Ausführlich
Das Lama besitzt an jedem Bein zwei funktionelle Zehen mit je drei Zehenknochen (Phalangen). Die Phalanx distalis: das Klauenbein: ist der letzte und distalste Knochen, der von der ledrigen Klauenkapsel umgeben wird. Anders als bei Pferd oder Rind tragen Lamas ihr Gewicht überwiegend auf weichen Sohlenballen (Pelotten), während die Klauen eher führend und stabilisierend wirken. Eine Fraktur dieses Knochens verändert die statische und dynamische Belastung der gesamten Gliedmaße erheblich.
Ursachen einer Phalanx-distalis-Fraktur beim Lama
Typische Auslöser sind direkte Traumata, etwa durch Tritte von Artgenossen, Hängenbleiben der Klaue in Gittern oder Zäunen, Stürze auf hartem Untergrund oder Verletzungen durch spitze Gegenstände auf der Weide. Auch chronische Klauenfehlstellungen, vernachlässigte Klauenpflege mit übermäßig langen Klauen sowie Hufrehe-ähnliche Zustände können das Klauenbein schwächen und Frakturen begünstigen.
Betroffene Strukturen
Klauenbein (Phalanx distalis) mit seinen Gelenkflächen zur Phalanx media
Hufknorpel und tiefe Beugesehne, die am Klauenbein ansetzt
Klauenkapsel und Pelotte (Sohlenballen)
Bei artikulären Frakturen das Krongelenk
Orthopädische Relevanz
Da Lamas Fluchttiere mit hoher Schmerztoleranz sind, werden Frakturen oft erst spät erkannt. Eine konservative Versorgung mit Ruhigstellung über mehrere Wochen ist häufig erfolgversprechend, sofern die Fraktur nicht ins Krongelenk reicht. Hier kommen maßgefertigte orthopädische Hilfsmittel wie Klauenschuhe, Stützverbände oder Klauen-Orthesen zum Einsatz, die die betroffene Klaue entlasten und die Belastung auf die gesunde Partnerklaue umverteilen.
Heilungsverlauf
Die Heilungsdauer beträgt beim Lama in der Regel 8 bis 16 Wochen. Während dieser Zeit ist eine konsequente Boxenruhe auf weichem, trockenem Untergrund essenziell. Die Versorgung sollte stets durch den Tierarzt eingeleitet und durch fachgerechte orthopädische Anfertigungen begleitet werden.
Mögliche Symptome
Plötzliche, hochgradige Lahmheit einer Gliedmaße
Entlastungshaltung mit kaum aufgesetzter Klaue
Schwellung im Bereich des Kronsaums
Wärme und Druckschmerz an der betroffenen Klaue
Veränderte Klauenstellung oder sichtbare Fehlhaltung
Reduzierte Bewegungsfreude, Abliegen über längere Zeit
Bei offenen Frakturen: Blutung oder Wunde an der Klaue
Orthopädische Indikationen
Maßgefertigte Klauenorthese zur Ruhigstellung und Entlastung
Klauenschuh mit Polsterung zur Stoßdämpfung während der Heilungsphase
Stützverband zur Stabilisierung des Zehenbereichs
Orthopädische Versorgung der Partnerklaue zur Lastumverteilung
Langfristige Korrekturhilfen bei verbleibender Fehlstellung nach Heilung
Häufige Fragen
Die Diagnose stellt der Tierarzt durch klinische Untersuchung und Röntgenaufnahmen der betroffenen Klaue. Da Lamas Schmerzen oft maskieren, ist eine genaue Untersuchung beider Klauen einer Gliedmaße wichtig.
In vielen Fällen ja: bei rechtzeitiger Behandlung und konsequenter Ruhigstellung mit geeigneter orthopädischer Versorgung heilen einfache Frakturen meist gut aus. Bei Beteiligung des Krongelenks ist die Prognose vorsichtiger zu stellen.
Üblicherweise 8 bis 16 Wochen, abhängig von Frakturart und Heilungsverlauf. Die Versorgung sollte regelmäßig durch den Tierarzt und den Orthopädietechniker kontrolliert und gegebenenfalls angepasst werden.
Regelmäßige Klauenpflege alle 6 bis 12 Wochen, sichere Weide- und Stallgestaltung ohne Verletzungsfallen sowie ein trockener, rutschfester Untergrund reduzieren das Risiko deutlich.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.