Ausführlich
Lamas besitzen als Schwielensohler (Tylopoden) eine besondere Fußanatomie: Ihre Füße enden nicht in Hufen, sondern in weichen, schwieligen Polstern, die die beiden Zehen umgeben. Diese Zehenpolster ermöglichen eine schonende Fortbewegung auf unterschiedlichstem Terrain und verhindern Bodenverdichtung. Im Gegensatz zu Huftieren sind diese Polster jedoch anfälliger für direkte Verletzungen durch spitze Gegenstände, Hitze oder chemische Reizstoffe.
Ursachen und Entstehung
Zehenpolsterverletzungen beim Lama entstehen häufig durch: Fremdkörper wie Steine, Glassplitter oder Dornen, die in das weiche Gewebe eindringen; übermäßige Abnutzung auf hartem, steinigem oder asphaltiertem Untergrund, besonders bei untrainierten Tieren; Verbrennungen durch heißen Boden im Sommer; Verätzungen durch aggressive Einstreu oder Desinfektionsmittel; bakterielle oder pilzbedingte Infektionen (z.B. Moderhinke), die das Polster aufweichen und schädigen; sowie Risse und Spalten bei zu trockenen Haltungsbedingungen oder unzureichender Fußpflege.
Anatomische Besonderheiten
Die Zehenpolster des Lamas bestehen aus mehreren Schichten: einer dicken, verhornten Epidermis, darunter liegendem Fettgewebe zur Stoßdämpfung und einem verzweigten Gefäß- und Nervensystem. Die Nägel der Lamas wachsen kontinuierlich und müssen regelmäßig gekürzt werden, da überlange Nägel zu Fehlstellungen und sekundären Polsterschäden führen können. Bei Verletzungen ist das gesamte Bewegungssystem betroffen, da Lamas ihr Gewicht nicht wie Huftiere auf harte Strukturen verteilen können.
Behandlung und orthopädische Versorgung
Die Behandlung erfolgt je nach Schweregrad durch den Tierarzt: Reinigung und Desinfektion der Wunde, Entfernung von Fremdkörpern, antibiotische oder antimykotische Therapie bei Infektionen sowie Schmerzmanagement. Während der Heilungsphase ist eine Entlastung der betroffenen Zehe essentiell. Hier kommen tierorthopädische Hilfsmittel zum Einsatz: spezielle Zehenverbände oder -bandagen schützen die Wunde vor Verschmutzung und mechanischer Belastung. Bei chronischen oder großflächigen Verletzungen können individuell angepasste Schuhe oder Polster die Heilung unterstützen und eine gleichmäßige Lastverteilung ermöglichen.
Prävention
Vorbeugende Maßnahmen umfassen: regelmäßige Kontrolle und Pflege der Füße einschließlich Nagelkürzung, Haltung auf weichem, sauberem Untergrund mit Weidemöglichkeiten, Vermeidung von Überlastung auf hartem Boden, Verwendung geeigneter Einstreu ohne scharfkantige Bestandteile sowie bei Transporten oder Ausstellungen ggf. prophylaktische Schutzverbände. Eine frühzeitige Erkennung kleinerer Verletzungen verhindert schwerwiegende Komplikationen wie Phlegmone oder Sehnenscheidenentzündungen.
Mögliche Symptome
Lahmheit
Schonhaltung der betroffenen Gliedmaße
Verminderte Belastung des Fußes
Schwellung im Zehenbereich
Sichtbare Wunde oder Riss im Polster
Schmerzhaftigkeit bei Berührung
Wärmegefühl an der betroffenen Stelle
Hinken oder steifer Gang
Eiter oder Sekretabsonderung bei Infektion
Appetitlosigkeit bei starken Schmerzen
Vermeidung von Bewegung
Verfärbung des Polsters
Orthopädische Indikationen
Schutzverband bei akuten Zehenpolsterwunden
Polsternde Bandage zur Druckentlastung während Heilung
Individueller Zehenpolsterschutz bei chronischen Verletzungen
Therapeutischer Schuh zur Lastumverteilung
Wundschutzverband gegen Kontamination
Stabilisierungsverband bei begleitenden Sehnen- oder Bänderschäden
Entlastungsbandage zur Förderung der Wundheilung
Häufige Fragen
Achte auf Lahmheit, Schonhaltung eines Beins oder verminderte Belastung beim Gehen. Bei der Untersuchung können Schwellungen, Wunden, Risse oder warme Stellen am Zehenpolster sichtbar sein. Das Tier zeigt oft Schmerzreaktionen beim Abtasten der Zehen. Bei Verdacht sollte umgehend ein Tierarzt die Verletzung begutachten.
Bei frühzeitiger und fachgerechter Behandlung heilen die meisten Zehenpolsterverletzungen vollständig aus. Wichtig sind konsequente Wundpflege, Schonung und Schutz vor weiterer Belastung. Orthopädische Hilfsmittel wie Schutzverbände unterstützen die Heilung. Chronische oder tiefe Verletzungen können längere Behandlungszeiten erfordern, heilen aber in der Regel bei guter Versorgung folgenlos ab.
Speziell angepasste Zehenverbände oder -bandagen schützen die Wunde und verteilen die Last gleichmäßig. Therapeutische Schuhe oder Polster können bei größeren Verletzungen die betroffene Stelle entlasten. Die Hilfsmittel werden individuell an die anatomischen Besonderheiten des Lamas angepasst und sollten atmungsaktiv sowie leicht zu reinigen sein. Eine fachkundige Anpassung durch Spezialisten wie Trittwerk gewährleistet optimale Unterstützung während der Heilungsphase.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.