Ausführlich
Die Krückstockzehe (auch Krückenzehe genannt) bezeichnet eine dauerhafte Beugefehlstellung einer oder mehrerer Zehen beim Vogel. Betroffen ist meist eines der Zehengelenke, das nicht mehr aktiv gestreckt werden kann, sodass die Zehe in gebeugter Haltung verharrt. Der Vogel setzt die Zehe dann nicht mehr mit der Zehenunterseite, sondern mit dem Zehenrücken oder der Kralle auf den Untergrund auf.
Anatomischer Hintergrund
Der Vogelfuß ist hochspezialisiert: Sehnen der Beugemuskulatur verlaufen von der Unterschenkelmuskulatur über das Intertarsalgelenk bis in die einzelnen Zehenglieder. Durch dieses Sehnensystem können Vögel ihre Zehen auch im Schlaf um den Ast schließen. Eine Störung im Zusammenspiel von Beuge- und Strecksehnen, Bandapparat oder Knochenwachstum führt zu sichtbaren Fehlstellungen wie der Krückstockzehe.
Ursachen
Falsches Sitzstangenmaterial und -durchmesser (zu dünn, zu glatt, gleichförmig)
Fehlernährung in der Aufzucht, insbesondere Kalzium-, Vitamin-D3- und Manganmangel
Verletzungen von Sehnen, Bändern oder Zehengelenken
Handaufzuchten mit ungeeignetem Nestuntergrund
Chronische Entzündungen der Zehengelenke (Arthritis, Pododermatitis)
Angeborene Fehlbildungen
Orthopädische Relevanz
Eine unbehandelte Krückstockzehe führt zu Fehlbelastungen der gesamten Ständer, zu Druckstellen an der Zehenoberseite sowie zu einer erhöhten Gefahr für Ballengeschwüre (Bumblefoot) am gegenüberliegenden Fuß. Bei jungen Vögeln kann die Fehlstellung mit frühzeitiger Schienung, Zehenschuhen oder individuell gefertigten Zehenorthesen häufig noch korrigiert werden. Bei ausgewachsenen Tieren mit verknöcherter Fehlstellung steht die Entlastung und Vermeidung von Folgeschäden im Vordergrund.
Diagnostik und Behandlung
Die Diagnose erfolgt durch den vogelkundigen Tierarzt anhand klinischer Untersuchung und Röntgenbild. Je nach Ursache und Stadium kommen konservative Maßnahmen (Schienung, Bandagen, orthopädische Sitzstangen), Zehenorthesen oder chirurgische Eingriffe in Betracht. Die Anpassung der Haltungsbedingungen ist immer Teil der Therapie.
Mögliche Symptome
dauerhaft gebeugte Zehe oder Zehenglied
Aufsetzen der Zehe auf dem Rücken statt auf der Unterseite
unsicheres Greifen von Ästen und Sitzstangen
einseitige Belastung des Fußes
Druckstellen oder Hautverdickungen an der Zehenoberseite
verminderte Klettertätigkeit
Schonhaltung, häufiges Anheben des betroffenen Fußes
Orthopädische Indikationen
individuell angefertigte Zehenorthese zur Streckung fixierter Zehen
Zehenschienung bei Jungvögeln zur Wachstumskorrektur
orthopädische Zehenschuhe zur Entlastung
Ballenschutzbandage bei drohender Pododermatitis am Gegenfuß
Stützorthese nach Sehnen- oder Bandverletzungen im Zehenbereich
Häufige Fragen
Die Fehlstellung selbst ist nicht immer schmerzhaft, führt aber zu Fehlbelastungen, Druckstellen und häufig zu sekundären Entzündungen, die dem Vogel Beschwerden bereiten. Eine tierärztliche Abklärung ist daher immer sinnvoll.
Bei jungen Vögeln mit noch weichen Strukturen kann eine frühzeitig angelegte Schienung oder maßgefertigte Zehenorthese die Zehe oft in eine funktionelle Stellung zurückführen. Bei ausgewachsenen Tieren mit verknöcherten Gelenken ist meist nur eine Entlastung möglich.
Wichtig sind Naturäste in verschiedenen Durchmessern und Oberflächen, eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Kalzium, Vitamin D3 und Spurenelementen sowie ein geeigneter Nestuntergrund bei Handaufzuchten. Auffälligkeiten am Fuß sollten frühzeitig einem vogelkundigen Tierarzt vorgestellt werden.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.