Ausführlich
Das Klauenbein ist der letzte Zehenknochen im Inneren der Schafklaue und trägt maßgeblich zur Stabilität und Lastverteilung beim Auftreten bei. Es liegt geschützt in der Hornkapsel, kann jedoch bei starker mechanischer Einwirkung: etwa beim Sprung von erhöhten Standorten, beim Einklemmen in Weiderosten oder Gitterspalten sowie bei Rangkämpfen: frakturieren. Beim Schaf treten solche Frakturen häufiger an den Vordergliedmaßen auf, da diese beim Landen und Abfangen mehr Gewicht tragen.
Anatomischer Hintergrund
Das Klauenbein steht über das Hufgelenk mit dem Kronbein in Verbindung und ist mit dem Klauenhorn sowie der tiefen Beugesehne verbunden. Frakturen können den Gelenkbereich (Gelenkfrakturen), den Klauenbeinast oder die Klauenbeinspitze betreffen. Besonders Gelenkfrakturen sind prognostisch ungünstig, da sie zu chronischer Arthrose führen können.
Ursachen beim Schaf
Einklemmen der Klaue in Spaltenböden, Weiderosten oder Zäunen
Stürze aus erhöhter Position (z. B. Felsen, Hänge, Anhänger)
Tritte durch Artgenossen oder größere Tiere
Aufprall auf harten, unebenen Untergrund
Vorgeschädigtes Klauenbein durch chronische Klauenerkrankungen (z. B. Klauenrehe)
Orthopädische Relevanz
Da Schafe als Herdentiere Schmerzen häufig kaschieren, wird eine Klauenbeinfraktur oft erst spät erkannt. Die Ruhigstellung ist bei kleinen Wiederkäuern besonders wichtig, da Bewegung die Bruchheilung stört. Neben konservativer Versorgung mittels Klauenverband, Klotzung der gesunden Nachbarklaue oder gipsartiger Verbände kommen bei komplizierten Frakturen individuell angepasste Orthesen zum Einsatz, die das Klauenbein entlasten und die Gliedmaße stabilisieren.
Eine tierärztliche Abklärung mit Röntgenuntersuchung ist zwingend erforderlich, um Frakturtyp und Prognose zu bestimmen und die geeignete Versorgung: gegebenenfalls in Kombination mit einer maßgefertigten orthopädischen Hilfe: festzulegen.
Mögliche Symptome
Plötzliche, hochgradige Lahmheit
Vollständige Entlastung der betroffenen Gliedmaße
Schmerzhaftigkeit bei Berührung der Klaue
Wärme und Schwellung im Kronsaumbereich
Absondern von der Herde
Verminderte Futteraufnahme
Zähneknirschen als Schmerzzeichen
Sichtbare Fehlstellung der Klaue in schweren Fällen
Orthopädische Indikationen
Stabilisierung nach diagnostizierter Klauenbeinfraktur
Entlastungsorthese zur Ruhigstellung der Klaue
Stützverband bei Gelenkbeteiligung des Hufgelenks
Postoperative Versorgung nach chirurgischer Frakturversorgung
Individuelle Klauenorthese bei verzögerter Frakturheilung
Langzeitversorgung bei chronischer Arthrose infolge einer Fraktur
Häufige Fragen
Typisch ist eine plötzlich auftretende, sehr starke Lahmheit, bei der das Schaf die betroffene Gliedmaße kaum oder gar nicht belastet. Oft zieht sich das Tier zurück und frisst schlechter. Eine sichere Diagnose ist nur durch den Tierarzt mittels klinischer Untersuchung und Röntgen möglich.
Ja, viele Klauenbeinfrakturen heilen bei konsequenter Ruhigstellung und angepasster Versorgung gut aus. Die Prognose hängt vom Frakturtyp ab: Frakturen ohne Gelenkbeteiligung haben eine bessere Aussicht als solche, die das Hufgelenk betreffen. Der Heilungsprozess dauert meist mehrere Wochen bis Monate.
Eine individuell angepasste Orthese stabilisiert die Klaue, entlastet den frakturierten Knochen und ermöglicht eine kontrollierte Belastung während der Heilung. Sie kann eine Alternative oder Ergänzung zu klassischen Klauenverbänden und Klotzungen sein, insbesondere bei komplizierten oder länger heilenden Frakturen.
Achten Sie auf sichere Weide- und Stallbedingungen: geeignete Spaltenweiten bei Rosten, keine scharfen Kanten, sichere Zäune und keine übermäßig hohen Sprungmöglichkeiten. Regelmäßige Klauenpflege beugt zudem Vorschäden vor, die eine Fraktur begünstigen können.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.