Ausführlich
Beim Pferd sind die tief unter der Haut verlaufenden Beugesehnen an der Rückseite des Röhrbeins besonders anfällig für Überlastungsschäden. Ursache ist die extreme mechanische Belastung, die im Trab, Galopp und beim Springen auf die relativ dünnen Sehnenstrukturen einwirkt. Bandagen zur Sehnenstützung sollen diese Strukturen entlasten, indem sie den Druck gleichmäßig verteilen und einer übermäßigen Durchtrittigkeit der Fessel entgegenwirken.
Anatomischer Hintergrund
An der Rückseite des Röhrbeins verlaufen die oberflächliche Beugesehne (Musculus flexor digitorum superficialis), die tiefe Beugesehne (Musculus flexor digitorum profundus) sowie der Musculus interosseus medius (Fesselträger). Diese Strukturen sind für die Federung und die Streckung des Fesselgelenks unter Belastung entscheidend. Bei Überlastung entstehen häufig Sehnenentzündungen (Tendinitis), Faserrisse oder eine Fesselträgerschädigung (Desmitis).
Wirkungsweise der Bandage
Kompression und gleichmäßige Druckverteilung entlang des Röhrbeins
Mechanische Stützung gegen Überdehnung der Fessel
Wärmeisolation zur Förderung der Durchblutung im Rahmen der Rehabilitation
Schutz vor äußeren Einwirkungen wie Schlägen oder Streifen
Einsatzbereiche
Bandagen zur Sehnenstützung kommen beim Sportpferd zur Prophylaxe bei intensiver Arbeit zum Einsatz, aber auch in der Rehabilitationsphase nach diagnostizierten Sehnenschäden. Individuell angepasste orthopädische Bandagen können bei chronischen Instabilitäten oder als Übergang zwischen Ruhigstellung und freier Belastung eingesetzt werden.
Grenzen und Risiken
Eine Bandage ersetzt weder die tierärztliche Diagnostik noch eine gezielte Therapie. Falsch angelegte Bandagen können durch punktuellen Druck zu Bandagendruckschäden an Haut und Sehnen führen. Die Auswahl und der Sitz sollten daher immer in Absprache mit Tierarzt oder Physiotherapeut erfolgen.
Mögliche Symptome
Schwellung an der Rückseite des Röhrbeins
Wärme im Sehnenbereich
Druckempfindlichkeit der Beugesehnen
Lahmheit nach Belastung
Durchtrittigkeit der Fessel
Verdickte oder bogige Sehnenkontur
Orthopädische Indikationen
Rehabilitation nach Sehnenentzündung (Tendinitis)
Unterstützung bei Fesselträgerschäden (Desmitis)
Prophylaxe bei intensiver sportlicher Belastung
Chronische Sehneninstabilität
Postoperative Nachsorge im Sehnenbereich
Schutz und Stützung beim kontrollierten Aufbautraining
Häufige Fragen
Die Tragedauer richtet sich nach dem Einsatzzweck. Zur Arbeit werden Bandagen meist nur während der Belastung angelegt und danach wieder entfernt. In der Rehabilitation kann eine längere Tragezeit sinnvoll sein: dies sollte jedoch immer mit dem behandelnden Tierarzt oder Physiotherapeuten abgestimmt werden.
Gamaschen sind vorgefertigte Schutzschalen, die primär gegen Schläge und Streifen schützen. Eine Sehnenbandage aus textilem Material erzeugt zusätzlich eine gezielte Kompression und Stützung der Sehnen. Individuell angefertigte orthopädische Bandagen kombinieren beide Prinzipien und werden auf das jeweilige Pferd abgestimmt.
Nein. Eine Bandage kann den Heilungsverlauf unterstützen, indem sie stabilisiert und entlastet, ersetzt aber keine tierärztliche Diagnostik und Therapie. Sehnenverletzungen benötigen in der Regel ein individuelles Behandlungskonzept aus Ruhe, kontrolliertem Aufbautraining und begleitenden Maßnahmen.
Wichtig sind gleichmäßiger Zug, faltenfreier Sitz und ausreichende Polsterung. Falsch angelegte Bandagen können zu Druckschäden an Haut und Sehnen führen. Das korrekte Anlegen sollte am besten durch Tierarzt oder Physiotherapeut angeleitet werden.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.