Ausführlich
Der Klauenklotz ist eines der wichtigsten orthopädischen Hilfsmittel in der Klauengesundheit beim Stier. Stiere tragen aufgrund ihres hohen Körpergewichts und der oft starken Muskelmasse im Vorderkörper eine erhebliche Last auf den Klauen. Erkrankungen wie Sohlengeschwüre, Klauenrehe, Wandgeschwüre oder eitrige Klauenentzündungen führen zu starken Schmerzen und Lahmheiten, die ohne Entlastung kaum abheilen.
Anatomischer Hintergrund
Jede Gliedmaße des Stiers endet in zwei tragenden Klauen: der Innen- und Außenklaue. An den Hintergliedmaßen ist meist die Außenklaue stärker belastet und damit häufiger erkrankt, an den Vordergliedmaßen eher die Innenklaue. Da beide Klauen normalerweise gemeinsam Last tragen, kann durch das Aufkleben eines Klauenklotzes auf die gesunde Partnerklaue die kranke Klaue komplett vom Boden abgehoben und entlastet werden.
Aufbau und Materialien
Holzklötze: günstig, gut formbar, lösen sich nach einigen Wochen von selbst
Kunststoffklötze: langlebig, in verschiedenen Höhen erhältlich
Gummiklötze: rutschfest, dämpfend, schonen Gelenke und Sehnen
Die Befestigung erfolgt mit einem schnellhärtenden Zwei-Komponenten-Kleber auf der zuvor gereinigten und trockenen Klaue.
Orthopädische Relevanz beim Stier
Gerade bei Zucht- und Mastbullen ist die Klauengesundheit entscheidend für Decktauglichkeit, Standvermögen und Tierwohl. Ein lahmer Stier verliert an Sprungbereitschaft und Gewicht. Der Klauenklotz ermöglicht eine schmerzarme Genesung, ohne dass das Tier in Schonhaltung weitere Folgeschäden an Gelenken, Sehnen oder der gegenüberliegenden Gliedmaße entwickelt.
Anwendungsdauer
Üblicherweise verbleibt ein Klauenklotz vier bis sechs Wochen am Tier. Eine regelmäßige Kontrolle durch den Klauenpfleger oder Tierarzt ist wichtig, da ein zu lange getragener oder verrutschter Klotz selbst zu Fehlbelastungen führen kann.
Mögliche Symptome
Lahmheit an einer oder mehreren Gliedmaßen
Schonhaltung beim Stehen
Entlastung einer Klaue
Verminderte Sprungbereitschaft
Druckschmerz an der Klaue
Veränderte Klauenform oder Hornrisse
Gewichtsverlust durch reduzierte Bewegung
Orthopädische Indikationen
Sohlengeschwür an einer Klaue
Wandgeschwür oder Wanddefekt
Eitrige Klauenentzündung (Panaritium)
Klauenrehe mit einseitiger Belastung
Klauenspitzengeschwür
Tiefe Hornrisse
Nach chirurgischer Klauenbehandlung
Doppelsohle mit Schmerzreaktion
Häufige Fragen
In der Regel verbleibt ein Klauenklotz vier bis sechs Wochen am Tier. Danach sollte er kontrolliert und entfernt werden, da Hornwachstum und Abrieb die Passform verändern. Eine regelmäßige Kontrolle durch den Klauenpfleger oder Tierarzt ist wichtig.
Ja, ein korrekt angebrachter Klauenklotz beeinträchtigt die Bewegung kaum. Stiere können sich frei bewegen, fressen und in vielen Fällen auch decken. Die Schmerzlinderung verbessert das Wohlbefinden in der Regel deutlich, dennoch sollte der Tierarzt über Belastbarkeit entscheiden.
Das Anbringen eines Klauenklotzes erfordert Fachkenntnis in der Klauenpflege, geeignetes Werkzeug und Kleber. Es sollte einem erfahrenen Klauenpfleger oder Tierarzt überlassen werden, da eine falsche Positionierung zu Fehlbelastungen und neuen Schäden führen kann.
Verliert der Stier den Klotz vorzeitig, sollte die Klaue zeitnah erneut kontrolliert werden. Je nach Heilungsverlauf kann ein neuer Klotz angebracht oder die Behandlung angepasst werden. Kontaktieren Sie in diesem Fall den Tierarzt oder Klauenpfleger.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.