Ausführlich
Meerschweinchen besitzen pro Vorderpfote vier und pro Hinterpfote drei Krallen, die zeitlebens nachwachsen. In freier Wildbahn würden sie sich durch Graben und das Laufen auf unterschiedlichen Untergründen natürlich abnutzen. In häuslicher Haltung: besonders auf weichen Einstreu- oder Fleeceböden: fehlt dieser Abrieb, sodass die Krallen schnell zu lang werden und ein- oder seitlich abknicken können.
Zu lange Krallen verändern die Zehenstellung und damit die Belastung der gesamten Pfote. Das Meerschweinchen tritt nicht mehr physiologisch auf, sondern verlagert das Gewicht auf den Pfotenballen oder die Pfotenseiten. Dies kann zu schmerzhaften Druckstellen, einer Sohlenentzündung (Pododermatitis) sowie zu Fehlbelastungen der Sprung-, Knie- und Hüftgelenke führen. Auch eine Krümmung der Wirbelsäule durch unphysiologische Bewegungsmuster ist möglich.
Anatomische Besonderheiten
In jeder Kralle verläuft das sogenannte Leben: ein gut durchbluteter und sensibel innervierter Bereich mit Blutgefäß und Nerv. Bei hellen Krallen ist dieser rosa schimmernde Bereich gut sichtbar, bei dunklen Krallen lässt er sich nur erahnen. Wird zu kurz geschnitten, kommt es zu Schmerzen und Blutungen.
Orthopädische Relevanz
Aus orthopädischer Sicht ist die regelmäßige Krallenkürzung eine wichtige präventive Maßnahme. Bei Meerschweinchen mit bestehenden Fehlstellungen, Arthrose, Spreizbeinigkeit oder nach Frakturen ist eine korrekte Krallenlänge zusätzlich entscheidend, damit Bandagen, Schienen oder Orthesen passgenau sitzen und ihre Korrekturfunktion erfüllen können.
Empfohlenes Intervall: meist alle 4 bis 8 Wochen, individuell abhängig
Geeignete Werkzeuge: kleine Krallenschere für Heimtiere
Im Zweifel durch Tierarzt oder erfahrene Tierphysiotherapie durchführen lassen
Mögliche Symptome
Zu lange, gebogene oder eingerollte Krallen
Seitliches Abknicken der Zehen
Verändertes Gangbild oder Hoppeln
Hängenbleiben an Textilien und Einstreu
Druckstellen oder Rötungen an den Pfotenballen
Schonhaltung einzelner Gliedmaßen
Orthopädische Indikationen
Vorbeugung von Pododermatitis (Sohlenballenentzündung)
Korrektur von Fehlbelastungen der Pfoten und Gelenke
Begleitmaßnahme bei Arthrose oder Spreizbeinigkeit
Vorbereitung für die Anpassung von Orthesen, Bandagen oder Schienen
Nachsorge nach Frakturen oder Gliedmaßenverletzungen
Bei älteren oder bewegungseingeschränkten Meerschweinchen mit geringem Krallenabrieb
Häufige Fragen
Das Intervall ist individuell, meist sind 4 bis 8 Wochen ein guter Richtwert. Tiere mit wenig Bewegung, weichem Untergrund oder höherem Alter benötigen häufiger eine Kürzung. Kontrolliere die Krallenlänge am besten regelmäßig.
Zu lange Krallen verändern die Pfotenstellung und führen zu Fehlbelastungen der Zehen, Gelenke und Wirbelsäule. Häufige Folgen sind Schmerzen, Druckstellen, Sohlenentzündungen sowie ein verändertes Gangbild. Auch das Risiko, mit der Kralle hängenzubleiben und sich zu verletzen, steigt.
Mit etwas Übung und einer geeigneten Krallenschere lassen sich die Krallen zu Hause kürzen. Wer unsicher ist: besonders bei dunklen Krallen, in denen das durchblutete Leben schwer erkennbar ist: sollte die Kürzung durch Tierarzt oder erfahrene Tierphysiotherapie vornehmen lassen.
Damit Orthesen, Bandagen oder Schienen korrekt sitzen und ihre Stütz- bzw. Korrekturfunktion erfüllen, muss die Pfote in einer möglichst physiologischen Stellung stehen. Zu lange Krallen verfälschen diese Stellung und können den Therapieerfolg deutlich mindern.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.