Ausführlich
Die Bandscheibe (Discus intervertebralis) liegt zwischen den Wirbelkörpern und besteht aus einem gallertartigen Kern (Nucleus pulposus) sowie einem äußeren Faserring (Anulus fibrosus). Sie dient als Stoßdämpfer und ermöglicht die Beweglichkeit der Wirbelsäule. Beim Bandscheibenvorfall kommt es zur Vorwölbung oder zum Durchbruch von Bandscheibenmaterial in den Wirbelkanal, wodurch Druck auf das Rückenmark entsteht.
Formen und Schweregrade Man unterscheidet zwei Haupttypen: Typ I (Hansen-Typ-I) tritt vor allem bei chondrodystrophen Rassen auf und ist durch eine akute Extrusion (Austreten) des Gallertkerns gekennzeichnet. Typ II (Hansen-Typ-II) betrifft häufiger große und ältere Hunde und entsteht durch eine chronische Protrusion (Vorwölbung) des Faserrings. Die Symptomatik wird in fünf Schweregrade eingeteilt: von Grad 1 (Schmerzen ohne neurologische Ausfälle) bis Grad 5 (vollständige Lähmung mit Verlust der Tiefensensibilität).
Ursachen und Risikofaktoren Ursächlich sind degenerative Veränderungen der Bandscheibe, die durch genetische Veranlagung, Übergewicht, Alterungsprozesse oder Traumata begünstigt werden. Chondrodystrophe Rassen zeigen bereits im Alter von 1-2 Jahren Verkalkungen der Bandscheiben. Häufigste Lokalisationen sind die Hals- und untere Lendenwirbelsäule, insbesondere zwischen dem 12. Brustwirbel und dem 2. Lendenwirbel.
Diagnostik und Behandlung Die Diagnose erfolgt durch neurologische Untersuchung, Röntgen, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT). Die Therapie richtet sich nach Schweregrad: Bei leichten Fällen kann konservative Behandlung mit strikter Ruhigstellung, Schmerzmitteln und Entzündungshemmern ausreichend sein. Bei schweren neurologischen Ausfällen oder akuten Lähmungen ist häufig eine operative Dekompression notwendig, bei der das vorgetretene Material entfernt wird.
Rolle der Orthopädietechnik In der Rehabilitationsphase nach Operation oder bei konservativer Therapie unterstützen orthopädische Hilfsmittel die Genesung. Stabilisierende Rückenorthesen können die Wirbelsäule entlasten und unkontrollierte Bewegungen verhindern. Bei inkompletten Lähmungen helfen Gehhilfen und Tragehilfen dem Hund, die Mobilität zu erhalten. Physiotherapie in Kombination mit individuell angepassten Bandagen fördert den Muskelaufbau und verhindert Muskelatrophie.
Prognose und Nachsorge Die Prognose hängt vom Schweregrad und der Schnelligkeit der Behandlung ab. Hunde mit erhaltener Tiefensensibilität haben eine deutlich bessere Heilungschance. Nach überstandenem Bandscheibenvorfall besteht ein erhöhtes Risiko für weitere Vorfälle an anderen Wirbelsäulenabschnitten. Gewichtsmanagement, moderate Bewegung und Vermeidung von Sprüngen sind wichtige präventive Maßnahmen.
Mögliche Symptome
Akute Rückenschmerzen
Berührungsempfindlichkeit im Rückenbereich
Gekrümmte Körperhaltung
Unwilligkeit zu springen oder Treppen zu steigen
Schwäche der Hintergliedmaßen
Ataxie (unsicherer Gang)
Teillähmung (Parese)
Vollständige Lähmung (Plegie)
Harninkontinenz
Kotinkontinenz
Verlust der Tiefensensibilität
Orthopädische Indikationen
Rückenorthese zur Stabilisierung der Wirbelsäule
Bandage zur Unterstützung der Rumpfmuskulatur
Gehhilfe für die Hintergliedmaßen bei Parese
Tragehilfe zur Entlastung während der Rehabilitation
Rehabilitationsorthese nach Bandscheibenoperation
Häufige Fragen
Bei leichten Vorfällen (Grad 1-2) kann mit strikter Ruhigstellung und medikamentöser Therapie eine Besserung eintreten. Das vorgetretene Material kann sich jedoch nicht vollständig zurückbilden. Bei schweren Fällen mit neurologischen Ausfällen ist meist eine operative Entfernung notwendig. Jeder Verdacht auf Bandscheibenvorfall sollte umgehend tierärztlich abgeklärt werden.
Die Rehabilitationsdauer ist stark vom Schweregrad abhängig. Bei konservativer Behandlung leichter Fälle sind 4-6 Wochen strikte Ruhigstellung erforderlich. Nach operativer Versorgung kann die vollständige Genesung 3-6 Monate dauern. Physiotherapie, Bewegungstherapie und der Einsatz stabilisierender Orthesen unterstützen den Heilungsprozess. Bei schweren Lähmungen kann die Rehabilitation auch länger dauern oder nicht vollständig gelingen.
Besonders gefährdet sind chondrodystrophe Rassen mit verkürzten Gliedmaßen wie Dackel, Französische Bulldogge, Beagle, Shih Tzu, Pekinese und Basset Hound. Diese Rassen neigen bereits in jungem Alter zu Bandscheibenverkalkungen. Aber auch große Rassen wie Deutscher Schäferhund oder Labrador können im fortgeschrittenen Alter Bandscheibenvorfälle entwickeln. Gewichtskontrolle und rückengerechte Haltung sind wichtige Präventionsmaßnahmen.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.