Ausführlich
Die Sohlenprellung (lat. Pododermatitis traumatica ) ist eine traumatisch bedingte Entzündung der Huflederhaut unterhalb der Hornsohle. Sie entsteht, wenn das Pferd auf einen harten, spitzen oder unebenen Gegenstand tritt: etwa Steine, Wurzeln, gefrorenen Boden oder Hufnägel. Das empfindliche, gut durchblutete Gewebe zwischen Hornsohle und Hufbein wird dabei gequetscht, es kommt zu Mikroblutungen und Entzündungsreaktionen.
Anatomischer Hintergrund
Die Hufsohle des Pferdes besteht aus einer relativ dünnen Hornschicht, die das darunterliegende, sensible Sohlenkorium (Lederhaut) schützt. Besonders gefährdet sind Pferde mit flachen Sohlen, dünnem Sohlenhorn, weiten Hufen oder einer Hufrehe-Vorgeschichte. Auch nach einem Beschlagwechsel oder einer zu starken Hufbearbeitung kann die Sohle empfindlicher reagieren.
Ursachen und Risikofaktoren
Tritt auf Steine, Schotter oder hartes Geläuf
Reiten oder Arbeiten auf grobem, unebenem Untergrund
Flache oder dünne Sohlen, genetisch oder beschlagsbedingt
Zu kurz ausgeschnittene Hufe nach der Bearbeitung
Vorerkrankungen wie Hufrehe oder Hufbeinsenkung
Orthopädische Relevanz
Eine akute Sohlenprellung zeigt sich meist als plötzliche, deutliche Lahmheit nach einem Ausritt oder Weidegang. Mit einer Hufuntersuchungszange kann der Schmerzpunkt lokalisiert werden. Heilt eine Sohlenprellung nicht ordnungsgemäß ab, kann sich ein Hufabszess entwickeln oder die Lederhaut chronisch entzünden. Eine entlastende Versorgung: etwa durch Hufschuhe mit Polstereinlagen, weiche Sohlenpolster oder spezielle orthopädische Beschläge: kann die Heilung unterstützen und Rückfällen vorbeugen.
Die Behandlung gehört in die Hände von Tierarzt und Hufschmied/Hufpfleger. Maßnahmen reichen von Boxenruhe und kühlenden Umschlägen über entzündungshemmende Medikamente bis hin zu orthopädischen Hilfsmitteln, die die belastete Hufpartie entlasten.
Mögliche Symptome
Plötzlich auftretende Lahmheit, häufig nach Ausritt oder Weidegang
Schonhaltung des betroffenen Beins
Empfindlichkeit bei Druck mit der Hufuntersuchungszange
Vermehrte Pulsation an den Mittelfußarterien
Wärmegefühl am Huf
Eventuell Verfärbung (Blutung) im Sohlenhorn nach einigen Tagen
Orthopädische Indikationen
Hufschuhe mit Polstereinlage zur Entlastung schmerzhafter Sohlenbereiche
Weiche Sohlenpolster zur Stoßdämpfung
Orthopädische Beschläge zur Druckverteilung bei wiederkehrenden Prellungen
Schutzhilfsmittel für Pferde mit flachen oder dünnen Sohlen
Übergangsversorgung nach Hufabszess oder Hufrehe
Häufige Fragen
Typisch ist eine plötzlich einsetzende Lahmheit, oft nach dem Reiten auf hartem oder steinigem Boden. Der Huf kann warm sein, die Pulsation ist erhöht und das Pferd reagiert empfindlich auf Druck im Sohlenbereich. Eine sichere Diagnose stellt der Tierarzt mittels Hufuntersuchungszange und gegebenenfalls bildgebender Verfahren.
Leichte Sohlenprellungen heilen oft innerhalb weniger Tage bis zwei Wochen ab, sofern das Pferd geschont wird. Bei stärkeren Quetschungen oder einem nachfolgenden Hufabszess kann die Heilung mehrere Wochen dauern. Wichtig ist eine konsequente Entlastung und tierärztliche Kontrolle.
Ja, gepolsterte Hufschuhe oder orthopädische Sohlenpolster können die schmerzhaften Bereiche entlasten und so die Heilung unterstützen. Auch für Pferde mit dünnen oder flachen Sohlen sind solche Hilfsmittel eine sinnvolle Prävention. Die Auswahl sollte in Absprache mit Tierarzt und Hufschmied erfolgen.
Achten Sie auf eine regelmäßige, fachgerechte Hufbearbeitung, vermeiden Sie längere Belastung auf scharfkantigem oder hartem Untergrund und nutzen Sie bei empfindlichen Pferden Hufschuhe als Schutz. Eine bedarfsgerechte Fütterung fördert zudem die Hornqualität.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.