Hufrehe (Pferd)
Hufrehe ist eine schmerzhafte, aseptische Entzündung der Huflederhaut beim Pferd, die zur Lockerung der Verbindung zwischen Hufbein und Hornkapsel führt. Sie entsteht durch Durchblutungsstörungen und kann akut oder chronisch verlaufen. Unbehandelt droht eine Rotation oder Senkung des Hufbeins, was die Prognose erheblich verschlechtert.
Die Hufrehe (Laminitis) ist eine der schwerwiegendsten Erkrankungen des Pferdehufs und zählt zu den häufigsten Lahmheitsursachen. Sie betrifft die Huflederhaut (Lederhaut), insbesondere die Blättchenschicht, die das Hufbein mit der Hornkapsel verbindet. Diese Verbindung besteht aus feinen, ineinandergreifenden Blättchen, die das Gewicht des Pferdes tragen. Bei einer Hufrehe kommt es zu Entzündungsprozessen und Durchblutungsstörungen, wodurch diese Verbindung geschwächt wird.
Ursachen und Entstehung
Die Hufrehe kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden: Stoffwechselstörungen wie Equines Metabolisches Syndrom (EMS) oder Equines Cushing-Syndrom (PPID) sind häufige Ursachen, wobei Insulinresistenz eine zentrale Rolle spielt. Weitere Auslöser sind Überfütterung (insbesondere mit kohlenhydratreichem Futter oder frischem Gras), Vergiftungen, Nachgeburtsverhalten bei Stuten, Überlastung einzelner Gliedmaßen (Belastungsrehe) oder systemische Infektionen. Die gestörte Mikrozirkulation in der Huflederhaut führt zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen, was zur Schädigung der Blättchenschicht führt.
Stadien und Folgen
Im Anfangsstadium zeigt sich die akute Hufrehe durch plötzlich auftretende, starke Schmerzen. Unbehandelt kann es zur chronischen Hufrehe kommen, bei der sich das Hufbein rotiert (Spitze senkt sich nach unten) oder absinkt. In schweren Fällen kann das Hufbein durch die Sohle durchtreten (Hufbeindurchbruch). Die entstehenden strukturellen Veränderungen am Huf beeinträchtigen die Biomechanik dauerhaft und erfordern eine intensive, oft lebenslange orthopädische Betreuung.
Orthopädische Behandlung und Hilfsmittel
Neben der tierärztlichen Akuttherapie ist die orthopädische Versorgung entscheidend. Spezielle Hufverbände und therapeutische Beschläge können die Zugkräfte auf das Hufbein minimieren und die Heilung unterstützen. Rehebeschläge mit Zehenrichtung, weiche Polsterungen oder Kunststoffbeschläge entlasten die betroffenen Strukturen. In der chronischen Phase sind regelmäßige orthopädische Hufkorrekturen unverzichtbar, um die Biomechanik zu optimieren und weitere Schäden zu vermeiden. Unterstützende Maßnahmen wie Stallruhe auf weichem Untergrund, Kühlung und angepasste Bewegungstherapie ergänzen die Behandlung.
Mögliche Symptome
- Plötzlich auftretende schwere Lahmheit
- Wendeschmerz
- Verstärkte digitale Pulsation
- Warme Hufe
- Sägebockstellung (Vorführen der Hinterhand)
- Unwilligkeit sich zu bewegen
- Vermehrtes Liegen
- Schmerzäußerungen beim Abtasten
- Trachtenfußung
- Klamme Bewegung
Orthopädische Indikationen
- Therapeutische Hufverbände zur Druckentlastung
- Rehebeschläge mit Zehenrichtung
- Weiche Polsterungen und Einlagen
- Kunststoffbeschläge zur Stoßdämpfung
- Orthopädische Hufkorrektur bei chronischer Hufrehe
- Individuell angepasste Hufschuhe mit therapeutischer Sohle
Häufige Fragen
Wie erkenne ich eine beginnende Hufrehe beim Pferd?
Erste Anzeichen sind häufig eine plötzliche Lahmheit, verstärkte Pulsation der Zehenarterien, warme Hufe und eine veränderte Belastung der Gliedmaßen. Das Pferd steht oft in der typischen Sägebockstellung mit vorgeführter Hinterhand, um die Vorderhufe zu entlasten. Bei Verdacht auf Hufrehe muss umgehend ein Tierarzt kontaktiert werden, da schnelles Handeln entscheidend für die Prognose ist.
Kann ein Pferd nach einer Hufrehe wieder normal geritten werden?
Die Prognose hängt vom Schweregrad und dem rechtzeitigen Behandlungsbeginn ab. Bei mild verlaufender Hufrehe und konsequenter Behandlung können Pferde wieder reitbar werden. Chronische Fälle mit Hufbeinrotation erfordern meist lebenslange orthopädische Betreuung und können die Nutzbarkeit dauerhaft einschränken. Die Entscheidung über die Reitbarkeit trifft der behandelnde Tierarzt gemeinsam mit dem Huforthopäden nach Beurteilung der strukturellen Veränderungen.
Wie kann ich einer Hufrehe bei meinem Pferd vorbeugen?
Wichtigste Maßnahmen sind ein angepasstes Gewichtsmanagement, kontrollierte Fütterung mit wenig Zucker und Stärke, regelmäßige Bewegung und Vermeidung von plötzlichen Futterumstellungen. Bei stoffwechselkranken Pferden ist eine strenge Diät essenziell. Regelmäßige Hufpflege durch einen qualifizierten Hufschmied, Vermeidung von Überlastung und die frühzeitige Behandlung von Grunderkrankungen senken das Risiko erheblich.