Ausführlich
Der Tarsus des Hundes ist ein komplexes Gelenk aus sieben Knochen, die in mehreren Etagen miteinander artikulieren. Man unterscheidet das obere Sprunggelenk (Articulatio tarsocruralis) zwischen Schienbein, Wadenbein und Sprungbein sowie die darunterliegenden intertarsalen und tarsometatarsalen Gelenke. Während das obere Sprunggelenk hauptsächlich für die Beuge- und Streckbewegung verantwortlich ist, dienen die unteren Etagen vor allem der Stoßdämpfung und Stabilität.
Indikation und Formen
Je nachdem, welche Gelenkebene betroffen ist, wird zwischen einer pantarsalen Arthrodese (Versteifung aller Tarsalgelenke), einer partiellen Tarsalarthrodese (z.B. nur der intertarsalen oder tarsometatarsalen Etage) und einer tarsokruralen Arthrodese (nur oberes Sprunggelenk) unterschieden. Die partielle Arthrodese wird bevorzugt, da sie die wichtige Beweglichkeit des oberen Sprunggelenks erhält.
Typische Ursachen beim Hund
Ruptur des Plantarbandes (häufig bei Shelties und Collies)
Traumatische Luxationen oder Frakturen im Tarsalbereich
Schwere Arthrose oder OCD-Folgezustände
Chronische Instabilität nach Bänderrissen
Misslungene oder nicht heilende Frakturen
Operatives Vorgehen
Bei der Operation werden Knorpelreste aus den betroffenen Gelenkspalten entfernt und Spongiosa (Knochenmark-Spongiosa, oft aus dem Oberarm entnommen) eingebracht, um die Knochenheilung zu fördern. Die Stabilisierung erfolgt über Platten, Schrauben, Fixateur externe oder eine Kombination dieser Verfahren. Die knöcherne Durchbauung dauert in der Regel 8 bis 16 Wochen.
Orthopädische Relevanz und Nachsorge
Nach einer Tarsalarthrodese ist eine konsequente Ruhigstellung und ein langsamer Belastungsaufbau essenziell. Maßgefertigte Tarsalorthesen können sowohl präoperativ zur konservativen Stabilisierung als auch postoperativ zur Schonung des Implantats und zur Unterstützung der Heilung eingesetzt werden. In manchen Fällen kann eine individuell angepasste Orthese sogar eine Operation hinauszögern oder vermeiden, insbesondere bei älteren Hunden oder bei Narkoserisiko.
Mögliche Symptome
Deutliche Lahmheit der Hintergliedmaße
Durchtrittiges Gangbild (Hund tritt mit dem ganzen Tarsus auf)
Schwellung im Sprunggelenksbereich
Schmerzhaftigkeit bei Manipulation des Tarsus
Instabilität und abnorme Beweglichkeit
Reduzierte Belastung der betroffenen Pfote
Muskelabbau an der betroffenen Gliedmaße
Orthopädische Indikationen
Postoperative Stabilisierung nach Tarsalarthrodese mittels maßgefertigter Orthese
Konservative Alternative bei nicht-operablen Hunden
Präoperative Stabilisierung bei Ruptur des Plantarbandes
Schutz des Implantats während der knöchernen Durchbauung
Unterstützung bei chronischer Tarsalinstabilität
Entlastung bei fortgeschrittener Tarsalarthrose
Häufige Fragen
Die meisten Hunde laufen nach abgeschlossener Heilung nahezu normal und schmerzfrei. Bei einer pantarsalen Arthrodese bleibt eine leichte Gangbildveränderung sichtbar, da die Beugung im Sprunggelenk fehlt. Bei partiellen Arthrodesen ist das Gangbild oft kaum auffällig.
In bestimmten Fällen kann eine maßgefertigte Tarsalorthese eine konservative Alternative darstellen, etwa bei Hunden mit erhöhtem Operationsrisiko oder bei beginnender Instabilität. Die Entscheidung trifft der behandelnde Tierarzt oder Chirurg individuell nach Befund.
Die knöcherne Verschmelzung dauert in der Regel 8 bis 16 Wochen. In dieser Zeit ist eine strikte Bewegungseinschränkung erforderlich. Eine zusätzliche Orthese kann das Implantat schützen und den Heilungsprozess unterstützen.
Eine Orthese kann sowohl vor einer geplanten Operation zur Stabilisierung als auch nach der OP zur Schonung eingesetzt werden. Auch bei Hunden, die nicht operiert werden, ist die maßgefertigte Versorgung eine sinnvolle Option. Wir beraten Sie gerne individuell.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.