Ausführlich
Lamas gehören zu den Schwielensohlern (Tylopoda) und besitzen an jeder Gliedmaße zwei Zehen mit je einer harten, sichelförmigen Krallenkapsel an der Vorderkante. Diese Krallen tragen einen Teil der Last und schützen die darunterliegende Lederhaut und das Zehenendglied. Reißt die Hornkapsel ein, ist die strukturelle Integrität der Zehe gestört: je nach Ausmaß sind nur die oberflächlichen Hornschichten oder auch tiefere, durchblutete Strukturen betroffen.
Beim Lama entstehen Krallenkapselrisse häufig durch eine Kombination aus mangelnder Krallenpflege, ungeeignetem Untergrund und Hornqualitätsproblemen. Lange, überwachsene Krallen, wie sie bei Haltung auf weichen Weiden ohne natürlichen Abrieb typisch sind, knicken seitlich ab oder spalten sich längs. Auch trockene, brüchige Hornsubstanz infolge von Mineralstoffmangel (Zink, Biotin, Kupfer), Stoffwechselstörungen oder Klauenrehe begünstigt das Aufreißen.
Typische Lokalisationen und Formen
Längsriss (vertikal) entlang der Krallenachse, oft von der Spitze nach proximal
Querriss (horizontal) im Bereich der Krallenwand
Abriss der Krallenspitze nach Hängenbleiben in Spalten, Gittern oder Wurzelwerk
Risse am Übergang Krone. Wand, besonders bei chronischen Klauenrehefällen
Orthopädische Relevanz
Ein Krallenkapselriss verändert die Belastungsachse der betroffenen Zehe. Da Lamas das Körpergewicht über beide Zehen einer Gliedmaße verteilen, führt eine schmerzbedingte Schonhaltung schnell zu Fehlbelastungen der Nachbarzehe, der gegenüberliegenden Gliedmaße sowie der Karpal- und Tarsalgelenke. Unbehandelt drohen aufsteigende Infektionen bis zur Lederhautentzündung (Pododermatitis), Abszesse und im Extremfall der Verlust des Zehenendglieds.
Die Versorgung erfolgt tierärztlich durch Reinigung, Kürzen und Stabilisieren der Krallenkapsel. Zur Entlastung und mechanischen Stabilisierung können tierorthopädische Hilfsmittel wie individuell angepasste Zehenschuhe, Klauenverbände oder Stützorthesen eingesetzt werden, die das Lama während der Hornregeneration tragfähig halten und vor erneuter Spaltung schützen.
Mögliche Symptome
sichtbarer Spalt oder Riss in der Krallenkapsel
Lahmheit oder Schonhaltung der betroffenen Gliedmaße
Schmerzempfindlichkeit bei Druck auf die Zehe
Blutung oder Wundsekret am Krallenrand
Schwellung im Kronbereich
Verändertes Gangbild und Stehen auf der gesunden Zehe
Orthopädische Indikationen
Stabilisierung der Krallenkapsel nach Längs- oder Querriss
Entlastung der betroffenen Zehe während der Hornregeneration
Schutz vor Wiederaufreißen bei brüchigem Horn
Begleitende Versorgung bei Klauenrehe mit Rissbildung
Schutzverband nach Abriss der Krallenspitze
Korrektur von Fehlbelastung der Nachbarzehe
Häufige Fragen
Achte auf plötzliche Lahmheit, ein verändertes Gangbild und sichtbare Spalten oder abstehende Hornteile an der Kralle. Auch Blutspuren auf der Einstreu oder Schonen einer Gliedmaße sind Hinweise. Eine genaue Beurteilung sollte immer durch einen Tierarzt erfolgen.
Kleine, oberflächliche Risse können bei guter Hornqualität und korrekter Krallenpflege mit der Zeit auswachsen. Tiefere oder bis in die Lederhaut reichende Risse benötigen jedoch tierärztliche Versorgung und oft eine orthopädische Stabilisierung, da sonst Infektionen und Fehlbelastungen drohen.
Individuell angefertigte Zehenschuhe oder Stützverbände entlasten die gerissene Krallenkapsel, halten die Rissränder zusammen und schützen die Lederhaut vor Schmutz und mechanischer Reizung. So kann das Horn ungestört nachwachsen und das Lama bleibt während der Heilung mobil.
Regelmäßige Krallenpflege im Abstand von 6 bis 12 Wochen, eine bedarfsgerechte Fütterung mit ausreichend Zink und Biotin sowie abwechslungsreiche, teils harte Untergründe für natürlichen Abrieb sind die wichtigsten Maßnahmen. Vermeide zudem Stolperfallen wie weite Spalten in Rosten oder Zäunen.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.