Ausführlich
Die Kuh trägt ihr Gewicht auf zwei Klauen pro Gliedmaße: der Innen- und der Außenklaue. Erkrankt eine dieser Klauen, beispielsweise durch ein Sohlengeschwür, eine Weiße-Linie-Erkrankung oder eine Klauenrehe, ist eine wirksame Entlastung Voraussetzung für die Heilung. Hier kommt der Klauenklotz zum Einsatz: Er wird auf die gesunde Partnerklaue geklebt und hebt die erkrankte Klaue vom Boden ab, sodass sie keinen direkten Bodenkontakt mehr hat.
Materialien und Bauformen
Klauenklötze werden aus unterschiedlichen Materialien gefertigt, die jeweils Vor- und Nachteile haben:
Holz: günstig, gute Haftung mit Kleber, nutzt sich relativ schnell ab
Kunststoff: langlebig, formstabil, in verschiedenen Härten verfügbar
Gummi: dämpfend, rutschfest, besonders bei schmerzhaften Erkrankungen geeignet
Die Höhe beträgt typischerweise 2 bis 3 cm, sodass die kranke Klaue deutlich freikommt, die Gliedmaßenachse aber nicht übermäßig gestört wird.
Anwendung im Klauenstand
Das Aufbringen erfolgt im Klauenstand durch den Klauenpfleger oder Tierarzt. Nach funktioneller Klauenpflege wird die tragende Fläche der gesunden Klaue gesäubert, getrocknet und mit einem Zweikomponenten-Kleber versehen. Der Klotz wird positioniert und der Kleber härtet innerhalb weniger Minuten aus. Wichtig ist die korrekte Ausrichtung, damit die Kuh physiologisch belasten kann und keine Fehlbelastungen entstehen.
Orthopädische Bedeutung
Der Klauenklotz ist im Rinderbereich das wichtigste orthopädische Entlastungshilfsmittel überhaupt. Er ermöglicht der Kuh, weiterhin in der Herde zu laufen, zu fressen und Milch zu geben, während die Wunde abheilt. Nach 4 bis 6 Wochen löst sich der Klotz meist von selbst oder wird gezielt entfernt. Bleibt er zu lange am Tier, kann es zu Druckstellen oder zu Fehlbelastungen der Kontralateralgliedmaße kommen, weshalb eine Nachkontrolle unverzichtbar ist.
Grenzen und Kombinationsmöglichkeiten
Bei sehr schweren Erkrankungen, tiefen Infektionen oder beidseitiger Klauenerkrankung reicht ein Klauenklotz allein nicht aus. Dann sind Verbände, antibiotische Behandlung oder weitergehende orthopädische Hilfsmittel notwendig. In solchen Fällen können maßgefertigte Orthesen oder Bandagen sinnvoll sein.
Mögliche Symptome
Lahmheit auf einer Gliedmaße
Schonhaltung der erkrankten Klaue
verkürzte Schrittlänge
vermehrtes Liegen
Rückgang der Milchleistung
Druckschmerz an der betroffenen Klaue
Orthopädische Indikationen
Sohlengeschwür (Rusterholzsches Sohlengeschwür)
Weiße-Linie-Defekt
Klauenrehe mit einseitiger Belastung
Klauenspitzennekrose
Wandgeschwür
tiefe Risswunden an einer Klaue
nach Klauenamputation der Partnerklaue
Doppelsohle mit Schmerzhaftigkeit
Häufige Fragen
In der Regel 4 bis 6 Wochen. Häufig löst sich der Klotz nach dieser Zeit durch Abnutzung von selbst. Eine tierärztliche Kontrolle nach etwa 3 bis 4 Wochen ist sinnvoll, um den Heilungsverlauf zu beurteilen und den Klotz bei Bedarf zu entfernen.
Ja, das ist sogar das Ziel. Durch die Entlastung der schmerzhaften Klaue läuft die Kuh meist deutlich besser als vorher. Die Kuh kann normal fressen, in der Herde laufen und gemolken werden, während die erkrankte Klaue ungestört abheilt.
Das Anbringen sollte durch geschulte Personen erfolgen: ausgebildete Klauenpfleger oder Tierärzte. Eine korrekte funktionelle Klauenpflege als Vorbereitung ist entscheidend, ebenso die richtige Positionierung des Klotzes, damit keine Fehlbelastungen entstehen.
Ein zu lange belassener Klotz kann zu Druckstellen, Achsenfehlstellungen und Überlastung der gesunden Klaue sowie der Kontralateralgliedmaße führen. Deshalb sind Kontrolltermine wichtig, und gegebenenfalls muss der Klotz gezielt entfernt werden.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.