Ausführlich
Die Enzootische Muskeldystrophie (EMD) ist eine der bedeutendsten ernährungsbedingten Erkrankungen beim Schaf und tritt häufig regional gehäuft („enzootisch“) in Gebieten mit selenarmen Böden auf. Ursache ist ein Mangel an Selen und/oder Vitamin E, die als Antioxidantien die Muskelzellen vor oxidativem Stress schützen. Fehlen diese Stoffe, kommt es zu einer fortschreitenden Degeneration der Muskelfasern, die im Schnitt durch helle, fischfleischartige Bereiche auffällt: daher der Name „Weißmuskelkrankheit“.
Betroffene Strukturen
Beim Schaf sind vor allem Lämmer in den ersten Lebenswochen bis -monaten betroffen. Die Erkrankung kann sich in zwei Formen zeigen:
Kardiale Form: Befall des Herzmuskels mit oft akutem, tödlichem Verlauf.
Skelettmuskuläre Form: Befall der großen Bewegungsmuskulatur (Oberschenkel, Schulter, Rückenmuskulatur), die Bewegungsstörungen und Schwäche verursacht.
Ursachen und Risikofaktoren
Selenarme Weide- und Futterpflanzen, einseitige Kraftfuttergaben oder Muttertiere mit Selenmangel während der Trächtigkeit begünstigen die Erkrankung. Auch ungewohnte körperliche Belastung: etwa beim Austrieb auf die Weide: kann den Ausbruch der skelettmuskulären Form auslösen.
Orthopädische Relevanz
Da die EMD die Bewegungsmuskulatur schwächt, zeigen betroffene Lämmer typische orthopädische Symptome wie Steifheit, Schwanken, Festliegen oder das Stehen mit durchgebogenem Rücken und zitternden Gliedmaßen. In der Rekonvaleszenz kann eine vorübergehende orthopädische Unterstützung: etwa zur Stabilisierung der Karpal- oder Tarsalgelenke: sinnvoll sein, wenn die Muskulatur nicht ausreichend Halt bietet. Die ursächliche Behandlung erfolgt jedoch immer durch den Tierarzt mittels Selen- und Vitamin-E-Substitution sowie Anpassung der Fütterung.
Prognose
Bei rechtzeitiger Erkennung der skelettmuskulären Form ist die Prognose gut. Die kardiale Form verläuft hingegen oft tödlich. Eine konsequente Prophylaxe über die Versorgung der Muttertiere ist daher entscheidend.
Mögliche Symptome
Steifer, klammer Gang bei Lämmern
Muskelzittern und Muskelschwäche
Festliegen, Aufstehprobleme
Durchgebogener Rücken („Katzenbuckel")
Atemnot bei Herzbeteiligung
Plötzliche Todesfälle bei jungen Lämmern
Verminderte Saugaktivität
Wachstumsrückstand
Orthopädische Indikationen
Stützende Bandagen bei muskulärer Schwäche der Gliedmaßen während der Rekonvaleszenz
Karpal- oder Tarsalorthesen bei sekundären Fehlstellungen durch Muskelschwäche
Stabilisierungshilfen für Lämmer mit anhaltender Steh- und Gehschwäche
Unterstützende Hilfsmittel zur Mobilisation festliegender Tiere
Häufige Fragen
Typische Anzeichen sind ein steifer Gang, Muskelzittern, Schwäche bis hin zum Festliegen sowie ein gekrümmter Rücken. Bei Verdacht sollte umgehend ein Tierarzt hinzugezogen werden, da auch das Herz betroffen sein kann.
Eine Orthese behandelt nicht die Ursache, kann aber in der Genesungsphase unterstützen, wenn die Muskulatur die Gliedmaßen noch nicht ausreichend stabilisiert. Die medizinische Behandlung mit Selen und Vitamin E durch den Tierarzt steht immer im Vordergrund.
Eine bedarfsgerechte Versorgung der Muttertiere mit Selen und Vitamin E während der Trächtigkeit ist entscheidend. Lass das Futter und ggf. den Selenstatus deiner Herde durch den Tierarzt überprüfen, besonders in bekannten Mangelregionen.
Nein, die Enzootische Muskeldystrophie ist nicht ansteckend. Sie tritt regional gehäuft auf, weil mehrere Tiere derselben Herde durch selenarme Böden und Futtermittel gleichzeitig betroffen sein können.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.