Ausführlich
Kupfer ist ein essenzielles Spurenelement, das bei Alpakas an zahlreichen enzymatischen Prozessen beteiligt ist: unter anderem an der Bildung von Myelin, der isolierenden Schutzhülle um Nervenfasern. Fehlt Kupfer über einen längeren Zeitraum, kommt es zur unzureichenden Myelinisierung bzw. zu einer Demyelinisierung im Rückenmark. Betroffen sind vor allem die langen aufsteigenden und absteigenden Bahnen, was klinisch als Myelopathie in Erscheinung tritt.
Alpakas gelten im Vergleich zu Schafen als weniger empfindlich gegenüber Kupferüberschuss, können jedoch bei kupferarmer Fütterung oder bei erhöhtem Gehalt an Antagonisten wie Molybdän, Schwefel oder Eisen im Futter einen relevanten Mangel entwickeln. Auch europäische Böden und Weideflächen sind regional kupferarm, sodass eine bedarfsgerechte Mineralstoffversorgung über spezielles Neuweltkameliden-Mineralfutter besonders wichtig ist.
Betroffene Strukturen
Weiße Substanz des Rückenmarks, insbesondere im Brust- und Lendenbereich
Lange sensorische und motorische Bahnen
Sekundär: neuromuskuläre Koordination der Hinterhand
Typische Ursachen bei Alpakas
Kupferarme Weiden und Grundfutter
Erhöhte Aufnahme von Kupfer-Antagonisten (Molybdän, Sulfat, Eisen)
Unpassendes Mineralfutter, z.B. für Schafe konzipierte Produkte mit sehr niedrigem Kupfergehalt
Fehlende Supplementierung bei Jungtieren in der Wachstumsphase
Orthopädische Relevanz
Da die Erkrankung zu Ataxie, Schwäche und Fehlbelastungen führt, entstehen sekundäre Probleme am Bewegungsapparat. Alpakas beginnen ihre Gliedmaßen zu überknöcheln, knicken in der Fessel ein oder entwickeln asymmetrische Belastungsmuster. Hier können orthopädische Hilfsmittel wie stützende Bandagen oder individuell angepasste Orthesen die betroffene Gliedmaße stabilisieren und Fehlstellungen entgegenwirken, während die medizinische Ursache tierärztlich behandelt wird.
Die Diagnose erfolgt über die klinisch-neurologische Untersuchung in Kombination mit einer Blutuntersuchung (Kupfer- und Coeruloplasmin-Werte) sowie ggf. Leberbiopsien zur Bestimmung der Kupferspeicher. Eine Therapie sollte immer tierärztlich begleitet werden, da eine Überversorgung mit Kupfer bei Neuweltkameliden ebenfalls toxisch wirken kann.
Mögliche Symptome
Ataxie der Hinterhand
Schwanken beim Stehen und Gehen
Muskelschwäche
Fehlstellungen der Gliedmaßen
Einknicken in der Fessel
Verminderte Belastbarkeit
Stolpern und Zehenschleifen
Verzögertes Wachstum bei Jungtieren
Stumpfes, entfärbtes Vlies
Orthopädische Indikationen
Stützbandagen bei Fesselschwäche und Durchtrittigkeit
Individuell gefertigte Orthesen zur Stabilisierung der Hintergliedmaßen
Korrekturhilfen bei sekundären Fehlstellungen der Zehen
Unterstützende Hilfsmittel bei muskulärer Schwäche und Koordinationsstörungen
Entlastungshilfen zur Vermeidung von Druckstellen bei bewegungseingeschränkten Tieren
Häufige Fragen
Erste Hinweise können ein stumpfes, ausgeblichenes Vlies, eine verminderte Leistungsfähigkeit sowie Unsicherheiten in der Bewegung sein. Fortgeschrittene Fälle zeigen deutliche Koordinationsstörungen in der Hinterhand. Eine sichere Diagnose ist nur über eine tierärztliche Untersuchung inklusive Blutwerten möglich.
Nein, Orthesen und Bandagen behandeln nicht die neurologische Ursache. Sie können jedoch sekundäre Fehlstellungen und Überlastungen abmildern, die Standsicherheit verbessern und dem Alpaka mehr Bewegungsqualität ermöglichen, während die tierärztliche Therapie des Kupferstoffwechsels erfolgt.
Eine ausgewogene, auf Neuweltkameliden abgestimmte Mineralstoffversorgung ist entscheidend. Regelmäßige Kontrollen der Blutwerte, geeignete Weidepflege und der Verzicht auf für Schafe konzipiertes Mineralfutter helfen, den Kupferhaushalt im Gleichgewicht zu halten. Fütterungsempfehlungen sollten immer mit dem Tierarzt abgestimmt werden.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.