Ausführlich
Der Flachhuf ist eine Hufform- bzw. Hufstellungsabweichung beim Pferd, bei der die normalerweise konkav (nach innen gewölbte) Sohle abgeflacht ist. Im gesunden Huf liegt die Sohle deutlich höher als der Tragrand und bildet eine Art Gewölbe, das Stöße abfedert und die empfindlichen inneren Strukturen wie Hufbein, Strahlbein und Huflederhaut schützt. Beim Flachhuf fehlt diese Wölbung weitgehend, sodass die Sohle bei Belastung Bodenkontakt bekommt.
Anatomischer Hintergrund
Im Inneren des Hufes liegt das Hufbein, das normalerweise in einem leichten Winkel zur Hornkapsel steht. Bei Pferden mit Flachhuf ist dieser Winkel oft verringert, das Hufbein steht flacher und drückt stärker auf die Sohle. Auch der Tragrand ist häufig niedrig, die Trachten sind untergeschoben und das Horn wirkt insgesamt weich oder dünn.
Ursachen
genetische Veranlagung (z. B. häufig bei Vollblütern oder bestimmten Warmblutlinien)
fehlerhafte oder unregelmäßige Hufbearbeitung
chronische Hufrehe mit Hufbeinrotation oder -senkung
dauerhafte Haltung auf weichem, feuchtem Boden
Bewegungsmangel und unzureichende Hufmechanik
Hornqualitätsprobleme durch Fütterung oder Stoffwechselstörungen
Orthopädische Relevanz
Pferde mit Flachhuf zeigen häufig eine erhöhte Empfindlichkeit auf hartem Boden, neigen zu Sohlenquetschungen, Hufgeschwüren und chronischen Lahmheiten. Da die natürliche Stoßdämpfung reduziert ist, werden auch die darüberliegenden Strukturen wie Hufrolle, Beugesehnen und Gelenke stärker belastet. Eine sorgfältige, individuell angepasste Hufbearbeitung durch Hufschmied oder Hufpfleger ist essenziell. Je nach Befund können orthopädische Beschläge, Hufschuhe mit Polstereinlagen oder spezielle Sohlenschutzmaterialien eingesetzt werden, um die Sohle zu entlasten und die Hufmechanik zu unterstützen.
Wann zum Tierarzt?
Bei wiederkehrender Lahmheit, deutlicher Fühligkeit oder Verdacht auf Hufrehe sollte das Pferd tierärztlich vorgestellt werden. Häufig sind Röntgenaufnahmen sinnvoll, um die Stellung des Hufbeins und die Sohlenstärke zu beurteilen und die Hufbearbeitung gezielt anpassen zu können.
Mögliche Symptome
Fühligkeit auf hartem oder steinigem Boden
verkürzter, vorsichtiger Gang
wiederkehrende Lahmheiten
flache oder vorgewölbte Sohle
niedrige, untergeschobene Trachten
häufige Hufgeschwüre oder Sohlenquetschungen
weiches, brüchiges Hornmaterial
Orthopädische Indikationen
orthopädischer Hufbeschlag zur Sohlenentlastung
Hufschuhe mit Polstereinlagen für Bewegung auf hartem Boden
Sohlenschutz nach Hufrehe oder Hufbeinrotation
stützende Bandagierung bei kompensatorischen Sehnenproblemen
individuelle Hilfsmittel zur Verbesserung der Hufmechanik
Häufige Fragen
In vielen Fällen lässt sich die Sohlenwölbung durch konsequente, fachgerechte Hufbearbeitung, geeignete Beschläge oder Hufschuhe und ausreichende Bewegung über Monate hinweg verbessern. Bei genetisch bedingter Form oder nach starker Hufbeinsenkung ist eine vollständige Rückbildung jedoch nicht immer möglich. Ziel ist dann eine bestmögliche Entlastung.
Solange das Pferd lahmfrei und nicht fühlig läuft, ist Reiten in der Regel möglich. Vermieden werden sollten harte, steinige oder unebene Böden ohne Hufschutz. Hufschuhe oder ein passender Beschlag können helfen, das Pferd auch im Gelände sicher und schmerzfrei bewegen zu können.
Polstereinlagen, weiche Sohlen in Hufschuhen oder spezielle Beschläge verteilen den Druck gleichmäßiger und entlasten die empfindliche Sohle. Bei sekundären Problemen wie Sehnenüberlastung können auch Bandagen oder Gamaschen sinnvoll sein. Die Auswahl sollte immer in Abstimmung mit Tierarzt und Hufschmied erfolgen.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.