Ausführlich
Die Phalangitis ist eine entzündliche Erkrankung der Zehenknochen im Bereich der Klaue. Bei der Kuh besitzt jede Gliedmaße zwei tragende Hauptklauen (Klaue III und IV), die jeweils aus drei Phalangen bestehen: Fesselbein (Phalanx proximalis), Kronbein (Phalanx media) und Klauenbein (Phalanx distalis). Eine Entzündung kann einen oder mehrere dieser Knochen betreffen und greift häufig auf das Klauen- oder Krongelenk sowie auf umliegende Weichteile über.
Anatomischer Hintergrund
Das Klauenbein ist vollständig von der Hornkapsel umschlossen und hat keinen direkten Zugang nach außen. Entzündungsprozesse entstehen daher meist durch fortgeleitete Infektionen aus der Lederhaut, dem Sohlenhorn oder durch Verletzungen im Zwischenklauenspalt. Die enge anatomische Lage zu Beugesehne, tiefer Beugesehne und Hufrollenapparat begünstigt die Ausbreitung in Sehnenscheiden und Bursen.
Ursachen bei der Kuh
Aufsteigende Infektionen aus Sohlengeschwüren (Rusterholzsches Sohlengeschwür)
Komplikationen von Panaritium (Phlegmone) oder Klauenrehe
Penetrierende Fremdkörper, Steindurchtritte, Hornspalten
Untergreifende eitrige Prozesse (z. B. White-Line-Disease)
Frakturen oder Quetschungen der Phalangen durch Trauma
Orthopädische Relevanz
Eine Phalangitis führt zu hochgradiger Stützbeinlahmheit und kann ohne adäquate Therapie zur Resektion der Klaue oder Amputation einer Zehe führen. Nach chirurgischen Eingriffen oder zur Entlastung im Heilungsverlauf sind orthopädische Hilfsmittel ein zentraler Bestandteil der Genesung. Hierzu zählen Klauenklötze auf der gesunden Partnerklaue zur Lastumverteilung, individuell angepasste Klauenorthesen sowie nach Amputation versorgende Prothesen , wie sie bei Trittwerk gefertigt werden.
Prognose
Die Prognose hängt stark vom Ausmaß der Beteiligung knöcherner Strukturen und Gelenke ab. Eine frühzeitige Diagnose durch den Tierarzt sowie die konsequente Entlastung mittels orthopädischer Versorgung sind entscheidend für den Heilungserfolg und den langfristigen Verbleib der Kuh in der Herde.
Mögliche Symptome
Hochgradige Lahmheit, meist Stützbeinlahmheit
Schwellung im Kron- und Fesselbereich
Wärme und Schmerzhaftigkeit der Klaue
Schonhaltung, Entlastung der betroffenen Gliedmaße
Reduzierte Futteraufnahme und Milchleistung
Eitriger Ausfluss bei offenen Prozessen
Vermehrtes Liegen, erschwertes Aufstehen
Orthopädische Indikationen
Entlastung der erkrankten Klaue durch Klauenklotz auf der Partnerklaue
Orthetische Versorgung nach Klauenresektion
Prothesenversorgung nach Zehenamputation
Bandagen zur Stabilisierung und zum Schutz nach chirurgischen Eingriffen
Druckentlastende Hilfsmittel im Heilungsverlauf nach Phalangenfrakturen
Häufige Fragen
Auffällig sind eine plötzlich auftretende, hochgradige Lahmheit, eine deutliche Schwellung oberhalb der Klaue sowie Wärme und Schmerzhaftigkeit beim Abtasten. Die Kuh entlastet die betroffene Gliedmaße und zeigt häufig vermehrtes Liegen. Eine sichere Diagnose stellt der Tierarzt, in der Regel ergänzt durch eine Röntgenuntersuchung.
Bei rechtzeitiger Behandlung und konsequenter orthopädischer Entlastung haben viele Kühe gute Chancen auf eine langfristige Nutzung. Auch nach einer Zehenamputation ist mit angepasster Prothese oder Orthese ein weitgehend normaler Herdenalltag möglich. Die individuelle Versorgung sollte mit Tierarzt und Klauenpfleger abgestimmt werden.
Orthopädische Hilfsmittel wie Klauenklötze, Orthesen oder Prothesen entlasten die entzündete Klaue, ermöglichen eine kontrollierte Heilung und reduzieren Folgeschäden an der gesunden Gliedmaße. Sie ergänzen die tierärztliche Behandlung und sind häufig entscheidend für den Therapieerfolg.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.