Die Hyperextension des Fesselgelenks beim Alpaka beschreibt eine krankhafte Überstreckung des Fesselgelenks, bei der die Zehe nach oben und die Fessel Richtung Boden absinkt. Ursache ist meist eine Schwäche oder Überdehnung des Fesseltrageapparats. Betroffene Tiere zeigen ein durchtrittiges Gangbild bis hin zum Bodenkontakt der Fessel.
Alpakas besitzen anders als Pferde oder Rinder keinen Huf, sondern zwei Zehen mit Zehennägeln und einem weichen Sohlenballen. Das Fesselgelenk (Articulatio metacarpophalangea bzw. metatarsophalangea) verbindet den Mittelfußknochen mit der Zehe und wird über einen komplexen Bandapparat aus tiefer und oberflächlicher Beugesehne sowie dem Fesseltrageapparat stabilisiert. Bei einer Hyperextension gibt dieser Halteapparat nach, sodass das Gelenk deutlich weiter nach hinten durchgestreckt wird als physiologisch vorgesehen.
Ursachen bei Alpakas
Die Hyperextension tritt bei Alpakas relativ häufig auf und kann verschiedene Ursachen haben. Bei Jungtieren (Crias) findet sich oft eine angeborene Bandschwäche oder eine Fehlentwicklung des Halteapparats. Bei erwachsenen Tieren spielen degenerative Prozesse, chronische Überlastung, Adipositas, Fehlstellungen, Trauma sowie Zehennagelvernachlässigung eine Rolle. Auch Selen- oder Vitamin-E-Mangel wird diskutiert.
Betroffene Strukturen
- Fesseltrageapparat (Musculus interosseus medius)
- Oberflächliche und tiefe Beugesehne
- Kollateralbänder des Fesselgelenks
- Gleichbeine (Sesambeine) und deren Bänder
Orthopädische Relevanz
Ein durchtrittiges Fesselgelenk führt zu einer veränderten Lastverteilung auf der gesamten Gliedmaße. Der Sohlenballen wird ungleichmäßig belastet, die Zehennägel wachsen fehlerhaft, und es können sekundär Druckstellen, Hautverletzungen und Arthrosen entstehen. Bei fortgeschrittener Hyperextension berührt teilweise die Rückseite der Fessel den Boden, was zu offenen Wunden führt.
Versorgung
Neben der tierärztlichen Abklärung der Grundursache kann eine orthetische Versorgung sinnvoll sein. Ziel ist die mechanische Unterstützung des Fesselgelenks, die Entlastung des überdehnten Bandapparats und die Wiederherstellung einer physiologischen Achse. Individuell angefertigte Orthesen von Trittwerk werden nach Gipsabdruck oder 3D-Scan an die schlanke Alpaka-Gliedmaße angepasst und berücksichtigen die zweigeteilte Zehe.
Mögliche Symptome
- Durchtrittiges Gangbild mit tief abgesunkener Fessel
- Zehe zeigt nach oben, Sohlenballen hebt vom Boden ab
- Bodenkontakt der Fesselrückseite
- Druckstellen und Haarverlust an der Fessel
- Lahmheit oder Bewegungsunlust
- Fehlstellung und ungleichmäßiger Abrieb der Zehennägel
- Muskelabbau an der betroffenen Gliedmaße
Orthopädische Indikationen
- Angeborene Fesselträgerschwäche bei Crias
- Erworbene Überdehnung des Fesseltrageapparats
- Postoperative Stabilisierung nach Sehnen- oder Bandverletzung
- Chronische Fesselgelenksinstabilität
- Konservative Versorgung bei nicht operablen Fällen
- Entlastung bei Druckstellen durch Bodenkontakt der Fessel
Häufige Fragen
Wächst sich eine Hyperextension bei einem Cria von selbst aus?
Leichte Formen bei neugeborenen Crias können sich in den ersten Lebenswochen bessern, wenn Muskulatur und Bandapparat reifen. Mittelgradige bis schwere Hyperextensionen benötigen jedoch meist eine gezielte Unterstützung, zum Beispiel durch eine angepasste Orthese, um Folgeschäden zu vermeiden. Eine frühzeitige tierärztliche Beurteilung ist entscheidend.
Kann ein Alpaka mit Fesselhyperextension noch auf die Weide?
Grundsätzlich ist moderate Bewegung wichtig, um Muskulatur zu erhalten. Der Untergrund sollte jedoch eben, trocken und rutschfest sein. Nasse, tiefe oder unebene Weiden verstärken die Belastung des ohnehin geschwächten Halteapparats. Die individuelle Belastbarkeit sollte mit dem behandelnden Tierarzt abgestimmt werden.
Wie hilft eine Orthese bei der Hyperextension des Fesselgelenks?
Eine maßgefertigte Orthese stützt das Fesselgelenk von hinten, begrenzt die Überstreckung mechanisch und entlastet den überdehnten Bandapparat. Dadurch kann das Tier wieder physiologischer auftreten, Druckstellen heilen ab, und die verbleibende Muskulatur wird gezielt trainiert. Die Orthese wird individuell an die Anatomie des jeweiligen Alpakas angepasst.