Ausführlich
Der Musculus infraspinatus liegt seitlich am Schulterblatt (Scapula) des Hundes und entspringt in der Fossa infraspinata. Er setzt am Oberarmknochen (Humerus) an und ist maßgeblich an der Stabilisierung des Schultergelenks sowie an der Außenrotation und Abduktion der Vordergliedmaße beteiligt. Bei der Infraspinatus-Kontraktur kommt es zu einem bindegewebigen Umbau des Muskelgewebes, wodurch dieser dauerhaft verkürzt und unelastisch wird.
Entstehung und Ursachen
Die Erkrankung tritt typischerweise nach einem akuten Trauma während intensiver Belastung auf: etwa bei Jagdhunden, Hütehunden oder Sporthunden. Diskutiert wird eine initiale Muskelverletzung mit Einblutung und nachfolgender Ischämie (Minderdurchblutung), die zu Muskelnekrose und narbigem Umbau führt. In der akuten Phase zeigen die Hunde oft eine vorübergehende Lahmheit, die nach einigen Wochen in das typische chronische Bild übergeht.
Klinisches Bild
Charakteristisch ist eine schmerzfreie, dauerhafte Fehlhaltung der betroffenen Vordergliedmaße: Der Ellenbogen wird an den Körper gezogen, die Pfote nach außen rotiert und der Unterarm nach innen gedreht. Im Schritt zeigt sich ein typisches „Schleudern“ der Pfote nach außen (Zirkumduktion). Die Hunde sind in der Regel nicht schmerzhaft, aber funktionell deutlich eingeschränkt.
Diagnostik und Therapie
Die Diagnose stellt der Tierarzt anhand der typischen Bewegungsmuster, Palpation des verhärteten Muskels und bildgebender Verfahren (Ultraschall, MRT). Die etablierte Behandlung ist die chirurgische Tenotomie der Endsehne des Musculus infraspinatus, die meist zu einer raschen funktionellen Wiederherstellung führt.
Orthopädische Relevanz
In der postoperativen Phase oder bei nicht-operablen Hunden können tierorthopädische Hilfsmittel wie Schulterbandagen oder stabilisierende Orthesen den Bewegungsapparat unterstützen, Fehlbelastungen anderer Gelenke vorbeugen und die physiotherapeutische Rehabilitation begleiten.
Mögliche Symptome
typische Außenrotation der Pfote
Adduktion des Ellenbogens an den Körper
Zirkumduktion (Schleudern der Pfote nach außen) im Schritt
fühlbar verhärteter Schultermuskel
initial kurzzeitige Lahmheit nach Trauma
chronisch meist schmerzfreie Bewegungseinschränkung
asymmetrische Muskulatur an der Schulter
Orthopädische Indikationen
Schulterbandage zur Stabilisierung in der postoperativen Phase
Orthese zur Unterstützung bei chronischer Fehlstellung
Hilfsmittel zur Entlastung kompensatorisch überlasteter Gelenke
Bandagen zur Begleitung der physiotherapeutischen Rehabilitation
Stützende Versorgung bei nicht-operativen Verlaufsformen
Häufige Fragen
Vor allem mittelgroße bis große Arbeits-, Jagd- und Sporthunde wie Vorstehhunde, Hütehunde oder Retriever sind gefährdet. Auslöser ist meist eine intensive körperliche Belastung mit akuter Muskelverletzung.
Im chronischen Stadium ist die Erkrankung meist schmerzfrei, der Hund zeigt jedoch eine deutliche Bewegungseinschränkung mit typischer Fehlhaltung der Vordergliedmaße. In der akuten Anfangsphase nach dem Trauma kann Schmerz auftreten. Eine tierärztliche Abklärung ist immer empfehlenswert.
Die operative Tenotomie gilt als Goldstandard und führt meist zu sehr guten Ergebnissen. Orthesen und Bandagen können die Operation nicht ersetzen, aber wertvolle Unterstützung in der Rehabilitation oder bei nicht-operablen Hunden bieten. Die Entscheidung trifft der behandelnde Tierarzt.
In vielen Fällen zeigt sich bereits wenige Tage nach dem Eingriff eine deutliche Verbesserung der Bewegung. Eine begleitende Physiotherapie und gegebenenfalls eine orthopädische Versorgung unterstützen die vollständige Wiederherstellung der Funktion.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.