Ausführlich
Die Ziege besitzt an jeder Gliedmaße zwei tragende Zehen mit jeweils drei Phalangen: dem Fesselbein (Phalanx proximalis), dem Kronbein (Phalanx media) und dem Klauenbein (Phalanx distalis). Diese Knochen liegen innerhalb bzw. teilweise geschützt durch die Hornkapsel der Klaue. Eine Phalanx-Fraktur bezeichnet den vollständigen oder unvollständigen Bruch eines dieser Knochen und ist bei Ziegen ein orthopädischer Notfall, der zu ausgeprägter Lahmheit führt.
Typische Ursachen bei Ziegen sind Stürze aus der Höhe: etwa von Kletterfelsen, Stallwänden oder Weidezäunen. , das Einklemmen der Klaue in Spaltenböden, Fressgittern oder Weidegittern sowie Tritte durch Artgenossen bei Rangkämpfen. Auch chronische Klauenerkrankungen mit Osteolyse (Knochenabbau) oder Panaritium können den Knochen so schwächen, dass es zu Spontanfrakturen kommt. Jungtiere und trächtige oder laktierende Ziegen mit erhöhtem Mineralstoffbedarf sind besonders gefährdet.
Betroffene Strukturen
Phalanx proximalis (Fesselbein): häufig bei Torsionstrauma
Phalanx media (Kronbein): oft bei axialen Stauchungen
Phalanx distalis (Klauenbein): meist infolge chronischer Klauenentzündungen
Angrenzende Gelenke, Sehnen und die Hornkapsel
Orthopädische Relevanz
Die Behandlung richtet sich nach Lokalisation, Frakturtyp und Alter des Tieres. Nach tierärztlicher Diagnose: meist per Röntgen: kommen Ruhigstellung, Verbände, Gipsverbände oder maßgefertigte Orthesen zum Einsatz. Trittwerk fertigt individuell angepasste Klauen- und Fesselorthesen, die die betroffene Gliedmaße stabilisieren und gleichzeitig eine dosierte Belastung ermöglichen. Dies ist besonders wichtig, da Ziegen als Fluchttiere ungern liegen und ihre Gliedmaßen früh wieder belasten.
Die Heilungsprognose ist bei einfachen, geschlossenen Frakturen und junger Ziege gut, verschlechtert sich jedoch bei Gelenkbeteiligung, offenen Brüchen oder Infektionen. Eine begleitende Klauenpflege der Nachbarklaue sowie eine weiche, trockene Einstreu unterstützen den Heilungsverlauf.
Mögliche Symptome
Plötzliche, hochgradige Lahmheit
Entlastung oder komplettes Hochhalten der betroffenen Gliedmaße
Schwellung im Bereich Fessel, Krone oder Klaue
Schmerzreaktion bei Berührung oder Palpation
Fehlstellung oder abnormale Beweglichkeit der Zehe
Krepitation (Knirschen) bei Bewegung
Vermindertes Fressverhalten und Absondern von der Herde
Orthopädische Indikationen
Ruhigstellung bei Fraktur des Fessel- oder Kronbeins
Postoperative Stabilisierung nach Osteosynthese
Entlastung bei Klauenbeinfraktur mit erhaltener Hornkapsel
Konservative Versorgung nicht dislozierter Frakturen
Stützorthese in der Rehabilitationsphase
Schutz der Nachbarklaue vor Überlastung
Häufige Fragen
Verdächtig ist eine plötzlich auftretende, deutliche Lahmheit, bei der die Ziege die Gliedmaße kaum oder gar nicht belastet. Oft zeigt sich eine Schwellung im Bereich der Klaue oder Fessel, manchmal auch eine sichtbare Fehlstellung. Bei diesen Anzeichen sollte umgehend ein Tierarzt hinzugezogen werden, da nur eine Röntgenuntersuchung die Diagnose sichern kann.
Bei geschlossenen, nicht verschobenen Frakzuren: insbesondere am Klauenbein: ist eine konservative Versorgung mit einer maßgefertigten Orthese oder einem Stützverband häufig möglich. Die Entscheidung trifft der Tierarzt anhand des Röntgenbildes. Eine individuell gefertigte Orthese kann die Heilung unterstützen und die Ziege früher wieder mobilisieren.
Die knöcherne Heilung dauert in der Regel sechs bis zehn Wochen, abhängig von Alter, Frakturtyp und Allgemeinzustand. Junge Ziegen heilen meist schneller als ältere Tiere. Während der gesamten Heilungsphase sind Boxenruhe, weiche Einstreu und regelmäßige tierärztliche Kontrollen essenziell.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.