Ausführlich
Die Femurkopfresektion (FHO. Femoral Head Ostectomy) ist beim Hund ein etabliertes chirurgisches Verfahren zur Behandlung schwerwiegender Erkrankungen des Hüftgelenks. Anstelle des knöchernen Gelenks zwischen Femurkopf und Hüftpfanne (Acetabulum) bildet sich nach der Operation eine bindegewebige Verbindung: eine sogenannte Pseudarthrose oder „Falschgelenk“. Diese ermöglicht schmerzfreie, wenn auch mechanisch veränderte Bewegung.
Anatomischer Hintergrund
Das Hüftgelenk des Hundes ist ein Kugelgelenk, gebildet aus dem kugelförmigen Femurkopf und der Hüftpfanne im Becken. Bei der FHO werden Femurkopf und Femurhals mit einer Knochensäge entfernt. Die umgebende Muskulatur: insbesondere die Gluteal- und Oberschenkelmuskulatur: übernimmt anschließend einen Großteil der Stabilisierung.
Typische Indikationen beim Hund
Chronische, therapieresistente Hüftgelenksdysplasie (HD)
Legg-Calvé-Perthes-Erkrankung, vor allem bei kleinen Rassen
Hüftgelenksluxationen, die nicht reponierbar sind
Frakturen des Femurkopfes oder -halses, die nicht rekonstruierbar sind
Fortgeschrittene Coxarthrose (Hüftgelenksarthrose)
Alternative zur Hüftgelenksprothese (Total Hip Replacement), insbesondere bei kleineren Hunden
Postoperative Phase und orthopädische Relevanz
Die Prognose der FHO hängt stark von Körpergewicht, Muskulatur und Rehabilitation ab. Kleine bis mittelgroße Hunde (unter ca. 20 kg) profitieren in der Regel deutlich besser als schwere Hunde, da die Muskulatur die fehlende knöcherne Führung besser kompensieren kann. Eine gezielte physiotherapeutische Nachsorge mit Muskelaufbau, passiver Bewegung, Unterwasserlaufband und aktivem Gangtraining ist entscheidend.
Bedeutung für die Orthopädietechnik
Nach einer Femurkopfresektion kann es zu Bewegungseinschränkungen, Muskelatrophie und einer verkürzten Gliedmaße mit Schonhaltung kommen. Individuell angepasste Hilfsmittel wie Hüftbandagen, stützende Orthesen oder Trainings-Hilfsmittel können den Muskelaufbau unterstützen und eine physiologische Belastung fördern. Bei einseitiger Operation entsteht häufig eine Mehrbelastung der Gegenseite, was ebenfalls orthopädisch begleitet werden sollte.
Mögliche Symptome
Lahmheit der betroffenen Hintergliedmaße vor der OP
Schmerzen bei Streckung oder Rotation der Hüfte
Muskelabbau im Oberschenkel- und Kruppenbereich
Verkürzte Schrittlänge und verändertes Gangbild
Nach der OP: temporäre Entlastung, Bewegungseinschränkung
Orthopädische Indikationen
Postoperative Stützung durch Hüftbandagen
Unterstützung der Rehabilitation nach FHO
Ausgleich muskulärer Dysbalancen und Kompensationen
Entlastung der kontralateralen Gliedmaße bei Mehrbelastung
Trainingsunterstützung bei chronischer Muskelatrophie
Häufige Fragen
Grundsätzlich kommen alle Hunde mit schmerzhaften, nicht anders therapierbaren Hüftgelenkserkrankungen infrage. Besonders gute Ergebnisse werden bei kleinen und mittelgroßen Hunden erzielt, da hier die Muskulatur die Gelenkfunktion besser kompensieren kann. Die Entscheidung trifft immer der behandelnde Tierarzt bzw. Chirurg individuell.
Die Rehabilitation erstreckt sich in der Regel über 8 bis 16 Wochen. Bereits wenige Tage nach der Operation wird mit sanfter Bewegung begonnen, um die Bildung der Pseudarthrose zu fördern. Eine konsequente physiotherapeutische Begleitung ist entscheidend für ein gutes Ergebnis.
Ja, individuell angepasste Bandagen oder Orthesen können in der Rehabilitationsphase den Muskelaufbau fördern, Kompensationshaltungen reduzieren und die Gegenseite entlasten. Die Auswahl sollte in Absprache mit Tierarzt und Physiotherapeut erfolgen.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.