Ausführlich
Die Mortellaro-Dermatitis ist eine der häufigsten Klauenerkrankungen bei Milch- und Mastrindern und wurde erstmals 1974 vom italienischen Tierarzt Mortellaro beschrieben. Die Erkrankung wird hauptsächlich durch Treponema-Bakterien verursacht, die sich in feuchter, verschmutzter Stallumgebung besonders gut vermehren. Die charakteristischen rötlichen, oft erdbeerfarbenen Läsionen treten bevorzugt an der Hintergliedmaße im Bereich zwischen Klauen und Afterklauen auf.
Anatomisch betrifft die Mortellaro-Dermatitis die unverhörnte Haut der Klaue, insbesondere die empfindliche Epidermis im Zwischenklauenspalt und an der plantaren (hinteren) Fläche der Fesselbeuge. Die bakterielle Infektion führt zu einer schmerzhaften Entzündung, die das Gangbild massiv beeinträchtigt. Betroffene Kühe zeigen häufig eine deutliche Lahmheit, vermeiden Belastung der erkrankten Gliedmaße und können in ihrer Leistung erheblich eingeschränkt sein.
Die Entstehung wird durch mehrere Faktoren begünstigt: mangelnde Klauenhygiene, ständiger Kontakt mit Feuchtigkeit und Kot, unzureichende Liegeboxenhygiene sowie Stress und Immunschwäche. In modernen Laufställen mit hoher Besatzdichte breitet sich die Erkrankung schnell aus, da die Erreger über kontaminierte Laufflächen von Tier zu Tier übertragen werden. Jungvieh ist besonders gefährdet, da es noch keine Immunität entwickelt hat.
Aus tierorthopädischer Sicht ist die Mortellaro-Dermatitis relevant, weil die akute Schmerzhaftigkeit zu Schonhaltungen und Fehlbelastungen führt. Diese können sekundär andere Strukturen des Bewegungsapparates belasten und chronische Gelenkprobleme oder Sehnenschäden nach sich ziehen. Zudem kann eine chronifizierte Dermatitis zu dauerhaften Hautveränderungen und Verdickungen führen, die das Gangbild langfristig beeinträchtigen.
Die Behandlung umfasst antibakterielle Sprays oder Bäder, Einzeltierbehandlungen mit lokalen Antibiotika und verbesserte Stallhygiene. Vorbeugende Klauenbäder mit desinfizierenden Lösungen haben sich in vielen Betrieben bewährt. Bei chronischen Fällen mit starken Lahmheiten können orthopädische Maßnahmen wie spezielle Klauenverbände oder Entlastungsorthesen die Heilung unterstützen und die gesunden Klauen vor Überlastung schützen.
Eine konsequente Früherkennung durch regelmäßige Klauenkontrollen und schnelles Eingreifen sind entscheidend, um die Ausbreitung im Bestand zu verhindern und chronische Bewegungsstörungen zu vermeiden. Die tierärztliche Betreuung sollte eng mit professioneller Klauenpflege und optimiertem Stallmanagement kombiniert werden.
Mögliche Symptome
Lahmheit
Erdbeerfarbene Hautveränderungen
Schmerzhafte Schwellung im Klauenbereich
Rötung der Haut zwischen den Klauen
Verminderte Belastung der betroffenen Gliedmaße
Gestörtes Gangbild
Leistungsrückgang
Zurückhaltung beim Laufen
Erhöhte Empfindlichkeit bei Berührung
Orthopädische Indikationen
Entlastungsorthesen bei akuter Lahmheit
Klauenverbände zur Ruhigstellung
Schutzverbände während der Behandlung
Orthopädische Einlagen zur Druckverteilung
Stabilisierungsbandagen bei Schonhaltung
Therapeutische Verbände mit medikamentöser Einlage
Häufige Fragen
Typische Anzeichen sind plötzlich auftretende Lahmheit, rötliche bis erdbeerfarbene, oft haararme Hautveränderungen im Bereich der Fesselbeuge oder zwischen den Klauen. Die betroffene Stelle ist meist schmerzhaft und die Kuh vermeidet die Belastung. Bei Verdacht sollte umgehend ein Tierarzt konsultiert werden.
Orthesen können während der Behandlungsphase unterstützend eingesetzt werden, um die betroffene Klaue zu entlasten und die gesunden Gliedmaßen vor Überlastung zu schützen. Sie ersetzen jedoch nicht die antibakterielle Behandlung durch den Tierarzt, sondern ergänzen diese, indem sie die Heilung durch Druckentlastung fördern und Sekundärschäden vorbeugen.
Vorbeugende Maßnahmen umfassen optimale Stallhygiene mit trockenen, sauberen Laufflächen, regelmäßige Klauenbäder mit geeigneten Desinfektionsmitteln, konsequente Klauenpflege und Früherkennung durch regelmäßige Kontrollen. Eine gute Biosicherheit bei Tierzukäufen und die Vermeidung von Stress stärken zusätzlich die Abwehrkraft der Tiere.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.