hühnern und Wassergeflügel auf. Auch handaufgezogene Papageienküken (z. B. Aras, Kakadus) und junge Greifvögel können betroffen sein: oft in Verbindung mit Haltungs- und Fütterungsfehlern.
Wichtig sind eine ausgewogene, altersgerechte Ernährung mit ausreichend Mangan, B-Vitaminen und einem korrekten Calcium-Phosphor-Verhältnis sowie eine geeignete, rutschfeste Unterlage in der Nestschale. Bei Handaufzuchten sollten Küken regelmäßig auf die Beinstellung kontrolliert werden, um Fehlstellungen früh zu erkennen.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.