Ausführlich
Die Beugesehnen verlaufen beim Lama an der Rückseite der Gliedmaßen und sind essenziell für das Abfedern und Vorführen der Zehen. Im Bereich stark beanspruchter Gelenke: insbesondere am Fesselgelenk sowie am Karpus und Tarsus: sind sie von einer mit Synovialflüssigkeit gefüllten Sehnenscheide umhüllt, die als Gleitlager dient. Entzündet sich diese Sehnenscheide, spricht man von einer Tendovaginitis.
Anatomische Besonderheiten beim Lama
Lamas besitzen als Schwielensohler zwei Zehen mit einem weichen Sohlenpolster. Die Beugesehnen tragen erheblich zur Stabilisierung der Zehen bei und sind bei diesen Tieren: die in den Anden für unwegsames, weiches Gelände gezüchtet wurden: besonders empfindlich gegenüber harten, abrasiven oder rutschigen Untergründen in mitteleuropäischer Haltung.
Ursachen
Überlastung durch lange Märsche, Trekking oder ungewohnte Lastentragearbeit
Fehlstellungen der Gliedmaßen oder vernachlässigte Zehenpflege
Verletzungen durch Tritte, Stöße oder Stolpern
Infektionen, z. B. nach perforierenden Verletzungen
Haltung auf zu hartem oder feuchtem Untergrund
Orthopädische Relevanz
Unbehandelt kann eine chronische Sehnenscheidenentzündung zu Verklebungen, Bewegungseinschränkungen und dauerhafter Lahmheit führen. Eine frühzeitige Entlastung der betroffenen Gliedmaße ist entscheidend. Hier können maßgefertigte Bandagen oder Orthesen unterstützen, indem sie die Sehne stabilisieren, die Sehnenscheide entlasten und Fehlbelastungen während des Heilungsprozesses vermeiden.
Die Diagnose und Therapie sollten stets in Abstimmung mit einem auf Neuweltkameliden spezialisierten Tierarzt erfolgen. Begleitend kommen Physiotherapie sowie eine Anpassung der Haltungsbedingungen zum Einsatz.
Mögliche Symptome
Lahmheit unterschiedlichen Grades
Warme, weiche Schwellung entlang der Sehnenscheide
Schmerzempfindlichkeit bei Druck oder Beugung
Steifer, verkürzter Gang
Schonhaltung der betroffenen Gliedmaße
Vermehrtes Liegen, Bewegungsunlust
Orthopädische Indikationen
Stabilisierende Bandage zur Entlastung der Beugesehne
Orthese zur Ruhigstellung des Fesselgelenks bei akuter Entzündung
Stützbandage in der Rehabilitationsphase
Korrekturhilfe bei Fehlstellungen mit Sehnenüberlastung
Schutzbandage bei Trekking oder Belastung in der Heilungsphase
Häufige Fragen
Typisch sind eine plötzlich auftretende Lahmheit, eine warme und teigige Schwellung entlang der Sehnenrückseite sowie Berührungsempfindlichkeit. Das Lama belastet die betroffene Gliedmaße ungern und zeigt oft eine Schonhaltung. Bei Verdacht sollte umgehend ein Tierarzt hinzugezogen werden.
Ja, maßgefertigte Bandagen oder Orthesen können die entzündete Sehnenscheide entlasten, das Gelenk stabilisieren und Fehlbelastungen vermeiden. Sie sind eine sinnvolle Ergänzung zur tierärztlichen Therapie und unterstützen den Heilungsverlauf, insbesondere in der Rehabilitationsphase.
Die Heilungsdauer hängt von Ursache, Schweregrad und Beginn der Behandlung ab. Akute Entzündungen können in wenigen Wochen abklingen, chronische Verläufe benötigen oft mehrere Monate. Wichtig sind konsequente Ruhe, angepasster Untergrund und tierärztlich begleitete Belastungssteigerung.
Vermeiden Sie Überlastung durch zu lange Märsche oder zu schwere Lasten, achten Sie auf regelmäßige Zehenpflege und einen geeigneten, trockenen Untergrund. Eine ausgewogene Bewegung und das Vermeiden abrupter Belastungswechsel reduzieren das Risiko deutlich.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.