Ausführlich
Die Schafklaue besteht aus zwei Klauenschuhen (medial und lateral), die jeweils aus Wand-, Sohlen- und Ballenhorn aufgebaut sind. Unter natürlichen Bedingungen nutzt sich das Horn durch Bewegung auf festem Untergrund kontinuierlich ab. In der modernen Schafhaltung mit weichen Weide- oder Stallböden überwiegt jedoch häufig das Hornwachstum gegenüber dem Abrieb, sodass eine regelmäßige Klauenkorrektur notwendig wird.
Anatomische Grundlagen
Die paarige Klaue des Schafes trägt das Körpergewicht über den Tragrand der Klauenwand sowie über Teile der Sohle und des Ballens. Eine physiologische Klaue ist annähernd rechteckig, die Sohle liegt plan auf, und der Zwischenklauenspalt ist sauber ausgeformt. Verschiebt sich die Belastung durch zu langes Horn oder asymmetrisches Wachstum, entstehen Fehlbelastungen in Klauen-, Fessel- und Karpal- bzw. Tarsalgelenk.
Durchführung der Klauenkorrektur
Die Korrektur erfolgt mit Klauenschere, Klauenmesser oder elektrischer Klauenschleifmaschine, idealerweise im Sitz- oder Kippstand. Schritte sind in der Regel:
Einkürzen der Klauenspitze auf physiologische Länge
Begradigen des Tragrandes parallel zur Sohle
Vorsichtiges Ausschneiden loser oder hohler Hornanteile
Säuberung des Zwischenklauenspaltes
Beurteilung auf Moderhinke, Panaritium oder Limax
Orthopädische Relevanz
Unbehandelte Klauenfehlstellungen führen beim Schaf zu Lahmheiten, Gelenkfehlbelastungen und chronischen Schmerzen. In Folge können Stellungsfehler der gesamten Gliedmaße, Muskelabbau und ein verminderter Ernährungszustand entstehen, da betroffene Tiere weniger zur Tränke und zum Futtertrog gehen. Bei strukturellen Schäden: etwa nach Klauenbeinrotation, Hornschuhverlust oder chronischer Moderhinke: kann eine Klauenkorrektur durch orthopädische Hilfsmittel wie Klauenverbände, Klötze auf der gesunden Partnerklaue oder individuell angepasste Schutzschuhe ergänzt werden.
Häufigkeit
Empfohlen wird eine Kontrolle und gegebenenfalls Korrektur zwei- bis dreimal jährlich, bei Zuchtböcken und Tieren mit Vorerkrankungen häufiger. Die Maßnahme sollte bei klinischen Auffälligkeiten stets in Abstimmung mit dem Tierarzt erfolgen.
Mögliche Symptome
Lahmheit oder veränderter Gang
Knien beim Fressen
Sichtbar zu lange oder umgebogene Klauen
Asymmetrische Klauenform
Schmerzhaftigkeit beim Auftreten
Stehen mit untergeschobenen Hintergliedmaßen
Gewichtsverlust durch reduzierte Futteraufnahme
Orthopädische Indikationen
Klauenfehlstellungen mit ungleichmäßiger Belastung
Überlange oder umgeschlagene Klauen (Pantoffelklauen)
Nachsorge bei Moderhinke und Panaritium
Entlastung erkrankter Klauen durch Klauenklötze auf der Partnerklaue
Stützverbände nach Klauenhornverlust
Orthesen oder Klauenschuhe bei chronischen Defekten
Korrektur vor Belastungsphasen wie Deck- oder Hochträchtigkeit
Häufige Fragen
In der Regel zwei- bis dreimal pro Jahr, abhängig von Rasse, Haltung, Untergrund und Hornwachstum. Tiere auf weichen Weiden oder im Stall benötigen häufiger eine Korrektur als Schafe auf steinigem Untergrund. Bei Vorerkrankungen oder Fehlstellungen sind kürzere Intervalle sinnvoll.
Routinemäßige Pflege kann nach fachgerechter Anleitung vom Halter übernommen werden. Bei stark veränderten Klauen, Lahmheiten oder Verdacht auf Erkrankungen wie Moderhinke sollte jedoch immer ein Tierarzt oder ausgebildeter Klauenpfleger hinzugezogen werden, um Verletzungen der Lederhaut zu vermeiden.
Wenn nach der Korrektur eine Klaue weiterhin nicht belastet werden kann, größere Hornanteile fehlen oder strukturelle Schäden vorliegen, können Klauenklötze, Schutzschuhe oder individuell gefertigte Orthesen die Heilung unterstützen. Die Indikation stellt der Tierarzt, die Anfertigung kann über eine tierorthopädische Manufaktur wie Trittwerk erfolgen.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.