TrittwerkTierorthopädie

Wirbelfraktur beim Kaninchen

Eine Wirbelfraktur ist der teilweise oder vollständige Bruch eines Wirbelkörpers oder seiner Fortsätze. Beim Kaninchen tritt sie häufig im Bereich der Lendenwirbelsäule (vor allem L6/L7) auf und führt oft zu schweren neurologischen Ausfällen. Sie gilt als orthopädischer und neurologischer Notfall.

Ausführlich

Die Wirbelsäule des Kaninchens ist anatomisch besonders empfindlich: Der Körperbau ist auf hohe Sprungkraft ausgelegt, das Skelett macht jedoch nur etwa 7 bis 8 % des Körpergewichts aus, während die Muskulatur sehr kräftig entwickelt ist. Dieses Ungleichgewicht macht die Wirbelsäule: insbesondere die Lendenwirbel L6 und L7: anfällig für Frakturen und Luxationen, vor allem bei plötzlicher Abwehrbewegung oder Fluchtreflex.

Typische Ursachen beim Kaninchen

Falsches Hochheben ohne Stützen des Hinterteils

Heftiges Auskeilen mit den Hinterläufen beim Festhalten

Sturz aus der Höhe (Arm, Tisch, Sofa)

Eingeklemmte Hintergliedmaßen beim Springen

Trauma durch andere Tiere oder Tritte

Begünstigend: Osteoporose bei Bewegungsmangel oder Calciummangel

Betroffene Strukturen

Neben dem knöchernen Wirbelkörper können Bandscheiben, Wirbelfortsätze, Bänder und vor allem das Rückenmark betroffen sein. Eine Schädigung des Rückenmarks führt häufig zu Paresen oder Plegien der Hintergliedmaßen, oft begleitet von Blasen- und Darmlähmung.

Orthopädische Relevanz

Je nach Lokalisation, Stabilität der Fraktur und neurologischem Status kann eine konservative Stabilisierung sinnvoll sein. Hierfür kommen individuell angepasste Orthesen, Stützmieder oder Lagerungshilfen zum Einsatz, die die Wirbelsäule entlasten und gleichzeitig dem Kaninchen Restbeweglichkeit ermöglichen. Bei bleibenden Lähmungen der Hinterhand können Rollwagen oder Stützbandagen die Mobilität erhalten. Jede Versorgung muss tierärztlich abgeklärt werden: eine selbstständige Diagnose oder Therapie durch den Halter ist nicht möglich.

Prognose

Die Prognose hängt entscheidend vom Ausmaß der Rückenmarksschädigung ab. Bei vollständigem Verlust der Tiefensensibilität ist sie meist ungünstig, bei erhaltener Schmerzempfindung und gezielter Therapie sind funktionelle Verbesserungen möglich.

Mögliche Symptome

Plötzliche Lähmung der Hinterläufe

Nachschleifen der Hintergliedmaßen

Ausbleibender Kot- und Urinabsatz oder Inkontinenz

Schmerzäußerung beim Anfassen des Rückens

Apathie, Fressunlust, Zähneknirschen

Abnorme Haltung oder Knick in der Wirbelsäule

Fehlende Reflexe an den Hinterläufen

Orthopädische Indikationen

Stützorthese zur Stabilisierung der Wirbelsäule nach konservativ versorgter Fraktur

Individuell angepasstes Lendenmieder zur Entlastung

Rollwagen bei dauerhafter Lähmung der Hinterhand

Lagerungshilfen zur Dekubitusprophylaxe

Schutzbandagen für nachschleifende Gliedmaßen

Häufige Fragen

Typische Hinweise sind eine plötzliche Lähmung oder Schwäche der Hinterläufe, Nachschleifen, Schmerzäußerungen am Rücken sowie unkontrollierter Kot- und Urinabsatz. Bei diesen Anzeichen muss das Kaninchen umgehend und möglichst erschütterungsfrei zum Tierarzt gebracht werden.

Das hängt von Lokalisation und Schweregrad ab. Bei stabilen Frakturen ohne vollständige Rückenmarksdurchtrennung sind gute Verläufe möglich. Bei kompletter Lähmung mit ausgefallener Tiefensensibilität ist die Prognose meist ungünstig. Die Entscheidung trifft der Tierarzt nach neurologischer Untersuchung.

Je nach Befund können maßgefertigte Stützorthesen, Lendenmieder, Schutzbandagen für nachschleifende Läufe oder ein Rollwagen sinnvoll sein. Trittwerk fertigt solche Hilfsmittel individuell an, immer in Abstimmung mit dem behandelnden Tierarzt.

Kaninchen sollten nie nur an Schulter oder Rumpf hochgehoben werden: das Hinterteil muss immer abgestützt sein. Wichtig sind außerdem ausreichend Bewegung, eine calciumgerechte Ernährung sowie ein sicheres Umfeld ohne Sprungrisiken aus großer Höhe.

Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.

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