Ausführlich
Lamas besitzen an jeder Gliedmaße zwei funktionale Zehen mit verhornten Krallen (Zehennägeln) sowie weichen Sohlenballen. Im Gegensatz zu Huftieren wie Pferden oder Rindern nutzen sich die Krallen bei domestizierten Lamas auf weichen Untergründen oft nicht ausreichend ab, wodurch es zu übermäßigem Wachstum und Deformationen kommt. Die Krallen wachsen kontinuierlich und können sich bei fehlender natürlicher Abnutzung spiralförmig einrollen oder nach innen bzw. außen verbiegen.
Ursachen und Entstehung
Die Hauptursache für Krallendeformationen bei Lamas ist die Haltung auf weichen, nicht abrasiven Böden wie Gras oder Stallmatten ohne ausreichende Laufmöglichkeiten auf hartem Untergrund. Weitere Faktoren sind genetische Veranlagung zu schnellerem Krallenwachstum, Übergewicht mit ungleichmäßiger Belastung der Zehen, Fehlstellungen der Gliedmaßen sowie Stoffwechselerkrankungen. Auch entzündliche Prozesse im Zehenbereich oder vorangegangene Verletzungen können zu abnormalem Krallenwachstum führen. In der Wildnis nutzen sich die Krallen durch das Laufen auf steinigem Terrain natürlich ab: eine Bedingung, die in der Domestikation oft fehlt.
Orthopädische Folgen
Deformierte Krallen verändern die Biomechanik der gesamten Gliedmaße. Überlange oder verbogene Krallen zwingen das Lama zu einer abnormalen Zehenstellung, was zu Fehlbelastungen der Gelenke (Fesselgelenk, Vorderfußwurzel- bzw. Sprunggelenk) führt. Chronische Fehlstellungen können Arthrose, Sehnenentzündungen und Schäden an den Sohlenballen verursachen. In schweren Fällen wachsen Krallen in die Ballen ein, was zu schmerzhaften Entzündungen und Infektionen führt. Die veränderte Gewichtsverteilung belastet auch die kontralaterale Gliedmaße übermäßig.
Behandlung und Prävention
Die Korrektur erfolgt durch fachgerechtes Schneiden und Trimmen der Krallen durch erfahrene Tierärzte oder spezialisierte Hufpfleger. Bei schweren Deformationen muss schrittweise über mehrere Sitzungen korrigiert werden, um die Blutgefäße (Corium) nicht zu verletzen. Regelmäßige Kontrollen alle 6-12 Wochen sind essentiell. Unterstützend können temporäre Bandagen bei entzündeten Ballen oder spezielle Schutzschuhe eingesetzt werden. Tierorthopädische Hilfsmittel wie individuell angepasste Sohlenschutzpolster können bei fortgeschrittenen Gelenkproblemen die Rehabilitation unterstützen. Präventiv sollten Lamas Zugang zu befestigten Laufflächen haben und regelmäßig einer Klauenpflege unterzogen werden.
Mögliche Symptome
Überlange, eingerollte oder verbogene Krallen
Lahmheit und ungleichmäßiger Gang
Abnormale Zehenstellung
Schmerzhafte Sohlenballen
Entzündungen im Zehenbereich
Entlastung einzelner Gliedmaßen
Bewegungsunlust
Gelenksschwellungen
Orthopädische Indikationen
Schutzschuhe bei schmerzhaften Sohlenballen
Weichpolsternde Bandagen nach Krallenkorrektur
Sohlenschutzpolster bei chronischen Fehlbelastungen
Temporäre Entlastungsbandagen bei Sehnenentzündungen
Unterstützende Gelenkbandagen bei sekundärer Arthrose
Häufige Fragen
Bei den meisten Lamas in Haushaltung ist eine Krallenpflege alle 6-12 Wochen notwendig. Die Häufigkeit hängt vom individuellen Wachstum, der Haltungsform und der Bodenbeschaffenheit ab. Lamas mit Zugang zu Steinwegen benötigen seltener Pflege als solche auf reinen Grasflächen.
Ja, unbehandelte Krallendeformationen führen zu chronischen Fehlstellungen der Gelenke, Sehnenschäden und Arthrose. Je länger die Fehlbelastung besteht, desto schwieriger ist die vollständige Rehabilitation. Frühzeitige und regelmäßige Korrektur verhindert bleibende Schäden am Bewegungsapparat.
Wichtig sind regelmäßige Kontrollen der Krallen, befestigte Laufflächen im Auslauf (z.B. Kieswege), ausreichend Bewegung und Vermeidung von Übergewicht. Plane alle 2-3 Monate eine professionelle Klauenpflege ein, auch wenn keine sichtbaren Probleme vorliegen. Bei ersten Anzeichen von Veränderungen sollte umgehend ein Tierarzt konsultiert werden.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.