TrittwerkTierorthopädie

Antebrachium-Deformität beim Hund

Als Antebrachium-Deformität bezeichnet man beim Hund eine Fehlstellung oder Fehlbildung des Unterarms, also des Bereichs zwischen Ellenbogen und Karpalgelenk (Handwurzel). Betroffen sind die beiden Unterarmknochen Radius (Speiche) und Ulna (Elle), die gemeinsam wachsen und funktionell aufeinander abgestimmt sein müssen. Bei einer Deformität kommt es zu Achsabweichungen, Verkürzungen oder Rotationen, die zu Lahmheit und Fehlbelastung führen können.

Ausführlich

Das Antebrachium des Hundes besteht aus zwei parallel verlaufenden Knochen: dem Radius (Speiche) und der Ulna (Elle). Beide Knochen müssen synchron wachsen, damit das Ellenbogen- und Karpalgelenk korrekt ausgerichtet bleiben. Wird das Wachstum einer der beiden Wachstumsfugen gestört, entsteht eine Antebrachium-Deformität mit typischen Achsabweichungen.

Typische Formen der Deformität

Valgusstellung : nach außen abweichende Pfote (X-Bein-artig)

Varusstellung : nach innen abweichende Pfote (O-Bein-artig)

Prokurvation : nach vorne gebogener Unterarm

Rotationsfehler : Verdrehung der Pfote nach außen (Außenrotation)

Verkürzung eines Knochens mit Gelenkinkongruenz

Ursachen beim Hund

Häufigste Ursache ist ein vorzeitiger Wachstumsfugenschluss (Physenschluss) an der distalen Ulna, oft nach einem Trauma im Welpenalter. Auch genetisch bedingte Chondrodysplasien bei Rassen wie Dackel, Basset, französischer Bulldogge oder Corgi führen zu typischen Unterarmfehlstellungen. Weitere Ursachen sind Frakturen mit Wachstumsstörung, Ernährungsfehler in der Wachstumsphase oder Retained Cartilage Cores.

Orthopädische Relevanz

Antebrachium-Deformitäten führen zu einer Fehlbelastung von Ellenbogen- und Karpalgelenk. Dies begünstigt sekundäre Erkrankungen wie Arthrose, Bandinstabilitäten oder Ellenbogeninkongruenz. Je nach Schweregrad kommen chirurgische Korrekturen (Osteotomien) oder: zur Unterstützung, bei nicht operablen Fällen oder in der Nachsorge: orthetische Versorgungen infrage.

Konservative Unterstützung durch Orthesen

Individuell gefertigte Karpal- oder Unterarmorthesen von Trittwerk können bei leichten bis mittelgradigen Deformitäten helfen, die Achse zu stabilisieren, das Karpalgelenk zu entlasten und Fehlbelastungen zu reduzieren. Die Indikation sollte immer gemeinsam mit dem Tierarzt gestellt werden.

Mögliche Symptome

Sichtbare Fehlstellung des Unterarms

Nach außen gedrehte Pfote

Lahmheit an der Vordergliedmaße

Steifer oder unrunder Gang

Schmerzen im Ellenbogen- oder Karpalgelenk

Muskelabbau am betroffenen Bein

Belastungsintoleranz bei längeren Spaziergängen

Sekundäre Arthrosezeichen

Orthopädische Indikationen

Karpalorthese zur Achsstabilisierung bei Valgus- oder Varusstellung

Unterarmorthese zur Entlastung nach Osteotomie

Orthetische Versorgung bei nicht operablen Deformitäten

Bandage zur Unterstützung im Rahmen der Physiotherapie

Postoperative Schutzorthese nach korrigierender Chirurgie

Versorgung bei chondrodysplastischen Rassen mit Sekundärarthrose

Häufige Fragen

Nicht zwingend. Bei stark ausgeprägten Fehlstellungen mit Schmerzen oder Gelenkinkongruenz ist eine chirurgische Korrektur (Osteotomie) oft der Goldstandard. Bei leichteren Formen, älteren Hunden oder wenn eine OP nicht möglich ist, kann eine individuell angepasste Orthese die Gliedmaße stabilisieren und Beschwerden lindern. Die Entscheidung trifft der Tierarzt anhand von Röntgenbildern und klinischer Untersuchung.

Chondrodysplastische Rassen wie Dackel, Basset Hound, französische Bulldogge, Welsh Corgi oder Shih Tzu haben rassebedingt häufig Unterarmfehlstellungen. Auch große Rassen wie Deutsche Dogge oder Bernhardiner sind nach Wachstumsstörungen der Ulna überdurchschnittlich betroffen. Zusätzlich kann jede Rasse nach einem Trauma im Welpenalter eine Deformität entwickeln.

Eine Orthese kann eine bereits knöchern manifestierte Deformität nicht rückgängig machen. Sie kann jedoch die Belastung optimieren, Achsabweichungen unterstützen, das Karpalgelenk stabilisieren und Schmerzen reduzieren. Bei Welpen im Wachstum kann eine gezielte Schienung in Absprache mit dem Tierarzt gelegentlich zur Wachstumslenkung beitragen.

Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.

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