Ausführlich
Der Klauenpflege-Anguss ist eines der wichtigsten Werkzeuge in der modernen Klauengesundheit beim Rind. Die Klaue der Kuh besteht aus zwei tragenden Klauenschuhen pro Bein: der Innen- und der Außenklaue. Bei einer Erkrankung einer dieser Klauen würde die kranke Klaue beim Stehen und Laufen weiterhin Bodenkontakt haben, was Schmerzen verursacht und die Heilung erheblich verzögert oder verhindert.
Anatomischer Hintergrund
An den Hintergliedmaßen der Kuh trägt physiologisch bedingt die Außenklaue mehr Gewicht und ist häufiger von Sohlengeschwüren und Rusterholz’schen Geschwüren betroffen. An den Vordergliedmaßen ist es umgekehrt: hier erkrankt häufiger die Innenklaue. Der Anguss wird grundsätzlich auf die gesunde Partnerklaue geklebt, sodass die kranke Klaue entlastet wird und in der Schwebe heilen kann.
Materialien und Bauarten
Holzklötze: Klassisch, kostengünstig, nutzen sich aber schneller ab
Kunststoff- oder Gummiklötze: Langlebiger, teils elastisch, schonen die belastete Klaue
Schalen- oder Schuhsysteme: Für komplexere Versorgungen mit zusätzlichem Halt
Orthopädische Relevanz
Der Anguss wirkt als temporäre Trachtenerhöhung und biomechanische Entlastungshilfe. Typische Indikationen sind Sohlengeschwüre, Rusterholz’sche Geschwüre (Sohlenspitzenbereich), Wandulzera, Klauenrehe, Fremdkörperverletzungen oder nach chirurgischer Klauenversorgung. Die Tragedauer beträgt in der Regel vier bis acht Wochen, abhängig von Heilungsverlauf, Abrieb und Stallbedingungen.
Anwendung und Kontrolle
Das Setzen eines Klauenpflege-Angusses erfordert eine fachgerechte funktionelle Klauenpflege als Grundlage und sollte durch geschulte Klauenpfleger oder Tierärzte erfolgen. Eine regelmäßige Kontrolle ist wichtig, da ein zu lange getragener oder verkanteter Klotz Fehlbelastungen der gesunden Klaue verursachen kann.
Mögliche Symptome
Lahmheit an einer oder mehreren Gliedmaßen
Entlastungshaltung einzelner Klauen
Sichtbare Sohlengeschwüre oder Defekte
Veränderter Gang, kurze Schritte
Reduzierte Futteraufnahme durch Bewegungsschmerz
Milchleistungsabfall
Orthopädische Indikationen
Sohlengeschwür (Rusterholz'sches Geschwür)
Wandulzera und weiße Linie Defekte
Klauenrehe (akut und chronisch)
Fremdkörperverletzungen der Klaue
Nach chirurgischer Klauenversorgung
Tiefe Risse oder Spalten im Klauenhorn
Entlastung nach Klauenamputation der Partnerklaue
Häufige Fragen
In der Regel vier bis acht Wochen. Der Klotz fällt durch natürlichen Abrieb oder Lösen des Klebers von selbst ab oder wird nach Kontrolle des Heilungsverlaufs durch den Klauenpfleger entfernt. Eine Nachkontrolle nach etwa vier Wochen ist empfehlenswert.
Immer auf die gesunde Partnerklaue, damit die erkrankte Klaue entlastet wird und in der Schwebe heilen kann. An der Hintergliedmaße ist meist die Außenklaue erkrankt, der Klotz kommt also auf die Innenklaue: an der Vordergliedmaße ist es typischerweise umgekehrt.
Ja, nach einer kurzen Gewöhnungsphase bewegen sich Kühe mit Anguss meist deutlich besser als zuvor, da die Schmerzursache entlastet ist. Wichtig ist eine trockene, rutschfeste Stallumgebung und ausreichend Liegekomfort, um die Heilung zu unterstützen.
Das Setzen sollte durch ausgebildete Klauenpfleger oder Tierärzte erfolgen, da eine korrekte funktionelle Klauenpflege als Vorbereitung notwendig ist. Eine unsachgemäße Anwendung kann Fehlbelastungen und neue Klauenerkrankungen verursachen.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.