TrittwerkTierorthopädie

Hufkrebs beim Pferd

Hufkrebs (Pododermatitis chronica verrucosa) ist eine chronische, wuchernde Erkrankung der Huflederhaut beim Pferd. Betroffen sind vor allem Strahl, Strahlfurchen und Sohlenbereich, wo das Horn nicht mehr regelrecht verhornt, sondern eine käsig-blumenkohlartige, übelriechende Wucherung entsteht. Unbehandelt breitet sich die Erkrankung fortschreitend aus und kann die Hufstabilität erheblich beeinträchtigen.

Ausführlich

Hufkrebs ist trotz seines Namens keine Krebserkrankung im onkologischen Sinne, sondern eine chronisch-produktive Entzündung der Huflederhaut. Charakteristisch ist eine Störung der Verhornung: Statt festen, tragfähigen Horns bildet die Lederhaut weiche, feuchte, blumenkohlartig wuchernde Zotten mit typisch stechend-fauligem Geruch. Die Erkrankung beginnt meist im Bereich der mittleren oder seitlichen Strahlfurche und kann sich auf den gesamten Strahl, die Sohle und sogar bis in den Tragrand ausdehnen.

Die genaue Ursache ist bis heute nicht abschließend geklärt. Diskutiert werden bakterielle Mischinfektionen (u. a. mit anaeroben Keimen und Spirochäten), eine gestörte Immunreaktion der Lederhaut sowie prädisponierende Haltungsbedingungen. Als Risikofaktoren gelten dauerhaft feuchte, unhygienische Böden, mangelnde Hufpflege, enge Trachten mit tiefen Strahlfurchen sowie eine erbliche Veranlagung, etwa bei Kaltblütern mit stark behangenen Fesseln.

Betroffene Strukturen

Strahl und Strahlfurchen (häufigster Ausgangspunkt)

Sohlenlederhaut

Ballen- und Eckstrebenbereich

In fortgeschrittenen Fällen auch Wandlederhaut

Verlauf und orthopädische Relevanz

Hufkrebs verläuft chronisch und ohne konsequente Behandlung fortschreitend. Da tragende Hufstrukturen betroffen sind, kann es zu Instabilität der Hornkapsel, veränderter Belastung und in der Folge zu Lahmheit sowie sekundären Fehlstellungen kommen. Eine frühzeitige Diagnose durch Tierarzt und Hufschmied ist entscheidend.

Behandlung und orthopädische Hilfsmittel

Die Therapie erfolgt immer tierärztlich und umfasst das gründliche Ausschneiden erkrankten Gewebes, lokale Behandlung sowie ein trockenes, sauberes Haltungsumfeld. Orthopädisch kommen Verbände, Hufschuhe oder speziell angefertigte Sohlenschutz- und Druckentlastungshilfen zum Einsatz, um die behandelte Region zu schützen, Medikamente in Position zu halten und den Huf während der oft langwierigen Heilung zu stabilisieren. Individuell gefertigte Bandagen und Schutzsysteme aus der tierorthopädischen Manufaktur können hier den Heilungsverlauf entscheidend unterstützen.

Mögliche Symptome

Käsig-blumenkohlartige Wucherungen im Strahlbereich

Stechend-fauliger Geruch aus der Strahlfurche

Weiches, zerfallendes Horn statt fester Verhornung

Blutungsneigung bei Berührung des erkrankten Gewebes

Empfindlichkeit oder Lahmheit bei fortgeschrittenem Verlauf

Fortschreitende Ausdehnung auf Sohle und Ballen

Orthopädische Indikationen

Druckentlastende Hufverbände zur Fixierung von Wundauflagen nach Ausschneiden

Individuell angepasste Hufschuhe zum Schutz behandelter Bereiche

Sohlen- und Strahlpolster zur mechanischen Entlastung erkrankter Lederhaut

Stabilisierende Bandagen bei begleitender Schonhaltung

Orthopädische Beschlagshilfen zur Wiederherstellung physiologischer Belastung

Häufige Fragen

Hufkrebs gilt nicht als klassisch ansteckende Erkrankung, jedoch begünstigen gemeinsame feuchte und verschmutzte Böden das Auftreten bei mehreren Pferden eines Bestandes. Eine strikte Boxen- und Hufhygiene ist deshalb wichtig.

Bei frühzeitiger, konsequenter tierärztlicher Behandlung in Kombination mit orthopädischer Versorgung und trockener Haltung ist eine Ausheilung möglich. Rückfälle sind allerdings nicht selten, weshalb eine langfristige Nachsorge notwendig ist.

Orthopädische Hufschuhe, Verbandssysteme und individuell gefertigte Polster schützen die behandelte Region, halten Medikamente in Position und entlasten erkranktes Gewebe. Sie ersetzen keine tierärztliche Therapie, sind aber ein wichtiger Baustein für einen erfolgreichen Heilungsverlauf.

Ein erhöhtes Risiko besteht bei Pferden mit stark behangenen Fesseln, bei Kaltblutrassen, bei mangelhafter Hufpflege sowie bei Haltung auf dauerhaft feuchten, unhygienischen Böden.

Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.

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