Ausführlich
Bei einer Sehnenzerrung kommt es zur Überdehnung einzelner Sehnenfasern ohne vollständige Ruptur. Beim Pferd sind aufgrund der enormen Belastungen im Galopp, beim Springen oder auf unebenem Untergrund besonders die Beugesehnen der Vordergliedmaßen gefährdet: insbesondere die oberflächliche Beugesehne (Musculus flexor digitalis superficialis) und die tiefe Beugesehne (Musculus flexor digitalis profundus). Diese Sehnen verlaufen über mehrere Gelenke und sind bei schnellen Bewegungen extremen Zugkräften ausgesetzt.
Die Ursachen für Sehnenzerrungen sind vielfältig: plötzliche Richtungswechsel, Ausrutschen, Überanstrengung untrainierter Pferde, unzureichendes Aufwärmen vor intensiver Arbeit oder Ermüdung bei Langstreckenleistungen. Auch ungünstiger Hufbeschlag, zu tiefe oder unebene Böden sowie fehlerhafte Biomechanik durch Fehlstellungen können das Risiko erhöhen. Im Gegensatz zur Sehnenentzündung oder zum Sehnenschaden mit strukturellen Rissen handelt es sich bei der Zerrung um eine leichtere Verletzungsform, die jedoch unbehandelt zu chronischen Problemen führen kann.
Diagnostik und Verlauf
Die Diagnose erfolgt durch klinische Untersuchung mit Palpation der betroffenen Sehne, Lahmheitsuntersuchung in verschiedenen Gangarten sowie bildgebende Verfahren wie Ultraschall, der Veränderungen im Sehnengewebe sichtbar macht. Im Akutstadium zeigt sich typischerweise eine diffuse Schwellung entlang des Sehnenverlaufs, erhöhte Temperatur und Druckschmerz. Das Pferd zeigt eine belastungsabhängige Lahmheit, die sich nach Ruhe häufig bessert.
Behandlung und Rehabilitation
Die Therapie umfasst initial absolute Boxenruhe, Kühlung und entzündungshemmende Maßnahmen. Nach der Akutphase folgt ein strukturiertes Rehabilitationsprogramm mit kontrollierter Bewegung, Physiotherapie und schrittweiser Belastungssteigerung über mehrere Monate. Unterstützende Bandagen oder speziell angepasste Sehnenschoner können die betroffene Struktur während der Heilung stabilisieren und entlasten. Ein zu früher Trainingsstart birgt das Risiko einer chronischen Sehnenschwäche oder erneuter Verletzung.
Orthopädische Unterstützung
Bandagen und orthopädische Hilfsmittel spielen sowohl präventiv als auch therapeutisch eine wichtige Rolle. Stützbandagen reduzieren die Amplitude der Sehnenbewegung und vermindern das Verletzungsrisiko bei belastungsintensiver Arbeit. Nach einer Zerrung können individuell angepasste Bandagen die Heilung unterstützen, indem sie die Sehne stabilisieren und gleichzeitig kontrollierte Bewegung ermöglichen. Auch die Korrektur biomechanischer Fehlbelastungen durch orthopädischen Hufbeschlag oder Polstereinlagen trägt zur Prävention bei.
Mögliche Symptome
Akute Lahmheit
Schwellung entlang der Sehne
Erhöhte Temperatur im betroffenen Bereich
Druckschmerzhaftigkeit
Bewegungsunlust
Belastungsschmerz
Vorsichtiger Gang
Verschlechterung bei Arbeit
Orthopädische Indikationen
Stützbandagen zur Sehnenstabilisierung
Therapeutische Bandagen in der Rehabilitationsphase
Kompressionsbandagen zur Schwellungsreduktion
Sehnenschoner für kontrollierte Belastung
Orthopädische Bandagen zur Rezidivprophylaxe
Häufige Fragen
Die Heilungsdauer variiert je nach Schweregrad zwischen 6 Wochen und 6 Monaten. Leichte Zerrungen erfordern mindestens 6-8 Wochen Schonung, schwerere Fälle mit größerer Gewebeschädigung benötigen 3-6 Monate strukturierte Rehabilitation. Ein zu früher Trainingsbeginn kann zu chronischen Sehnenproblemen führen. Die genaue Dauer bestimmt der Tierarzt anhand von Verlaufskontrollen und Ultraschalluntersuchungen.
Bei konsequenter Behandlung und vollständiger Ausheilung können die meisten Pferde wieder ihr ursprüngliches Leistungsniveau erreichen. Entscheidend ist ein strukturierter Aufbau über mehrere Monate mit schrittweiser Steigerung der Belastung. Regelmäßige tierärztliche Kontrollen mittels Ultraschall dokumentieren den Heilungsfortschritt. Präventive Maßnahmen wie korrektes Aufwärmen, angemessenes Training und unterstützende Bandagen reduzieren das Risiko erneuter Verletzungen.
Eine Sehnenzerrung zeigt meist moderate Schwellung und Lahmheit, die sich mit Ruhe bessert, während ein Sehnenschaden mit strukturellen Rissen zu stärkerer Schwellung, hochgradiger Lahmheit und deutlicher Verdickung der Sehne führt. Die genaue Unterscheidung erfolgt durch tierärztliche Untersuchung mittels Ultraschall, der das Ausmaß der Gewebeschädigung sichtbar macht. Bei plötzlicher Lahmheit mit Schwellung im Sehnenbereich sollte umgehend ein Tierarzt konsultiert werden.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.