Ausführlich
Das Fesselgelenk (Articulatio metacarpophalangea bzw. metatarsophalangea) ist beim Pferd ein hoch belastetes Scharniergelenk zwischen Röhrbein, Griffelbeinen und Fesselbein und wird von den Gleichbeinen ergänzt. Es trägt unter Belastung erhebliche Kräfte und ist daher häufig von Verletzungen, Knorpelschäden, Chip-Frakturen oder degenerativen Veränderungen betroffen. Die Arthroskopie hat sich in der Pferdeorthopädie als Goldstandard etabliert, um intraartikuläre Veränderungen direkt sichtbar zu machen und gleichzeitig zu behandeln.
Ablauf der Arthroskopie
Der Eingriff erfolgt in Allgemeinanästhesie am liegenden Pferd. Über ein bis zwei kleine Hautschnitte (Portale) werden das Arthroskop und Instrumente in das Gelenk eingeführt. Eine sterile Spülflüssigkeit dehnt das Gelenk auf und sorgt für klare Sicht. Der Chirurg kann Knorpel, Synovialis, Bänder und Gelenkkapsel beurteilen und pathologische Strukturen wie Knochenfragmente, Knorpelflakes oder entzündliches Gewebe entfernen.
Typische Indikationen am Fesselgelenk
Osteochondrale Fragmente (Chips) am dorsalen Fesselbeinrand oder an den Gleichbeinen
Osteochondrosis dissecans (OCD) der Fesselgelenksregion
Synoviale Reizungen und Villonoduläre Synovitis
Knorpelschäden bei beginnender Arthrose
Abklärung unklarer Lahmheiten nach diagnostischer Anästhesie
Orthopädische Relevanz
Nach einer Fesselgelenksarthroskopie folgt eine kontrollierte Rehabilitationsphase mit Boxenruhe, schrittweisem Bewegungsaufbau und häufig physiotherapeutischer Begleitung. In dieser Phase können stabilisierende Bandagen oder individuell angefertigte orthopädische Hilfsmittel sinnvoll sein, um das Gelenk zu entlasten, Schwellungen zu reduzieren und die Gliedmaße bei Belastungsaufbau zu unterstützen. Bei verbleibenden Instabilitäten oder chronischen Veränderungen können maßgefertigte Orthesen helfen, das Fesselgelenk dauerhaft zu führen und Fehlbelastungen vorzubeugen.
Die Prognose nach einer Arthroskopie ist abhängig von Art und Ausmaß der Veränderungen, dem Alter des Pferdes sowie der konsequenten Nachsorge. Eine enge Abstimmung zwischen Tierarzt, Chirurg und Physiotherapeut ist entscheidend für ein gutes Ergebnis.
Mögliche Symptome
Lahmheit unterschiedlichen Grades
Gelenksgalle / Schwellung im Bereich des Fesselgelenks
Verminderte Beugefähigkeit
Schmerzreaktion bei Beugeprobe
Leistungsabfall und Taktunreinheit
Wärme im Gelenkbereich
Orthopädische Indikationen
Stabilisierende Bandagen zur postoperativen Unterstützung
Maßgefertigte Fesselgelenksorthesen bei verbleibender Instabilität
Entlastungsorthesen während der Rehabilitationsphase
Hilfsmittel zur Korrektur von Fehlstellungen nach Knorpelschäden
Unterstützung bei chronischer Arthrose des Fesselgelenks
Häufige Fragen
Je nach Befund umfasst die Rehabilitation meist mehrere Wochen Boxenruhe mit anschließendem stufenweisem Aufbautraining. Die genaue Dauer legt der behandelnde Tierarzt individuell fest, häufig sind 8 bis 16 Wochen bis zur vollen Belastbarkeit realistisch.
In vielen Fällen ist nach erfolgreicher Operation und konsequenter Nachsorge eine Rückkehr zur vorherigen Leistungsfähigkeit möglich. Die Prognose hängt jedoch stark vom Ausmaß der Knorpel- und Knochenveränderungen ab und sollte mit dem Tierarzt besprochen werden.
Bandagen oder Orthesen können in der Rehabilitationsphase die Stabilität des Gelenks unterstützen und Schwellungen reduzieren. Bei verbleibenden Instabilitäten oder chronischen Veränderungen kann eine individuell angefertigte Orthese das Fesselgelenk dauerhaft entlasten: die Indikation stellt der Tierarzt gemeinsam mit dem Orthopädietechniker.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.