Ausführlich
Der Metatarsus des Kaninchens ist anatomisch und funktionell besonders interessant, da Kaninchen zu den sogenannten sohlengängern (plantigrade) bzw. halbsohlengängern Tieren zählen. Beim ruhigen Sitzen liegt die gesamte plantare Fläche des Mittelfußes: vom Calcaneus (Fersenbein) bis zu den Zehen: auf dem Untergrund auf. Beim Hoppeln oder Springen hingegen richtet sich das Tier auf die Zehen auf, sodass der Metatarsus eine wichtige Hebelfunktion für den kraftvollen Absprung übernimmt.
Anatomischer Aufbau
Der Metatarsus besteht aus vier funktionellen Mittelfußknochen (Os metatarsale II bis V), wobei das Os metatarsale I stark reduziert oder nicht angelegt ist. Die Knochen sind im Vergleich zu Vorderfußknochen deutlich länger und kräftiger ausgebildet: eine Anpassung an die enorme Sprungkraft der Hintergliedmaßen. Sehnen, Bänder und die plantar liegende Achillessehne übertragen die Muskelkraft auf den Mittelfuß.
Orthopädische Relevanz
Da Kaninchen im Bereich des Metatarsus keine schützenden Ballen wie Hunde oder Katzen besitzen, sondern lediglich ein dichtes Fellpolster, ist diese Region besonders empfindlich gegenüber Druck, Reibung und ungeeigneten Untergründen. Erkrankungen wie die Pododermatitis („wunde Läufe“) betreffen häufig die plantare Mittelfußregion.
Frakturen der Metatarsalknochen durch Sprünge oder Hängenbleiben
Luxationen im Tarsometatarsalgelenk
Sehnen- und Bänderverletzungen, insbesondere der Achillessehne
Pododermatitis mit Druckstellen, Ulzerationen und Sekundärinfektionen
Fehlstellungen durch Splay Leg oder neurologische Defizite
Bedeutung für orthopädische Versorgung
Bei Erkrankungen des Metatarsus können speziell angepasste Bandagen, Schutzschuhe oder Orthesen den Mittelfuß entlasten, Druckstellen polstern und Fehlstellungen korrigieren. Da Kaninchenknochen sehr zart und bruchanfällig sind, müssen Hilfsmittel exakt angepasst werden, um Sekundärschäden zu vermeiden.
Mögliche Symptome
Lahmheit der Hintergliedmaße
Schwellung im Mittelfußbereich
Schonhaltung oder Nichtaufsetzen der Pfote
Kahle oder wunde Stellen an der Unterseite des Mittelfußes
Veränderte Sitz- und Hoppelhaltung
Schmerzäußerung bei Berührung
Fehlstellung der Hintergliedmaße
Orthopädische Indikationen
Frakturen der Metatarsalknochen
Pododermatitis mit Druckentlastungsbedarf
Sehnenverletzungen im Bereich der Achillessehne
Postoperative Stabilisierung nach Eingriffen am Mittelfuß
Fehlstellungen durch Splay Leg
Nervenausfälle mit Knöchelgang
Schutz bei chronischen Hautläsionen am Mittelfuß
Häufige Fragen
Kaninchen besitzen im Gegensatz zu Hund und Katze keine schützenden Pfotenballen. Die Unterseite des Mittelfußes ist nur von Fell bedeckt. Auf harten, glatten oder unhygienischen Böden entstehen schnell Druckstellen, die sich zur Pododermatitis entwickeln können.
Ja, Frakturen der Metatarsalknochen können heilen, erfordern aber eine tierärztliche Versorgung. Je nach Bruchart kommen Schienen, Bandagen oder eine Operation in Frage. Maßgefertigte Orthesen können die Heilung unterstützen, indem sie den Mittelfuß stabilisieren und entlasten.
Wichtig sind weiche, trockene und saubere Untergründe, ausreichend Bewegung, ein gesundes Körpergewicht und regelmäßige Kontrolle der Pfotenunterseiten. Bei ersten Anzeichen von kahlen Stellen oder Lahmheit sollte umgehend ein tierärztlicher Rat eingeholt werden.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.