Border Disease (Schaf)
Border Disease (BD) ist eine durch das Border-Disease-Virus (BDV, ein Pestivirus) verursachte Virusinfektion der Schafe, die vor allem zu Aborten, Fruchtbarkeitsstörungen und der Geburt sogenannter 'Hairy Shaker'-Lämmer führt. Betroffene Lämmer zeigen häufig neurologische Symptome wie Muskelzittern sowie ein verändertes Fellkleid. Aus orthopädischer Sicht ist die Erkrankung relevant, da persistent infizierte Lämmer oft Bewegungs- und Koordinationsstörungen aufweisen.
Die Border Disease wurde erstmals in der Grenzregion zwischen England und Wales beschrieben – daher der Name. Der Erreger, das Border-Disease-Virus, gehört zur Familie der Flaviviridae und ist eng verwandt mit dem BVD-Virus des Rindes. Schafe stellen den Hauptwirt dar, eine Übertragung auf Ziegen und Rinder ist jedoch möglich.
Die Übertragung erfolgt horizontal über direkten Tierkontakt, Sekrete und Ausscheidungen sowie vertikal über die Plazenta vom Mutterschaf auf den Fetus. Besonders kritisch ist eine Infektion in der frühen Trächtigkeit (etwa Tag 16 bis 80), da hier die Entwicklung des zentralen Nervensystems, des Skeletts und der Wolle gestört wird. Überlebende Lämmer können persistent infiziert (PI-Tiere) zur Welt kommen und scheiden das Virus lebenslang aus.
Auswirkungen auf den Bewegungsapparat
Persistent infizierte Lämmer – die typischen ‚Hairy Shaker‘ oder ‚Haarige Zitterer‘ – zeigen ein charakteristisches Muskelzittern (Tremor), das durch eine Hypomyelinisierung des Zentralnervensystems verursacht wird. Hinzu kommen häufig Skelett- und Wachstumsstörungen, eine verkürzte Statur, dünne Gliedmaßen sowie eine eingeschränkte Koordination. Diese Tiere weisen oft eine reduzierte Belastbarkeit der Gliedmaßen und Fehlstellungen auf.
Orthopädische Relevanz
Aus orthopädischer Sicht stehen bei betroffenen Lämmern Bewegungsstörungen, Ataxien sowie sekundäre Fehlbelastungen im Vordergrund. In Einzelfällen können stützende Hilfsmittel wie maßgefertigte Bandagen oder Orthesen unterstützend eingesetzt werden, um die Mobilität von Lämmern mit Koordinations- oder Stützproblemen zu verbessern. Die Indikationsstellung erfolgt immer in enger Abstimmung mit dem behandelnden Tierarzt.
Bestandsmanagement
- Identifikation und Merzung persistent infizierter Tiere
- Strikte Trennung trächtiger Mutterschafe von potenziellen Virusausscheidern
- Regelmäßige Bestandsuntersuchungen, insbesondere vor Zukauf neuer Tiere
- Hygiene- und Quarantänemaßnahmen bei Neuzugängen
Eine ursächliche Behandlung der Border Disease existiert nicht. Der Fokus liegt auf der Prävention durch Bestandsmanagement sowie auf der individuellen Betreuung erkrankter Tiere.
Mögliche Symptome
- Muskelzittern (Tremor) bei Lämmern
- Raues, gelocktes oder pigmentiertes Fellkleid ('Hairy Shaker')
- Bewegungs- und Koordinationsstörungen (Ataxie)
- Wachstumsverzögerung und Kümmern
- Abort, Totgeburten oder lebensschwache Lämmer
- Skelettfehlbildungen und Gliedmaßendeformationen
- Reduzierte Belastbarkeit der Gliedmaßen
Orthopädische Indikationen
- Stützende Bandagen bei muskulärer Schwäche neugeborener Lämmer
- Orthesen bei Fehlstellungen der Gliedmaßen infolge gestörter Entwicklung
- Korrekturhilfen bei sekundären Fehlbelastungen durch Ataxie
- Unterstützung der Mobilität bei koordinationsgestörten Lämmern
Häufige Fragen
Was sind 'Hairy Shaker'-Lämmer?
Als 'Hairy Shaker' bezeichnet man Lämmer, die infolge einer Border-Disease-Infektion im Mutterleib mit einem rauen, gelockten Fellkleid und einem charakteristischen Muskelzittern geboren werden. Sie sind in der Regel persistent infiziert und scheiden das Virus lebenslang aus.
Können orthopädische Hilfsmittel bei betroffenen Lämmern helfen?
In bestimmten Fällen können maßgefertigte Bandagen oder Orthesen die Mobilität von Lämmern mit Koordinations- oder Stützproblemen verbessern. Die Versorgung sollte stets individuell und in Abstimmung mit dem Tierarzt erfolgen, da die Grunderkrankung damit nicht behandelt wird.
Wie kann Border Disease im Schafbestand vermieden werden?
Wichtig sind die Identifikation und konsequente Merzung persistent infizierter Tiere, strenge Hygiene, Quarantäne bei Zukauf sowie der Schutz trächtiger Mutterschafe vor möglichen Virusquellen. Eine tierärztliche Bestandsbetreuung ist hierfür essenziell.