Ausführlich
Die Interdigitalhyperplasie ist eine häufige Klauenerkrankung beim Stier, insbesondere bei schweren Mast- und Zuchtbullen. Durch das hohe Körpergewicht werden die Klauen stark gespreizt, wodurch die Haut im Zwischenklauenspalt (Spatium interdigitale) unter dauerhaftem Zug und Druck steht. Diese chronische Reizung führt zu einer Verdickung und Wucherung des Gewebes, die als längliche, walzenförmige Hautfalte zwischen den Klauen sichtbar wird.
Anatomischer Hintergrund beim Stier
Stiere zeigen aufgrund ihres Körperbaus eine besondere Anfälligkeit: Die kräftige Bemuskelung, das hohe Eigengewicht und teils mangelhafte Klauenpflege begünstigen das Auseinanderweichen der Klauen. Die zwischen den Klauen liegende Haut wird dadurch über lange Zeit hinweg gequetscht und gereizt. Auch genetische Faktoren: etwa bei bestimmten Fleischrinderlinien: spielen eine Rolle.
Ursachen und begünstigende Faktoren
Hohes Körpergewicht und große Klauenspreizung
Feuchte, unhygienische Stallböden (z. B. Spaltenböden mit Gülleeinfluss)
Chronische Entzündungen im Zwischenklauenbereich (z. B. Dermatitis interdigitalis)
Mangelnde oder verspätete Klauenpflege
Genetische Disposition bei bestimmten Rassen
Orthopädische Relevanz
Die Wucherung wird bei jedem Schritt zwischen den Klauen eingeklemmt, was schmerzhaft ist und zu Schonhaltung, Lahmheit und Bewegungsunlust führt. Bei Zuchtbullen kann dies die Decktauglichkeit erheblich einschränken. Neben der chirurgischen Entfernung durch den Tierarzt spielen orthopädische Maßnahmen wie Klauenkorrektur, das Anbringen eines Klauenklotzes auf der Partnerklaue zur Entlastung sowie spezielle Bandagen zum Schutz der Operationswunde eine zentrale Rolle in der Nachsorge.
Die langfristige Prävention umfasst regelmäßige funktionelle Klauenpflege, trockene Liegeflächen und die frühzeitige Behandlung jeder Entzündung im Zwischenklauenbereich.
Mögliche Symptome
Längliche Hautwucherung im Zwischenklauenspalt sichtbar
Lahmheit, besonders auf hartem Untergrund
Schonhaltung der betroffenen Gliedmaße
Entzündete, gerötete oder nässende Hautfalte
Bewegungsunlust und verminderte Aktivität
Bei Zuchtbullen: Decktätigkeit eingeschränkt
Orthopädische Indikationen
Schutzbandagen zur postoperativen Versorgung nach Limax-Entfernung
Klauenklötze zur Entlastung der erkrankten Klaue
Orthopädische Klauenkorrektur zur Druckumverteilung
Polsterungen zum Schutz des Zwischenklauenspalts
Stabilisierende Bandagen bei chronischer Lahmheit
Häufige Fragen
Das hohe Körpergewicht und die kräftige Statur von Stieren führen zu einer starken Spreizung der Klauen. Dadurch wird die Haut im Zwischenklauenspalt dauerhaft gereizt und gequetscht, was die Bildung einer Wucherung begünstigt. Zusätzlich spielen Stallhygiene und genetische Veranlagung eine Rolle.
Ja, nach der chirurgischen Entfernung durch den Tierarzt ist eine saubere, druckentlastende Bandagierung wichtig, um die Wunde vor Schmutz und mechanischer Belastung zu schützen. Individuell angepasste orthopädische Hilfsmittel können zudem die Partnerklaue entlasten und so die Heilung fördern.
Eine vollständige Vorbeugung ist nicht immer möglich, das Risiko lässt sich aber deutlich senken durch regelmäßige funktionelle Klauenpflege, trockene und saubere Liegeflächen, frühzeitige Behandlung von Entzündungen im Klauenbereich und gezielte Zuchtauswahl bei bekannter Disposition.
Ja, insbesondere wenn die Wucherung groß wird oder sich entzündet, ist sie für den Stier sehr schmerzhaft. Die Tiere zeigen Lahmheit, Bewegungsunlust und Schonhaltung. Eine tierärztliche Abklärung sollte daher frühzeitig erfolgen.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.